Nuit de la Glisse – Filmemacher Thierry Donard: Über die Sucht nach dem Leben

„Addicted to Life“ ist das aktuelle Werk aus der beliebten Actionsport-Filmreihe „Nuit de la Glisse“, welche Ende der 70er-Jahre von jungen Extremsportlern ins Leben gerufen wurde. Wir haben mit dem Extremportfilmer und Regisseur Thierry Donard gesprochen, der bereits seit 1984 die Filme für „Nuit de la Glisse“ produziert. Unter Extremsport-Fans hat die Reihe in den vergangenen 30 Jahren so etwas wie Kultstatus erreicht. Seit 1984 erscheint jährlich ein neuer Film. Jedes Jahr werden die Filmaufnahmen aufwendiger, die Stunts spektakulärer und die gesamte Produktion teurer.

Donard ist selbst begeisterte Skifahrer und Actionsport-Fan. Seinen ersten Ski-Film drehte er im Alter von zwölf Jahren, heute gilt er als einer der renommiertesten Actionsport-Produzenten der Welt. Für sein aktuelles Werk ist der Franzose mehr als sechs Monate unterwegs gewesen. Die Aufnahmen sind unter anderem in den Dolomiten und auf Tahiti, in Chamonix Mont-Blanc und der Wüste von Tabernas in Spanien entstanden. Zum ersten Mal seit Langem ist wieder eine Wingsuit-Sequenz dabei, für die der Schweizer Mathias Wyss in den Wingsuit stieg. Für Donard ein emotionaler Moment, wie er sagt. Ein enger Freund von ihm kam bei einem Wingsuit-Flug für einen anderen Film ums Leben. Der Titel „Addicted to Life“ ist ihm gewidmet.

Eine der größten Herausforderungen beim Dreh mit dem rund 30-köpfigen Team war laut Donard das Wetter: Mal spielte der Wind nicht mit, mal war der Schnee nicht perfekt genug und ein anderes mal war die Brandung im Ozean einfach zu heftig. „Man weiß nie, was einem Mutter Natur geben oder auch nehmen wird“, so der Regisseur. Wer einen guten Extremsportfilm machen will, braucht eben vor allem eins – Geduld. Und die hat Thierry Donard, denn wie er im Interview erklärt, ist es sein Anspruch, sich immer selbst zu übertreffen.

Donard ist genau das mit seinem neuen Kinofilm gelungen. Er bringt das Publikum dem Lebensgefühl der Sportler näher, vermittelt ihre unbändige Liebe und Hingabe zu ihrer Sportart. Dabei geht es nicht immer um den maximalen Erfolg. Scheitern ist Teil dieser Liebe. Zur Suche nach dem perfekten Stunt gehört eben auch, auf die Nase zu fallen. Mittlerweile sind Donards Filme zu einer Institution für Extremsport-Fans aus aller Welt geworden, denn durch sie lässt sich die Bildgewalt der Sportarten auf der Kinoleinwand voll auskosten.

Der Film „Addicted to Life“ kommt am 19. und 26. Februar 2015 als einmaliges Film-Event in mehr als 50 deutsche Kinos. Adrenalin-Junkies sollten sich das Datum fett im Kalender markieren. Die Locations und genauere Infos zu den einzelnen Terminen bekommt ihr auf der Facebook Seite von La Nuit de la Glisse. Für alle, die schon jetzt einen kleinen Einblick bekommen möchten, haben wir vorab mit Thierry, dem Mann hinter dem Film, gesprochen.

Thierry Donard, der Regisseur von „Addicted to Life“

Thierry, was treibt Dich immer wieder dazu an, Projekte wie dieses zu realisieren?
Ich liebe einfach meinen Job, für mich ist es mehr als nur Arbeit. Es ist die größte Leidenschaft in meinem Leben!

Wie finanzierst Du Deine Filme und wie viel kostet so eine Produktion ungefähr?
Um meine Produktionen und die Distribution zu finanzieren, arbeiten wir in der Regel auf drei Ebenen: Koproduktionen, lokale Unterstützung an Orten, an denen wir filmen und Sponsoring. Im Durchschnitt kostet so ein Film etwa eine Million Euro. Das klingt natürlich zunächst nach sehr viel, aber wir filmen immer in Kino-Qualität, und wenn man es mit den meisten anderen Kinoproduktionen vergleicht, ist es dann eher wenig.

