Foam Finger (1997)

Andy kenn‘ ich schon seit 1997, er war ein Schulfreund eines Freundes und als wir letzte Woch zusammen ein wenig Sport machten, unterhielten wir uns über unser ziemlich bizarres Kennenlernen. Ein Abend, den wir beide aufgrund mehrerer Vorkommnisse nicht vergessen haben und eine Anekdote, die ich Euch hier auf gar keinen Fall vorenthalten darf. Zum Hintergrund: Andy ging zu genannter Zeit zum Studieren nach Köln. In den letzten 15 Jahren haben wir uns regelmäßig unregelmäßig gesehen, mal fuhren wir mit Freunden zum Feiern nach Köln, oft ist er hier bei der Familie, hin und wieder gibt’s dann ein Getränk – so wie an diesem Abend im Juni 1997.

Ich wohnte mit meiner damaligen Freundin in der Kieler Wik, unweit des Holstein-Stadions (Kleiststraße). Und in diesem Stadion fanden Samstags die zu dieser Zeit noch recht beliebten American Football-Spiele statt, bei welchem Andy mit Homie Marco verweilte. Parallel fand bei mir zuhause ein kleines Treffen statt, befreundete Pärchen kamen vorbei. Das war die Phase im Leben, in der man noch glaubte, man könne mit seiner Freundin und den Freunden zusammen weggehen, ein Trugschluss wie Plastiktütenböden, eine Phase, die aufgrund eigener Dummheit fast 4 Jahre anhielt. Nach dem Football-Spiel klingelte es an der Tür, Marco schaute rein, den Andy hätte er auch gleich mitgebracht und ob das ein Problem sei!? Ich guckte Andy an. In der linken Hand hielt er ein Bier, über die Rechte hatte er eine 1,50m große Schaumstoffhand mit abgespreiztem Zeigefinger gezogen. Auf der Marmel trug er eine aufblasbare Schweden-Mütze, die hatte er noch von der vormittäglichen Oslo-Fährentour, er war merklich besoffen. „Moin, ich bin Andy. Giebs‘ noch Bier?“, sagte er und reichte mir den Zeigefinger. Einen besseren, ersten Eindruck hat seitdem nicht ein Mensch mehr bei mir hinbekommen, kein Wunder, dass man sich heute noch so gut versteht.

Wir saßen dann im Wohnzimmer, hatten ein paar Holsten und bereiteten und auf unseren Stammclub („Far Out“, Küste) vor. Die Mädels tranken Bailyes, ein Getränk, welches ich seit der Zeit mit diesen unsäglichen Pärchen-Abenden assoziiere und nicht einmal mehr im White Russian dulde. Ich bin mir sicher, dass Baileys Frauen a) magnetisch und b) Sätze wie „Was glotzt du die so an“, „Aber nur 20 Minuten noch“ oder „Nicht noch ein Bier, Du bist schon so betrunken“-sagend macht. Aus Rache lasse ich die Bombe jetzt platzen: JA, wir sind damals zwischendurch aus dem Club raus und in das nahegelegene Eros Center gegangen und JA, wir taten dies, weil ihr Baileys getrunken habt. Und weil ihr heute Supermarkt-Punkte sammelt. Und Carrie Bradshaw cool findet. Und gerne in den Baumarkt geht. Wir waren aber nicht 3-4x da, sondern immer! Wir nannten es Puffrunde, natürlich immer nur gucken; aber egal, Puff ist Puff.

In diesem Etablissement passierte immer irgendwas Aufregendes. Entweder, wir trafen Nachbarn oder Arbeitskollegen (einer meiner Vorgesetzten im Lehrbetrieb hat sich sogar mal in eine Prostituierte verliebt und war eine Zeit lang mit ihr zusammen) oder 2-3 Aufpasser warfen lautstark zahlungsunfähiges Klientiel vor die Tür. Gerne unterhielten wir uns auch mit dem 70jährigen Stammgast, der bei Wind und Wetter jeden Samstag gegen 2.00h Nachts zu Fuß aus Gaarden zu Odette kam. Marek klaute hier einmal eine Peitsche, welche ihm zurück im Club vom Türsteher abgenommen wurde, was seine Freundin (high on Bailyes) mitbekam. Er musste sie dann heiraten und verschwand für immer von der Bildfläche. Daher wunderten wir uns nicht so besonders, als die etwas stämmigere Perserin aus der 37A Andy zunächst mit ihren Fingernägeln die Finnland-Mütze zerstach und später – angeblich um sein Gewicht schätzen zu können – mehrfach hochhob. Ein heiterer Anblick, den wir mit Bauchhalten und gesenktem Blick honorierten, weshalb auch Niemand mitbekam, dass eine etwas schlankere Kollegin während des Hebevorganges Andys Gesäßtasche leerte – was auch erst zurück im Club auffiel. Glück im Unglück, trotz verlorener Papiere, Kreditkarten und 120DM in bar: er musste nicht heiraten. Bis heute. Im Puff schenkt man halt noch echten Kahlúa aus.

