DoomCannon – „Somewhere In Between“: Ein Album über Wandel, Selbstreflexion und innere Bewegung

Wenn das Jahr sich dem Ende nähert, entsteht oft Raum für Rückschau und innere Klärung. Somewhere In Between trifft genau diesen Zustand. Dominic „DoomCannon“ Canning zeichnet darauf ein musikalisches Selbstporträt zwischen Vergangenheit und Möglichkeit. Das Album erschien auf dem renommierten Londoner Label Jazz re:freshed. Es bewegt sich bewusst in einem Zwischenraum, in dem Unsicherheit, Hoffnung und persönliches Wachstum koexistieren. DoomCannon nutzt diesen Schwebezustand nicht als Schwäche, sondern als kreative Triebfeder. Die Musik wirkt nachdenklich, warm und zugleich entschlossen.
DoomCannon x Somewhere In Between – Vom Außen nach Innen gedacht
Der junge Londoner Komponist, Produzent und Multiinstrumentalist war zuvor Teil von Projekten wie TriForce und Project Karnka. Nach seinem gefeierten Debüt Renaissance aus dem Jahr 2022 richtet er den Blick nun nach innen. Während das erste Album gesellschaftliche Strukturen reflektierte, ist Somewhere In Between eine persönliche Therapie in Klangform. DoomCannon spricht offen über Frustration, Hoffnung und Optimismus. Die zentrale Idee bleibt klar: Wer die Welt verändern will, muss zuerst bei sich selbst beginnen. Diese Haltung prägt das gesamte Album.
Starker Auftakt und emotionale Tiefe
Der Opener „Vain“ setzt sofort ein Zeichen. Gemeinsam mit The SoulyGhost entsteht ein soulgetränkter Track, der an späten D’Angelo erinnert. Hinter der scheinbaren Kritik an Eitelkeit verbirgt sich eine Ermutigung zum Durchhalten. Die Dynamik zwischen sanften Passagen und kraftvollen Momenten wirkt sehr bewusst gesetzt. DoomCannon spielt hier mit doppelten Bedeutungen. Es geht um Selbstvertrauen, ohne Selbstüberschätzung, und um Konsequenz ohne Selbstzweifel.
Rhythmus, Raum und erzählerische Bögen
„Fallen Horse“ zieht früh in den Bann. Futuristische Vocal-Samples treffen auf präzises, geschmackvolles Drumming. Der Track öffnet den Raum für das, was folgt. „Untouched“, „Fight Well Fought“ und „Chroma“ wirken wie Akte eines Bühnenstücks. Das Album entfaltet sich zunehmend narrativ. DoomCannon denkt in Szenen, nicht in Einzelsongs. Die Dramaturgie ist ruhig, aber bestimmt, und hält die Spannung aufrecht.
DoomCannon x Somewhere In Between – Der emotionale Kern des Albums
Mit „The Truth“ erreicht Somewhere In Between einen zentralen Höhepunkt. Der Track verbindet 70er-Blaxploitation-Funk mit zeitgenössischem Hip-Hop-Gefühl. Marschierende Drums und eine hypnotische Bassline tragen die Message von Selbstvertrauen und Gemeinschaft. Einflüsse von Ali Shaheed Muhammad und Kaytranada sind spürbar, ohne dominant zu werden. Der Song lädt zum Verweilen ein. DoomCannon selbst beschreibt ihn als Rückkehr zu seinen kompositorischen Wurzeln und als Eintrittstor in seine neue Klangwelt.
Sanfte Kontraste und ehrliche Nähe
Auf die Energie von „The Truth“ folgen bewusst ruhigere Momente. „Rest Assured“ bringt bluesige Gelassenheit. „Real Love“, gemeinsam mit Lizzie Berchie geschrieben, feiert bedingungslose Zuneigung. Der Song wirkt offen, verletzlich und warm. DoomCannon reflektiert hier seine eigene Entwicklung im Umgang mit Nähe und Gefühlen. Diese Ehrlichkeit verleiht dem Album zusätzliche Tiefe.
Ein minimalistischer Abschluss
„Today’s Prayer“ schließt das Album reduziert und direkt ab. Spoken Word, rohe Drums und eine klare Haltung dominieren. Der Track wirkt wie ein stilles Fazit. Unaufgeregt, authentisch und konsequent. Genau so endet Somewhere In Between: ohne Pathos, aber mit Nachhall.
Fazit | tl;dr
Somewhere In Between ist ein reifes, persönliches Album über Übergänge und innere Arbeit. DoomCannon verbindet Jazz, Soul, Funk und Hip-Hop zu einer stimmigen Erzählung. Die Platte lebt von Ehrlichkeit, Struktur und emotionaler Balance. Ein Album für ruhige Momente, das lange nachwirkt.