Wie lange haben die Dreharbeiten zu „Addicted to Life“ gedauert und welche Spots haben Dich dabei am meisten beeindruckt?
Wir haben am 1. März letzten Jahres in den Dolomiten begonnen und unsere Dreharbeiten im September auf Tahiti beendet. Dazwischen waren wir unter anderem in Chamonix Mont-Blanc und der Wüste von Tabernas in Spanien. Die Drehorte, an denen wir auf unserer Reise waren, hatten oft etwas Spirituelles oder Magisches an sich. Es ist die pure Natur und man weiß nie, was einem Mutter Natur geben oder auch nehmen wird. Die eindrucksvollste Location bei diesem Dreh, war für mich Tahiti.

Gab es für Dich beim Dreh einen besonders bewegenden Moment?
Beim Dreh zu „Addicted to Life“ war für mein Team und mich vor allem die Wingsuit-Sequenz sehr emotional. Es war das erste Mal, dass wir wieder Aufnahmen von einem Wingsuit-Flug gemacht haben, seitdem ein sehr enger Freund beim Wingsuit-Dreh für einen anderen Film tragisch verunglückt ist. Die Erinnerung an ihn gab uns aber die Kraft, weiter zu machen und inspirierte uns zum Titel „Addicted to Life“, den wir ihm gewidmet haben.

Was war für Dich die größte Herausforderung beim Dreh?
Das Wetter. Deshalb waren Vorhersagen für uns eine enorm wichtige Unterstützung, da das Jahr 2014 in Sachen Meteorologie extrem chaotisch war.

Du hast in den letzten Jahren schon mehrere Filme für „La Nuit de la Glisse“ gedreht – ist das Dein bis dato bester Film?
Ich denke, dass ich meinen neuesten Film immer am besten finde. Mein Anspruch und meine Motivation sind es, immer besser zu sein und noch schönere Aufnahmen als beim letzten Film einzufangen. Man kann also schon sagen, dass „Addicted to Life“ bisher mein bester Film ist. Ich freue mich aber jetzt schon darauf, in diesem Jahr einen noch besseren Film zu produzieren.

Du hast für Deinen Film mit vielen großartigen Extremsportlern zusammengearbeitet – hast Du da einen Favoriten?
Ich finde, jeder einzelne von Ihnen ist ein wirklich spannender Charakter. Ich habe keinen Favoriten, weil ich sie alle mag. Wichtiger als alles andere ist für mich die Persönlichkeit der Sportler. Der Athlet muss in der Lage sein, die Geschichte, die ich mit dem Film erzählen möchte, gut rüberzubringen. Wer mich aber bei diesem Film wirklich beeindruckt hat, ist der Surfer Matahi Drollet. Er ist 17 Jahre alt und eine extrem zielstrebige Person. In diesem Jahr hat er die größte Welle in Teahupoo erwischt.

Matahi Drolet ©Perfect Moment Entertainment

Was machst Du, wenn Du nicht gerade einen Film drehst?
Eigentlich dreht sich bei mir alles um das Filmemachen. Wenn ich nicht gerade einen Film drehe, dann bin ich z.B. auf der Suche nach Mitteln, um meinen neuen Film zu finanzieren. Außerdem trainiere ich viel, um in Form zu bleiben. Denn nur wenn ich fit bin, kann ich unter den harten Bedingungen, unter denen mein Team und ich oft drehen, gute Arbeit machen.

Wenn du drei Ziele auswählen dürftest, an denen du shooten könntest, welche wären das?
Bis heute habe ich an so vielen Plätzen überall auf der Welt gedreht, dass es mir schwer fällt, nur drei auszuwählen. Tahiti mag ich wirklich gerne. Nicht nur wegen seiner atemberaubenden Schönheit, sondern auch wegen seiner besonderen Kultur und dieser Inselmentalität. Es hat dort alles etwas sehr Ursprüngliches an sich. Außerdem liebe ich es in den Alpen und Alaska zu drehen und mein Ziel für nächstes Jahr ist der Himalaya. Zu guter Letzt würde ich noch Mexiko wählen, weil ich es ein sehr inspirierendes Land finde. Ich hatte schon mal die Gelegenheit, an diesem Ort ein paar Szenen zu filmen. Aber ich weiß, dass ich unbedingt noch mal dorthin zurück muss – denn Mexiko bietet für fast jede Extremsportart das passende Terrain.

©Perfect Moment Entertainment

©Perfect Moment Entertainment

©Erlend Haugen

©Perfect Moment Entertainment

©Perfect Moment Entertainment

Clip:

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Kommentare

Eine Antwort zu “Nuit de la Glisse – Filmemacher Thierry Donard: Über die Sucht nach dem Leben”

  1. Sandrina Koemm sagt:

    Grandioser Film, cooler Typ. Werde ich mir auf jeden Fall ansehen!

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