Kommentare

16 Antworten zu “Foam Finger (1997)”

  1. Tuna sagt:

    hahahahaha göttlich :D in manchen Passagen erkennt man sich wieder .-P

  2. Wenn dann eh nur mit Kahlúa, alles andere ist Pfui!

  3. Jerry B. Anderson sagt:

    Mal wieder eine PerfectDriver ™ store If Laiph. Früher waren wir zum fun inside und sogar one time in the room, aber ich rannte outside, denn TheRock wollte ’n doublebleaser ™ maken. Ich war last year nochmal auf’n round walk inside. Eimal im year on the Howard KeelWeek und ich walk ja eben nur durch und geh nicht donmosenbergen (bimmsen). Aber eben nur durch. Haben wir zwei nicht auch mal einen sun abgeholt, der dort mit ner sweetette aus’m Eros together war? Wer war das??

  4. Parkster sagt:

    „… wir taten dies, weil ihr Baileys getrunken habt. Und weil ihr heute Supermarkt-Punkte sammelt. Und Carrie Bradshaw cool findet.“

    Danke! Vielen, vielen Dank. Supermarktpunktesammelaktionen, die Infiltrationsmasche der „Weißer Lattenzaun“-Spießer!

    „Aber da kann man doch ganz tolle Prämien bekommen“…
    „Ich bin mal kurz… Zigaretten holen.“
    „Mit Koffer?“
    „Schüss!“

  5. denzel sagt:

    „Marek klaute hier einmal eine Peitsche, welche ihm zurück im Club vom Türsteher abgenommen wurde, was seine Freundin (high on Bailyes) mitbekam. Er musste sie dann heiraten und verschwand für immer von der Bildfläche.“
    like a boss! ^^

  6. player sagt:

    Schweden, Finnland, Norwegen – Mütze? ^^

  7. Scholli sagt:

    Herr Winkel, wenn man als Mädel in so ’ner Runde sitzt, in der die anderen Carrie Bradshaw cool finden, es nix außer Baileys, Sekt und Träubchen gibt, man viel lieber ein Bier aus der Flasche hätte, aber weder unhöflich und grob sein will, noch diskutieren möchte, ob Bier aus der Flasche für ’ne Frau mit Stil in Ordnung geht, und eigentlich nur da sitzt, weil der Freund mit den Freunden von den anderen Mädels rumhängen will, dann pimpt man sich den Baileys besser mit reingeschmuggeltem Sambuca und säuft sich die ganze Sache schön.

  8. Andreas sagt:

    120DM in bar? Das muss aber noch sehr früh gewesen sein, oder? :D

  9. MC Winkel sagt:

    @Tuna: in welchen denn?
    @Robert Alisch via Facebook: As I said! :)
    @Jerry B. Anderson: Pam? Das war keine Unity, da war nur 1x shoppen. Mit 17. :))
    @Parkster: Nicht zu laut, ein Band-Kollege von mir hat auch gerade damit angefangen! :))) (Aber den meinte ich natürlich nicht, der darf das!)
    @denzel: Eher like a unboss! :)
    @player: Ich hatte wirklich ein bißchen Schiss, dass das Niemandem auffällt! :)
    @Scholli: SAMBUCA, da ist das Stichwort! Aber selbst den niemals mit Baileys, dann eher mit Eierlikör.
    @Andreas: So halb drei. Anschließend war’s am Tresen eher … leer. :)

  10. sven sagt:

    ich glaube, du liebst sie immer noch…

  11. Steffen sagt:

    Es gibt ja bekanntermaßen nur drei Cocktails, die man trinken kann: Martini Cocktail, Manhatten oder Whiskey pur. Wenn man (auch als Paar) sich strikt daran hält, hat man auch keine Probleme.

  12. Jerry B. Anderson sagt:

    @Emser – Stimmt. So hieß die. Pamson war viel zu beauty for the RedLight on the Coast of life.

  13. Slavefriese sagt:

    Also nach meinem letzten Rundgang am Puffdöner (Kieler Woche 2011)
    arbeiten da jetzt wohl nur noch Thais und pummelige enddreißiger aus Sachsen-Anhalt…
    …nett sind die trotzdem!

  14. MC Winkel sagt:

    @sven: … ein schöner Gedanke. Leider aber falsch.
    @Steffen: Du hast Holsten vergessen. :) (Ja, ich weiß!)
    @Jerry B. Anderson: Ich war echt ein bißchen in love. Beinahe London. Da geht’s übrigens am Donnerstag hin.
    @Slavefriese: War zuletzt 2007 oder so mal (versehentlich) inside, bin also raus aus dem Thema. :) Dieses Jahr haben wir KiWo wieder einen Auftritt, 2ter Samstag, schonmal vormerken!

  15. Erdge Schoss sagt:

    Aus exakt diesem Grund, werter Herr Winkelsen,
    haben mein Grüßbekannter Eberhard nebst Gattin sowie Ludger und Ann-Katrin ihren zweiwöchentlichen Pärchenabend gleich in einen Swingerclub bei Rüsselsheim verlegt.

    Herzlich
    Ihr Schoss

  16. Steffen sagt:

    @MC Winkel: Ja, Holsten, wie konnte ich das nur vergessen!

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