.multibeat – OOO // Utrechter Trio schmiedet Beats, Jazz und Soul zu einem Ganzen

multibeat OOO

Das niederländische Trio .multibeat meldet sich mit „OOO“ zurück, seinem dritten Album und dem ersten für das Berliner Label Sonar Kollektiv. Boudewijn Pleij (Keys), Thijs van Zutphen (Bass) und Aron Smit (Drums) stammen aus Utrecht, einer offenen Kulturstadt mit reicher Musiktradition. Dieses Umfeld, aus dem auch das Kyteman Orchestra und Rapper Sticks hervorgingen, prägt ihre offene Haltung. Dort entsteht ihr Sound, in dem der Beat stets im Zentrum steht und Hip-Hop und Jazz zu etwas Eigenem verschmelzen.

Sonar Kollektiv wirkt dabei wie das natürliche Zuhause, denn die Band widmet sich hier ihren Wurzeln zwischen Robert Glasper und J Dilla. Das Album bleibt zugleich unabhängig im Geist und treu zum Live-Sound, den das Trio seit den Anfängen als Backing Band pflegt. Nach „Toolbox“ (2022) und „Channel Island“ (2024) wirkt „OOO“ wie die Rückkehr zur experimentellen Seite der Band. Mit 14 Tracks liefert es eine Platte, die als Ganzes funktioniert.

Gäste, die Charakter mitbringen

Wie schon die Doppel-A-Seite aus „Flyyy“ mit Casiio und „Please Hold Me“ mit Säm Wilder zeigte, liebt die Band die Zusammenarbeit. „Flyyy“ eröffnet das Album mit kaskadierenden Keys, die in weiche Pads und entspannte Beats übergehen. „Please Hold Me“ fängt mit schmelzenden Akkorden und hochgepitchten Vocal-Samples das Gefühl ein, wieder Nähe zuzulassen. Auf „Monochrom“ steuert vAn eine soulige Stimme bei, die über Polarisierung und den Verlust von Nuancen nachdenkt. TOS bringt in „Hold Me Down“ tiefen Soul mit, während Neema Nekesa, die äthiopischstämmige niederländische R&B-Sängerin, gemeinsam mit Produzent Noflik „Bloom“ prägt.

Besonders in „Monochrom“ spürt man, dass Soul hier mehr will als Wohlklang. In einer Welt, die zunehmend in Schwarz und Weiß denkt, setzt das Stück auf Zwischentöne, und genau das macht den Song relevant. „Bloom“ erzählt dagegen von Vertrauen und emotionaler Stärke in Beziehungen, getragen von warmen Grooves und sanften Melodien.

Zwischen Utrecht, Berlin und Westküste

Klanglich pendelt „OOO“ zwischen UK-Jazz-Boom, Berlin, Niederlande und Westküste, immer mit Blick auf die goldene Ära von Hip-Hop, Jazz und Beat-Kultur. Wer das hören will, greift zu den längeren Stücken „Send It“ und „Nine/Three“. „Send It“ wirkt dabei wie eine kleine Jazz-Odyssee, während „Three/Four“ vom Tiefbass lebt. Dahinter stehen Musiker, die sich am Konservatorium in Utrecht kennenlernten und zunächst als Live-Band Muddy Grease auftraten.

„Nine/Three“ und der Titeltrack profitieren zudem von Paul van de Calseijde, einem langjährigen Weggefährten der Band. Sein Saxophon und seine Synthesizer geben dem Album zusätzliche Tiefe und Atmosphäre. Auch die Instrumentals „Rhapsody“ mit wechselnden Taktarten und „Last Name“ mit stetigem Puls zeigen, wie souverän das Trio ohne Gäste auftritt.

Ein Album, das als Album funktioniert

Die Balance überzeugt: Vokal- und Instrumentalstücke wechseln sich in einem Verhältnis ab, das „OOO“ als geschlossenes Album erlebbar macht. Von einer Band, die sich .multibeat nennt, darf man genau das erwarten. Zum Schluss zeigt „Use Your Noggin“ die verspielte Seite der Gruppe, inspiriert von nächtlichen Sessions und tiefen YouTube-Kaninchenlöchern. Der Track gewinnt zusätzlich, weil er Spielfreude über Perfektion stellt und so den Ton der gesamten Platte noch einmal bündelt.

Frenetische Drums, warme Basslinien und glühende Synthesizer machen ihn zu einem der rhythmisch direktesten Momente der Platte. Schade bleibt nur, dass manche Stücke zu früh enden, doch vielleicht löst die Band das beim nächsten Mal ein. Bis dahin gilt: „OOO“ ist ein stimmiges, warmes Album, das Utrecht auf die Landkarte des modernen Beat-Jazz setzt.

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