Und ihre Schwester

Im Spätsommer 1998 lernte ich Sophia in unserem damaligen Stammclub kennen, mit dabei: ihre Schwester Annika. Älter, unabhängig davon aber auch mindestens 35 Attraktivitäts-Punkte weniger. Diese Konstellation sollte sich so schnell auch nicht ändern, wenn immer man sich traf: Annika war dabei. Im Kino, beim Essen und natürlich auch die Woche drauf, erneut im Club. Kurz vor Aufbruch stellte ich dann die Übernachtungsfrage, um ganz sicher zu gehen bot ich als guter Gastgeber die Schlafcouch im Gästezimmer an, denn dass Annika uns auch jetzt begleiten würde, stand außer Frage wie Jeopardy-Ausgeschiedene. „Ach, das ist nett. Aber ich schlafe da, wo Sophia schläft!“, wer hätte jetzt das gedacht?!

Ein wenig hoffte ich natürlich auf ein Triple-Feature, denn dass an diesem Abend noch gefummelt werden würde, war klar. Immerhin arbeitete ich da jetzt eine Woche intensivst drauf zu und auch wenn Fummelism nicht meine einzige Ambition war, dann aber doch eine sehr, sehr Große. Und tatsächlich: selbst in der Nacht liess Annika Sophia nicht aus den Augen. Lag da, am äußersten Bettrand, beobachtete Alles ganz genau, musste Linienrichter in der Familie gehabt haben. Nach dem Triple-Feature braucht Ihr gar nicht erst zu fragen, ich traute mich nicht es ist ja nicht unbekannt, dass Überwachung per se contra-schwellkörpös wirkt.

Ich musste einen Typen für Annika finden, sie musste abgelenkt werden wie Luxationen, ich brauchte ein Attraktivitäts-Pendant. Auf einer Skala von 1-100 lag Annika so bei 47, mit Pech 45. In meinem Freundeskreis herrschte zu der Zeit aber ausschließlich 60+, wobei… Jan hatte sich gerade trotz Segelöhrigkeit (light) eine Glatze rasiert und seit dem letzten Snowboard-Urlaub fehlte ihm ein Stückchen Schneidezahn, er dürfte somit knapp unter die 50 gerutscht sei – super! „Jan, ich hab‘ da eine Tante für dich, die musst du kennenlernen!“, „Skalier‘ mal!?“, „Weiß nicht, also, … also mindestens 71!“, ich log balkenbogös. „Naja, besser als die 37 vom Pfingsturlaub. Wer ist sie?“, „Die Schwetser von Sophia, kennst du?“, „Neé. Skalier‘ mal!?“, „So 83!“, „Du Schwein. Aber gut, count me in!“.

Also wieder in den Club, Jan vorher mit ausreichend Gin-Tonic milde gemacht, ihm Annika vorgestellt und endlich mal drei Stunden Ruhe gehabt. „Lass uns los, Sophia, endlich allein!“. „Nee, geht nicht. Annika kommt wieder mit, das musste ich Ihr versprechen!“. „WAS? W-w-w…ieso das?“. „Naja, sie macht sich Sorgen um mich, das war schon immer so!“. „Gibt es denn irgendeine Möglichkeit, dass wir mal allein sind?“, „Naja, wenn wir zu uns nachhause fahren!“. Was eine Option! Die beiden lebten noch bei ihren Eltern, den Vater umschrieb Sophia mir mal als Mitglied im lokalen Ortsverband der CDU, außerdem würde er ehrenamtlich Bußgelder für die Stadtkasse eintreiben, sei sonst aber nett. Ich habe Sophia nie erzählt, dass genannte Charakteristika jeglich Nettigkeit ausschließen wie Tür zu Schlüssel innen. Meine ganze Hoffnung lag auf Jan’s Schultern, ich bestellte noch ein Dutzend Gin-Tonics an seinen Tisch, er musste es irgendwie schaffen, Annika mitzunehmen. Drei Uhr, Zeit für einen Status-Check „Und? Geht das was?“, wollte ich gutgelaunt wissen. „Lil‘ MC, schöyn‘ Dank für den ganzen Schnaps, toll. Aber da geh‘ ich nicht bei, das ist maximal eine 45!“. Verdammt! Klar, er hatte ja recht, aber was war mit dem verdammten Wacholdermist los, nie wieder benutzte ich Gin als Meinungsverstärker.

Meine Laune war im Keller wie Fritzl. Seit 14 Tagen hühnerte ich jetzt schon mehr rum als KFC und immer noch kein Scoring in Sicht. Half also wieder nur die Progressive Abstraktion: „Annika, ich würd‘ gern mit Deiner Schwester schlafen, ich denke es ist besser, Du fährst heim!“. Doublebax! Ich bekam’s links und rechts, zum Glück nicht gleichzeitig, sonst hätte ich heute noch ein längeres Gesicht als Pferde. Was genau die beiden auf dem Weg nach draußen vor sich herfluchten, konnte ich aus tinnituösen Gründen nicht genau verstehen, aber es musste irgendwas mit Tanzfuchser oder Kuhrenbohm zu tun gehabt haben.
„Herr Ober?! Bitte nochmal 2 Gin-Tonic!“.

