Jungle – Sunshine: Wenn der Groove durch Höhen und Tiefen trägt

Das britische Musikkollektiv Jungle meldet sich mit seinem mittlerweile fünften Studioalbum Sunshine zurück und beweist einmal mehr, warum es zu den prägendsten Pop- und Soul-Gespannen der Gegenwart gehört. Nach dem phänomenalen Erfolg von Volcano und dem weltweiten Ohrwurm-Meme Back on ’74 zeigt die Formation um J Lloyd, Tom McFarland und Lydia Kitto eine spürbar gereifte Soundwelt. Hier ist das neue Album von Jungle, „Sunshine“; wir hören es uns an.
War das Projekt früher vor allem für seine treibenden, hedonistischen Dance-Tracks bekannt, verarbeitet die Band nun noch facettenreicher die klassischen Themen des Lebens. Liebe, Verlust und die Kunst, sich vom Groove tragen zu lassen, stehen im Mittelpunkt des neuen Materials. Das Album liefert exakt das, was Fans erwarten, verpackt diese Vertrautheit jedoch in ein wunderbar frisches und dynamisches Gewand.
Jungle x Sunshine – Vom Kollektiv zum eingespielten Trio mit perfekter Chemie
Ein wesentlicher Grund für diesen Entwicklungsschritt liegt in der internen Struktur der Band. Nachdem Lydia Kitto bereits 2023 offiziell zum festen Mitglied aufstieg, zahlt sich diese Entscheidung auf dem neuen Langspieler endgültig aus. Der Gewinn des BRIT Awards als beste Gruppe markierte bereits den Auftakt dieser neuen Ära, und Sunshine klingt nun wie das Werk einer Formation, die ihre perfekte Chemie gefunden hat. Die Aufteilung zwischen mitreißenden Pop-Bangern und nachdenklichen Momenten gelingt mühelos.
Schon der Auftakt mit Come Back To Me startet mit einem nostalgischen Retro-Feeling, ehe der Song in diesen unverkennbaren Jungle-Rhythmus ausbricht, der sofort Erinnerungen an sonnige Nachmittage an der Copacabana weckt. Der anschließende Titeltrack Sunshine versprüht mühelos Sommerenergie. Ein eingängiger Refrain trifft auf funkelnde Production-Details und verankert sich als dauerhafter Ohrwurm.
Perfekte Balance aus Energie und Entspannung
Auch im weiteren Verlauf der Platte beweisen Jungle ein Händchen für die richtige Balance aus Energie und Entspannung. Während Where Are You Now? das Tempo zunächst etwas drosselt und sich mit einem markanten Tambourine-Beat langsam zu einer echten Hymne hochschaukelt, zieht das treibende Move Like You Do die Hörer mit cleveren Disco-Elementen direkt wieder auf den Tanzboden.
Für Romeo II kehrt Rapper Bas zurück, der schon auf dem Vorgänger einen denkwürdigen Gastauftritt hatte. Sein selbstbewusster Flow fügt sich harmonisch über die gechoppten Soul-Samples ein. Mit der Leadsingle Carry On wird die Stimmung schließlich weicher, sodass Lydias Gesang viel Raum zur Entfaltung bekommt. Eine dezent jazzige Note durchzieht das Arrangement, während die beichtenden Texte einen fesselnden Kontrast zur glänzenden Instrumentalspur bilden.
Tropische Rhythmen und ein melancholischer Abschied
In der zweiten Hälfte des Albums schlagen Jungle noch einmal spannende neue Richtungen ein. Tracks wie The Wave bedienen sich bei brasilianischen Rhythmen der 60er- und 70er-Jahre und verleihen dem Album einen tropischen Touch. Die beruhigende Textzeile über das Durchhalten in schwierigen Zeiten bringt die Kernbotschaft des gesamten Werks auf den Punkt.
Nach dem verspielten Someday, Somewhere leitet das charmante Natural mit seinen flotten Gitarrenläufen langsam das Finale ein. Hier wird das Album deutlich intimer und sentimental. Reflection zeigt Lydia von ihrer verletzlichen Seite, wenn sie offen über eigene Unsicherheiten und Zweifel spricht. Der abschließende Track Heavy On My Soul bringt das Werk schließlich zu einem ruhigen, fast melancholischen Ende. Jungle liefern hier ihr bislang stimmigstes Album ab, das die Höhen und Tiefen des Lebens perfekt einfängt.


