The War and Treaty – The Story of Michael and Tanya: Ungeschönte Ehe-Geständnisse im tiefen Southern Soul

Der letzte Release-Friday hatte es wirklich in sich, doch abseits der lauten Trap-Banger verbirgt sich hier jedoch ein echtes Juwel für Musikliebhaber. Das Ehepaar Michael und Tanya Trotter hat unter seinem Projektnamen The War and Treaty das mittlerweile fünfte Studioalbum veröffentlicht. „The Story of Michael and Tanya“ zeigt das Duo auf dem absoluten Höhepunkt seines bisherigen Schaffens. Wer die organische Wärme der Soulquarians-Ära vermisst, findet hier ein neues Zuhause. Deshalb solltet ihr dieses Werk unbedingt auf dem Schirm haben.
Ein filmreifer Paukenschlag zum Auftakt
Die Platte beginnt direkt mit einem großen Moment. Keine Geringere als Hollywood-Ikone Whoopi Goldberg übernimmt das Intro. Sie schreitet zum Mikrofon und stellt ein Paar vor, das die Welt anfangs kaum einzuordnen wusste. Dabei skizziert sie die Widersprüche aus fünfzehn Jahren Ehe. Was folgt, löst dieses Versprechen auf ganzer Linie ein. Das Duo verwandelt seine privaten Bekenntnisse und Beziehungsstreitigkeiten in eine packende musikalische Zeugenschaft. Sie singen hier für die ganz große Bühne und sparen kein Detail aus.
The Story of Michael and Tanya – Schonungslose Dialoge am Abgrund
Im Eröffnungstrack „Shouldn’t Have“ übernimmt Michael den ersten Part. Er listet schonungslos seine Verfehlungen auf. Späte Nächte und lange Abwesenheiten gipfeln in der Zeile, dass er die Kontrolle verloren habe. Tanya übernimmt im Anschluss die Gegenposition. Der identische Refrain wandelt sich dadurch im Handumdrehen von einem reumütigen Geständnis in eine unbarmherzige Anklage. Bei „Don’t Say Goodbye“ wird das Flehen schließlich balancierter. Die Musiker singen gemeinsam von der Angst, das mühsam aufgebaute Fundament wieder zu verlieren.
Hochkarätige Unterstützung und tiefe Emotionen
Musikalisch bewegen sich die Stücke in einer tiefen Fusion aus Southern Soul und Gospel-Tradition. Für den Track „You Can’t Hurt Me Anymore“ haben sich die beiden sogar legendäre Unterstützung gesucht. Kenneth „Babyface“ Edmonds sowie Jeff Gitelman saßen hier an den Reglern. Tanya singt sich den Schmerz von der Seele und mobilisiert im Refrain eine Armee von Engeln. Michael wechselt dagegen im düsteren „Holy Ghost Fire“ in die Rolle des unbarmherzigen Beschützers. Er raspelt eine bedrohliche Warnung ins Mikrofon, während er sie mit einer Waffe in der Hand bewacht.
The Story of Michael and Tanya – Der Kampf mit den eigenen Dämonen
Dass das Leben der beiden nicht nur aus spiritueller Einkehr besteht, beweisen die raueren Momente der Platte. In der Ballade „Lay This Bottle Down“ widmet sich Michael in einem packenden Solo dem Kampf mit dem Alkohol. Er reflektiert sein eigenes Gesicht im schimmernden Glas. Dabei kapituliert er fast vor dem endlosen Kreislauf aus Schmerz und Sucht. Dem gegenüber steht das optimistische „Don’t Give Up Now“. Hier versucht Tanya mit kraftvoller Unterstützung einer Gemeinschaft, eine verlorene Seele vor dem endgültigen Absturz zu bewahren.
Wilde Partynächte und süße Rache
Dass fünfzehn Jahre Ehe auch nach einer wilden Partynacht klingen können, beweisen die groovige Nummer „Litty“. Hier vergleichen sich die beiden (Youtube) gegenseitig mit Wein und Gin. Sie berauschen sich aneinander und drücken das Gaspedal ohne Rücksicht auf Verluste durch. Eine völlig unerwartete Wendung nimmt das Album mit „Darlene and Gene“, einer augenzwinkernden Rachefantasie. Tanya schlüpft in die Rolle einer betrogenen Ehefrau, die ihren Mann mit der besten Freundin erwischt; prompt besingt sie ein düsteres Mordkomplott. Zur finalen Befreiung verbündet sie sich schließlich im epischen „Reclaim All of Your Time“ mit Valerie June und Wynonna. Gemeinsam diktieren sie einer verlassenen Frau den perfekten Fluchtplan inklusive versetztem Ehering.


