Etwas ruhiger machen – Wie Verbundenheit entsteht, wenn wir nicht ständig rennen

Etwas ruhiger machen

Es gibt eine stille Tiefe, die sich erst dann zeigt, wenn wir aufhören, uns ständig vorwärts zu treiben. Ein langsameres Leben bedeutet nicht Stillstand, sondern eine Rückkehr zu dem, was ohnehin da ist. Der Film „Choosing a Slower Life“, gedreht in Colesberg im südafrikanischen Karoo, macht genau das erfahrbar. Nicht über Konzepte oder Optimierungsstrategien, sondern über gelebte Präsenz, Aufmerksamkeit und Zugehörigkeit. „Etwas ruhiger machen“, oder wie Verbundenheit entsteht, wenn wir nicht ständig rennen.

Im Zentrum steht Antony Osler, der nicht erklärt, wie man leben sollte, sondern zeigt, wie es sich anfühlt, wirklich da zu sein. Seine Worte wirken nicht konstruiert, sondern gewachsen aus Jahrzehnten an einem Ort, der ihm vertraut geworden ist. Langsamkeit erscheint hier nicht als Lifestyle, sondern als Haltung gegenüber der Welt.

Etwas ruhiger machen – Rituale, die den Tag öffnen

Osler beschreibt einfache Rituale, die seinen Alltag strukturieren. Morgens hinauszugehen, wenn der Frost noch auf dem Gras liegt, Dampf in der Luft steht und Stille alles überzieht. Danach zurück ins Haus zu laufen, Kaffee zu trinken und noch einmal ins Bett zu steigen. Es sind unspektakuläre Handlungen, aber genau darin liegt ihre Kraft.

Diese Rituale funktionieren nicht wegen ihrer Form, sondern wegen der Achtsamkeit, mit der sie ausgeführt werden. Sobald Gedanken übernehmen, Sorgen kreisen oder innere Gespräche lauter werden, verliert der Moment seine Tiefe. Dann war man zwar draußen, hat die Stille aber nicht erlebt. Ein langsameres Leben beginnt dort, wo wir das bemerken und freiwillig zurückkehren.

Ablenkung als Verlust von Leben

Besonders eindrücklich ist Oslers Bezug auf Franz Kafka, der sagte, das Böse sei Ablenkung. Ablenkung bedeutet hier nicht Zerstreuung, sondern das fortwährende Verpassen der eigenen Erfahrung. Wenn der innere Kommentarstrom nicht innehält, verschwinden Himmel, Wind, Sterne oder Kinderlachen im Hintergrundrauschen des Denkens.

Langsamkeit ist deshalb kein Rückzug aus der Welt. Sie ist eine Rückkehr zu ihr. Es geht nicht darum, weniger zu tun, sondern präsenter zu sein bei dem, was geschieht. Diese Form von Aufmerksamkeit ist nicht von Umständen abhängig. Sie ist jederzeit möglich, in jedem Moment, wenn wir bereit sind, das Denken kurz ruhen zu lassen.

Etwas ruhiger machen – Teil eines Ortes werden

Ein zentrales Motiv des Films ist die Idee, Teil eines Ortes zu werden. In einer Welt, in der wir Wohnungen, Städte, Jobs und Beziehungen mühelos wechseln können, verlieren wir oft die Möglichkeit, wirklich anzukommen. Osler beschreibt, wie Jahrzehnte an einem Ort dazu führen, kleinste Veränderungen wahrzunehmen.

Man sieht, welche Felsen morgens zuerst vom Licht berührt werden. Man erkennt, welche Bäume im Frühling als Erste austreiben. Diese Verbindung entsteht nicht durch Wissen, sondern durch Zeit. Man lebt einen Ort von innen heraus, und genau dadurch wächst ein stilles Gefühl von Zugehörigkeit.

Winter, Reduktion und Demut

Der Karoo-Winter wird als Phase der Klarheit beschrieben. Die Landschaft ist karg, fast weiß, und gerade dadurch offenbaren sich Details, die sonst verborgen bleiben. Beim Gehen entdeckt Osler alte Felszeichnungen der San, kaum sichtbar, fein in den Stein gezeichnet.

Diese Spuren erzählen von Menschen, die hier lebten, intensiv und zugleich nahezu unsichtbar. Sie hinterließen kaum Zeichen ihrer Existenz und waren dennoch zutiefst verbunden mit diesem Land. Diese Begegnung erzeugt Demut. Sie macht deutlich, dass man Teil einer langen Kontinuität ist, nicht deren Mittelpunkt.

Poesie und Zugehörigkeit

Die im Film vorgetragene poetische Passage verdichtet diese Erfahrung. Bilder von Hunden, Regenbögen, Windmühlen und Sternen verbinden sich zu einer Erinnerung daran, dass Leben immer Verbindung und Bruch zugleich ist. In der Mythologie der San steht die „gebrochene Saite“ für Tod und Trennung.

Doch gleichzeitig gibt es Glocken, die läuten, und Sterne, die singen. Leben ist ein fortlaufender Prozess von Entstehen, Vergehen und Verwandlung. Unsere Angst entsteht aus der Vorstellung, wir seien davon getrennt. Ein langsameres Leben lädt dazu ein, diese Trennung zu hinterfragen.

Verantwortung und Weitergabe

Am Ende stellt Osler eine leise, aber zentrale Frage: Wie kann man diese empfundene Zugehörigkeit ehren und weitergeben. Nicht perfekt, sondern ehrlich. Nicht kontrollierend, sondern teilend. Es geht darum, so zu leben, dass man sagen kann: Ich war hier. Ich habe Fehler gemacht. Ich habe Schönes gesehen. Ich habe gelitten, geliebt und gelebt. Und ich habe versucht, diese Verbundenheit weiterzugeben, so gut ich konnte.

Ein langsameres Leben bedeutet nicht, die Welt auszublenden. Es bedeutet, sie wieder als Heimat zu erkennen.

Fazit | tl;dr

Ein langsameres Leben („Etwas ruhiger machen“) ist kein Rückzug, sondern eine bewusste Rückkehr zur Gegenwart. Der Film zeigt, dass Zugehörigkeit, Sinn und Tiefe bereits vorhanden sind, wenn wir aufhören, sie zu überrennen.

Etwas ruhiger machen – Wie Verbundenheit entsteht, wenn wir nicht ständig rennen

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