The Twit 1, II, Three: Sun Ra und J Dilla im Anflug auf Jupiter

Aus Köln kommt ein Debüt, das Genregrenzen gar nicht erst zur Kenntnis nimmt. Am Freitag erschien das selbstbetitelte Album von The Twit 1, II, Three bei Melting Pot Music, es umfasst elf Tracks. Hinter dem Namen stehen der Produzent Twit One, die Vibraphonistin Maxime von Koblinski und der Schlagzeuger Niklas Schneider. Gemeinsam mischen sie Hip-Hop, Krautrock, Tropicalia, Spiritual Jazz und Ambient zu großartig inszeniertem Kraut-Exotica-Hip-Hop, der stilistisch keine Grenzen kennt.
Wie das klingt, lässt sich auf zwei Arten erzählen. Die bodenständige Version lautet: Twit One, komplett mit echten Instrumenten produziert und gespielt. Die poetische Version schickt Sun Ra und J Dilla auf den Weg zum Jupiter, mit einem Zwischenstopp in Montreux. Beide Beschreibungen stimmen, denn das Album verwandelt Samples und Konzepte in Musik, die eine echte Band spielt.
Ein Beatmacher wird zur Band
Twit One prägt die Kölner Beat- und Hip-Hop-Szene seit mehr als 15 Jahren. Er steht als DJ hinter den Plattenspielern, produziert, macht Radio und betreibt den Plattenladen Groove Attack mit. Damit kennt er die Szene aus allen Richtungen, vom Auflegen über das Produzieren bis zum Plattenverkauf. Für ihn ist Hip-Hop weniger ein Genre als eine Haltung und eine kulturelle Praxis, die tief in der afroamerikanischen Musikgeschichte wurzelt.
Mit The Twit 1, II, Three überführt er diese Vision zum ersten Mal in einen Bandkontext. Neben ihm spielt die klassisch ausgebildete Maxime von Koblinski das Vibraphon und Niklas Schneider, Schlagzeuger der Kölner Kraut-Pop-Band Keshavara, sorgt für den Rhythmus. Twit selbst fungiert als musikalischer Leiter, liefert Samples und Konzepte und greift gelegentlich zum Bass. Damit steht er nicht mehr allein mit seinen Beats im Raum, sondern teilt ihn mit zwei Mitspielern.
Von der Kassette ins Satori Studio
Schon 2024 veröffentlichte die Band in Eigenregie eine C20-Kassette, limitiert auf 100 Exemplare. Dazu spielte sie Konzerte beim Week-End Festival und beim Soundball Festival in Köln. Weitere Stationen waren die Philharmonie Essen, die Schleuse Zwei in Düsseldorf, das Aktionshaus in Berlin und das De Duivel in Amsterdam. So stand die Band schon vor dem Album in drei Städten Nordrhein-Westfalens sowie in Berlin und Amsterdam auf der Bühne.
Danach bezog das Trio das Satori Studio in Köln-Müngersdorf und arbeitete dort anderthalb Jahre an seinem Debüt. Die Konzerte lagen da bereits hinter ihnen. Zwischen Kassette und Album liegt somit eine lange Phase konzentrierter Studioarbeit, das Ergebnis reißt musikalische Barrieren ein, statt sich in eine Schublade zu fügen.
Acht Instrumentals und zwei Gäste
Acht der zehn Tracks kommen ohne Gesang aus. Auf den übrigen Stücken übernehmen Reginald Omas Mamode IV und Turt von Summers Sons den Gesang. Die Band hat die beiden langjährigen musikalischen Freunde eingeladen, beide veröffentlichen ebenfalls bei Melting Pot Music.
Das Artwork stammt von Jeremias Diekmann und Robert Winter. So steht am Ende ein Album, in dem ein Plattenladen-Mitbetreiber, eine klassisch ausgebildete Vibraphonistin und ein Kraut-Pop-Schlagzeuger Hip-Hop als Haltung leben. Genau deshalb wirkt das Debüt wie ein Beweis, dass Hip-Hop keine Grenzen braucht, um zu wachsen.


