Hit-Boy – The Chauncey Hollis Project II: Intimes Statement eines Hitmakers

Mit The Chauncey Hollis Project II legt Chauncey Hollis Jr., im Hip-Hop-Kosmos seit gut zwei Jahrzehnten besser bekannt als Hit-Boy, sein mittlerweile achtes Mixtape vor. Nachdem der Producer und Rapper aus Fontana/Kalifornien, erst im vergangenen Sommer mit HITStory 2: Success is a Dirty Word ablieferte, schlägt die Fortsetzung seines 2020 gestarteten Herzensprojekts spürbar leisere und ehrlichere Töne an. Der Fokus liegt weniger auf glattpolierten Radio-Hooks, sondern vielmehr auf dem ungeschminkten Blick in seine Gedankenwelt.
Hit-Boy The Chauncey Hollis Project II – Der lange Weg zur eigenen Stimme
Der Werdegang von Hit-Boy liest sich wie die Blaupause einer modernen Producer-Karriere. Entdeckt von Polow da Don, führte ihn sein Weg über frühe Produktionseingriffe bei Mary J. Blige und Lil Wayne direkt in die Hallen von Ye. Unter dem Dach von G.O.O.D. Music prägte er den Sound der Dekade mit Bängern wie Ns in Paris oder Kendrick Lamars Backseat Freestyle nachhaltig. Doch nach Ausflügen mit seinem eigenen Label HS87 und weltweiten Megahits für Beyoncé, Drake oder Travis Scott erlebte Hollis in den 2020er-Jahren eine künstlerische Neugeburt. Insbesondere die gefeierten Kollaborations-Trilogien mit Nas bewiesen, dass hinter dem Hitmaker ein echter Hip-Hop-Purist steckt.
Rückbesinnung auf das Wesentliche
Schon der Auftakt ON A STREAK nutzt ein melancholisches R&B-Sample als Fundament, auf dem Hollis gewohnt selbstbewusst, aber nicht überheblich agiert. Während POLITICKIN‘ von hart erarbeitetem Erfolg und konsequenter Arbeitsmoral erzählt, bringt das wiederholte Zusammenspiel mit The Alchemist auf LUNCH LINE entspannte Sommer-Vibes der Extraklasse.
Richtig tief blickt der Hörer jedoch bei CANNONBALL: Über einer nostalgischen Melodie erinnert sich Hit-Boy an seine Kindheitstage und gedenkt Weggefährten, die durch Gewalt aus dem Leben gerissen wurden. Auf P.O.P. (PURPOSE OVER PRIDE) holt er sich Unterstützung von 03 Greedo, um über die Wichtigkeit von Haltung gegenüber bloßem Ego zu reflektieren. Auch DON’T LET THEM STRESS YOU mit Dom Kennedy liefert klassischen Boom-Bap-Flavour mit entspannter West-Coast-Kante.
Vielschichtige Soundwelten statt Club-Banger
Musikalisch zeigt sich das Mixtape weitaus facettenreicher als der Vorgänger. Neben der bewährten Mischung aus Boom-Bap und modernen Trap-Elementen fließen immer wieder Nuancen von Chipmunk-Soul und Jazz-Rap ein. Das schließt auch energische Ansagen wie TECH DECKS ein, bevor das Projekt mit OVERDID IT mit Stacy Barthe auf einer vielschichtigen, melodischen Piano-Kollage ausklingt.
Hit-Boy nutzt The Chauncey Hollis Project II nicht, um die Tanzflächen zu füllen, sondern um sich Dinge von der Seele zu reden. Das Ergebnis ist ein gereiftes, persönliches Werk eines Künstlers, der niemandem mehr etwas beweisen muss.


