Okvsho – Frozen Flashes: Wie aus flüchtigen Studio-Momenten neun Songs entstehen

Okvsho Frozen Flashes

Mit „Frozen Flashes“ liefern die Zürcher Brüder Christoph und Georg Kiss unter dem Namen Okvsho ein Album, das Zufall zur Methode erhebt und daraus einen der eigenwilligsten Jazz-Entwürfe des Jahres formt. Erschienen ist die Platte über Current Moves, und sie hört sich an wie das Protokoll eines Prozesses, bei dem nichts geplant und trotzdem alles am richtigen Platz wirkt.

Das liegt an der Arbeitsweise, die dem Album seinen Namen gibt. In Sessions zwischen Zürich und London spielten die beiden Brüder zunächst gemeinsam im Raum, ohne festes Songgerüst. Aus diesen Läufen wurden kurze, spontane Momente herausgeschnitten, gesampelt und neu zusammengesetzt, bis am Ende neun fein austarierte Stücke standen. Genau diese unplanbaren Blitze, die während einer Session aufblitzen und wieder verschwinden, bilden das kompositorische Fundament des Albums.

Okvsho Frozen Flashes – Zwischen Groove-Präzision und offener Improvisation

Musikalisch bewegt sich Okvsho zwischen zeitgenössischem Jazz, Broken Beat, Hip-Hop und moderner elektronischer Musik, ohne sich einer dieser Kategorien unterzuordnen. Die Kompositionen wechseln mühelos zwischen eng verzahnten Grooves und atmosphärisch offenen Passagen, was dem Album eine Dynamik verleiht, die sich erst nach mehrmaligem Hören vollständig erschließt. Technische Präzision und spielerische Neugier stehen dabei nie im Widerspruch zueinander, sondern verstärken sich gegenseitig.

Diese Balance macht „Frozen Flashes“ zu einem Album, das sowohl energetisch als auch reflektiert wirkt. Es bleibt fest in Groove, Spontaneität und musikalischer Neugier verwurzelt, drängt aber gleichzeitig über gängige Genregrenzen hinaus. Genau darin liegt die Stärke des Duos: Sie nehmen sich die Freiheit, jazzige Improvisation und produktionstechnische Schärfe als gleichwertige Werkzeuge zu behandeln.


Gastauftritte als gezielte Akzente

Verstärkt wird dieser Ansatz durch eine Reihe von Kollaborationen, die dem Album zusätzliche Facetten geben. Azekel, Melodiesinfonie, FloFilz, Tenderlonious und Hadel bringen jeweils eigene Handschriften ein und erweitern damit die instrumentale Palette des Duos, ohne den roten Faden des Albums zu verwässern. So bleibt „Frozen Flashes“ weniger ein klassisches Album im konventionellen Sinn als vielmehr eine Sammlung von Momenten, die den Bogen zwischen Live-Session und Studioarbeit sichtbar macht.

Okvsho Frozen Flashes // Live-Termine quer durch Europa

Im Herbst bringt das Duo diese Momente auf die Bühne. Los geht die Europatour am 30. Oktober in Paris im Le Hasard Ludique, gefolgt vom Londoner EartH am 31. Oktober. Bis Dezember stehen weitere Stationen in Kopenhagen, Amsterdam, Barcelona, Wien und Berlin auf dem Plan. Wer die Live-Umsetzung dieser gesampelten Improvisationen erleben möchte, findet dort ausreichend Gelegenheit dazu.

Mit „Frozen Flashes“ zeigt Okvsho (Youtube) eindrucksvoll, wie fragmentarische Ideen zu vollständigen Themen heranreifen können. Das Album bleibt roh und durchdacht zugleich und macht damit deutlich, dass echte musikalische Erneuerung selten aus starren Konzepten entsteht, sondern aus dem Mut, den Zufall ernst zu nehmen.

Okvsho – Frozen Flashes // Spotify:

Okvsho – Frozen Flashes // apple Music:

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