CJ Monét – Confessions Of A People Pleaser: Die Kunst der radikalen Ehrlichkeit

Das Debütalbum „Confessions Of A People Pleaser“ von CJ Monét beginnt mit einer Sprachnachricht. Es ist die Stimme von Jean, der verstorbenen Großmutter von CJ Monét, die das Album mit den Worten „Okay, later, love ya“ segnet. Alles, was auf diesen Einstieg folgt, scheint unter der liebevollen Aufsicht dieser Erinnerung geschrieben zu sein. Nach einem sanften Klavierpart, der die Abwesenheit der Großmutter spürbar macht, singt sich CJ Monét in „The Wheel“ hinein. Sie stellt sich vor, sucht ihren Weg und gibt offen zu, dass sie immer wieder hinfällt. Eine junge Künstlerin präsentiert sich der Welt, behütet von der Frau, die sie einst prägte. Vor ihrer Musikkarriere arbeitete Monét als Malerin in einem Studio in Durham. Dieses feine Gespür für Nuancen bringt sie nun in ihr Songwriting ein.
CJ Monét x Confessions Of A People Pleaser – Die Eleganz der kleinen Gesten
In „Come Get Me“ wird das Aufrechnen von vergangenem Schmerz zu einer ehrlichen Bestandsaufnahme. Sie singt von „drei oder vier Malen“, die sie verletzt wurde. Eine runde Zahl wäre glatter gewesen, aber diese vage Formulierung hält die Erinnerung ehrlich. Genau so fühlt sich Herzschmerz in der Realität an. Im Outro des Songs schrumpfen die Ansprüche der Künstlerin auf ein Minimum. Sie bittet lediglich um Blumen und ein Abendessen, um zu wissen, dass sie geliebt wird. Wo andere Stimmen im zeitgenössischen R&B die Erwartungen künstlich aufblähen würden, macht sich Monét ganz klein. Die Zerrissenheit einer Frau, die es allen recht machen will, liegt genau in dieser leisen Wiederholung. Sie fordert nicht viel, aber sie fordert echte Präsenz.
Zwischen Altar und nackter Realität
Ein Liebhaber wird auf „Serotonin“ anfangs noch mit einer Kirche verglichen. Monét zieht die chemische Metapher konsequent durch beide Strophen. Dopamin im Kopf, Serotonin auf den Lippen. Sie beschreibt einen Partner, der Feuer im selben Raum legt, in dem er es eigentlich löschen soll. Zum finalen Refrain ist der Altar jedoch leer gefegt. Sie verlässt den Ort mit einem Gefühl der Leere. Es ist die stärkste Kehrtwende der Platte. Damit gelingt ihr ein moderner R&B-Song über den Verlust des Glaubens, der tief berührt. In „Lucid Dreaming“ bricht der Gastmusiker Sonny Miles mit politischen Zeilen in diese Welt ein. Während Monét über persönliche Ängste singt, spricht Miles über vergebliche Kämpfe um die Freiheit. Die beiden Stimmen bleiben in getrennten Räumen, und doch funktioniert dieses Nebeneinander perfekt.
Die Suche nach der eigenen Grenze
Nicht jede Zeile auf dem Album trifft ins Schwarze. Der Song „Living For“ gerät textlich etwas zu flach. Phrasen über das Reisen und die Behauptung, wir seien alle gleich, wirken im Vergleich zur restlichen Präzision fast wie Kalendersprüche. Dennoch wiegen die restlichen Songs schwer genug, um diesen kleinen Durchhänger zu verzeihen. In „Face the Music“ liefert Monét dann vier schonungslose Selbstanklagen hintereinander ab. Sie kämpft damit, sich selbst zu stellen, und verurteilt sich zu hart. Ein Gastbeitrag von Leeville hält sie auf Kurs, bevor Monét (Youtube) die perfekte Metapher für ihr Dilemma findet. Sie betet darum, nicht die Biene zu sein, die in ihrem eigenen Honig ertrinkt. Auf dem finalen Stück „Too Late“ zieht die Enkelin schließlich eine klare Grenze. Sie fragt, wie lange sie noch durchhalten kann, und gibt die Antwort selbst. Zehn Songs nach der Eröffnungsnachricht hat sie gelernt, Nein zu sagen.


