Jill Scott: Jilly from Philly erobert den Tiny Desk
Es gibt Momente in der Musikwelt, auf die man jahrelang hinarbeitet, ohne es zu wissen. Jill Scott am Tiny Desk ist genau so ein Ereignis. Die Künstlerin aus Philadelphia gab offen zu, dass sie schon lange von diesem speziellen Setting geträumt hat. „Ich dachte so oft an euch“, verriet sie dem Publikum sichtlich gerührt. Dass es nun endlich geklappt hat, fühlt sich für Fans wie ein spätes Geschenk an – besonders, da sie gerade ihr neues Album To Whom This May Concern im Gepäck hat.
Jill Scott x Tiny Desk – Ein Jahrzehnt des Wartens
Nach über zehn Jahren Funkstille an der Albumfront markiert dieser Auftritt eine triumphale Rückkehr. Jill Scott ist nicht einfach nur eine Sängerin; sie ist eine Dichterin, eine Performerin und eine Institution des Soul. Ihr neues Werk ist das erste seit einer Dekade, und die Energie, die sie mit an den kleinen Schreibtisch brachte, unterstrich ihre Relevanz. Sie bewies eindrucksvoll, dass ihre Abwesenheit die künstlerische Strahlkraft nur noch weiter geschärft hat.
Wahre Meisterschaft auf der Bühne
Wer Jill Scott kennt, weiß: Ihre Studioalben sind lediglich die Eintrittskarte in ihr eigentliches Universum – die Live-Show. Seit über 25 Jahren ist die Bühne ihr natürliches Habitat. Jeder Ton und jede Textzeile werden mit einer Intensität vorgetragen, die mal gewaltig, mal zerbrechlich wirkt, aber immer von einem ehrlichen Lächeln begleitet wird. Für Scott ist Musik Handarbeit. Sie betonte mehrfach, dass dies „Live-Musik“ sei und die Mikrofone hier definitiv keine Dekoration darstellen.
Jill Scott x Tiny Desk – Zeitlose Klassiker und frische Vibes
Optisch perfekt abgestimmt in einem gemusterten Kleid, das ihre grenzenlose stimmliche Varianz widerspiegelte, startete sie mit „A Long Walk“. Dieser Klassiker von ihrem Debütalbum Who Is Jill Scott?: Words and Sounds Vol. 1 enthielt eine subtile Hommage an den legendären D’Angelo. Es folgte ein fließender Übergang zu neuem Material. Songs wie „Beautiful People“ und „Don’t Play“ fügen sich nahtlos in ihren Katalog ein – soulig, lasziv und tiefgründig.
Gänsehaut-Finale hinter dem Schreibtisch
Den emotionalen Höhepunkt erreichte das Set mit einer Version von „The Way“, die im Raum für absolute Stille und gleichzeitig für kollektive Gänsehaut sorgte. Unterstützt wurde sie dabei von einer hochkarätigen Band, unter anderem mit Dwayne „DW“ Wright am Bass und Damon „Mr. Dizzy Fingers“ Bennett an der Flöte. Die Arrangements waren präzise, ließen aber genug Raum für Scotts stimmliche Improvisationen. Es war genau die Performance, auf die die Soul-Welt gewartet hat.
Setlist:
- A Long Walk
- Beautiful People
- Cross My Mind
- Don’t Play
- The Way