Kommentare

17 Antworten zu “Und ihre Schwester”

  1. setann sagt:

    frauen werden total überbewertet!

  2. Cruz sagt:

    Contra-Schwellkorpös & Segelöhrigkeit light, meine Welt wurde grad um zwei Glanzstücke der deutschen Wortkombinationen erweitert.

    Richtig edel, MC! :D

  3. Jerry B. Anderson (tm) sagt:

    mal wieder fantastic if laiphtyme.
    1998 war deine blue glases time ja Gott sei Dank over sonst wärst du nie im Club der Fummelisten ™ gelandet, du SAN.

    Deine xtremste suntime kam ja auch noch later. trotzdem fantastic die Mser Classics ™. love it

  4. Mac sagt:

    Hehe, hatte auch mal ne Perle, die ihre zwei Freundinnen als Aufpasser immer mitgeschleppt hatte. Kann die Pain nachvollziehen. Habe dann aber letztendlich doch meinen Quaddruplespaß gehabt… Ich sollte wohl auch mal aus meiner Jugend bloggen…

  5. camouflage sagt:

    dein storytelling is der hammer mein lieber! :D.

    kack drauf, frauen sind was für schwuchteln.

  6. MHW sagt:

    :) „Meine Laune war im Keller wie Fritzl“ Hahahaharr, Herrlich! Gut gelacht.

  7. Jo sagt:

    Solche Sachen muss man direkt ansprechen, ehe man sich selbst zu sehr erniedrigt. Mal richtig schön vor den Kopf knallen ;)

  8. denzel (Skala = 98) sagt:

    rumhühnern wie bei KFC = epic! ^^

  9. singhiozzo sagt:

    Endlich mal dazu gekommen die aktuelle Geschichte zu lesen. Hat sich doch wieder gelohnt – sehr geil! Jaja, die guten alten Classics sind einfach nicht zu toppen!

  10. Folker sagt:

    GT – immer noch der Problemlöser Nr 1 – oder zumindest danach der Seelentröster Nr 1 – kennen wa allet ;-)

  11. Addliss sagt:

    Mal wieder eine epische Story, MC! Am geilsten war die Stelle:

    … sie musste abgelenkt werden wie Luxationen …

    Allerdings werden da unschöne Erinnerungen wach! Ich war damals froh, dass es nicht mein Finger war, der da offen (!) luxiert war…

  12. Perot sagt:

    „Skalier mal!“ – den muss ich mir merken! :-) Du hast aber auch ein Vokabular – mach mal ein Wiki dafür auf: Auf’n Flash kommen, down sein, Struggle haben etc. – hab davon aber schon vieles in meinen eigenen Wortschatz integriert und versuche kontinuierlich, andere damit zu infizieren. Gelingt bisweilen auch ganz gut. ;-)

  13. MadStan sagt:

    … das letzte Mal als ich es von einer Frau links und rechts bekam, war ich gefesselt und ich musste dafür bezahlen.

  14. Hudson sagt:

    im Keller wie Fritzl.. :-D good one!

  15. MC Winkel sagt:

    @setann: Würd ich so jetzt nicht sagen!
    @Cruz: Hier lernst‘ noch was, näh! :)
    @Jerry B. Anderson ™: Bei meinem aktuellen Style würde ich sogar MIT blue glasses striken, Du sun if my laiphtahm! :)
    @Mac: Quadruple?! Was ist da denn los, Herr Mac?
    @camouflage: Letzter Satz = epic, also, so auf angedachtem Level. :)
    @visus: Danke! :)
    @MHW: :)) … ich bin mir nicht sicher, aber ich glaube, den hatte ich vor 2 Jahren schonmal… aber kannst‘ gar nicht oft genug bringen, das Ding. :)
    @Jo: Techelinski! :)

  16. MC Winkel sagt:

    @denzel (Skala = 98): 98 = super! *lol*
    @singhiozzo: Danke Dir!
    @Folker: Hm, hat in diesem Fall nur leider nicht soo gut geklappt, nech?! Heute würde ich da auch eher Jägerbombs hinschicken! :)
    @Addliss: Ah, gut, verstanden. War mir nicht so sicher, ob man den geahnt bekommt. :)
    @Perot: *lol* sauber! Das war immer mein Ziel; der Emser-Slang muss unters Volk! (was denn noch noch? Auch buten und binsen? :))
    @MadStan: Ah, hier, … Junggesellenabschied? Aber den bezahlen doch die Freunde!?! :)
    @Hudson: Danke! :)

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