Der subtile Herr König

Das Vorstellungsgespräch meiner damaligen Freundin fand in der Privat-Villa des Chefs statt. Sie schwärmte von der Hütte, so groß und mondän eingerichtet, mit eigenem Spa-Bereich inklusive Sauna+Pool. Überhaupt sei Herr König ja so ein höflicher Mensch, bei dem zwar eine milde Adipositas vorläge, aber sonst – höchstmanierlich. Und: sie hätte den Job! Ich freute mich für sie, lud sie zum Essen ein, liess sie dann aber die Rechnung machen; immerhin war sie es ja mit dem neuen Job.

Ihr gefiel es dort auch. Der Chef und seine Frau, die gleichzeitig dort die Chefin war, wären sogar so zuvorkommend und böten ihr an, einer privaten Saunierung beizuwohnen. Und ob ich denn was dagegen hätte. „Natürlich nicht, Schatz! Warum nicht nackt mit der Geschäftsführung in deren hauseigener Sauna das gegenseitige Ölungsverhalten eruieren? Nimm doch noch etwas Jägermeister für einen Aufguss mit und wenn Du so lieb wärest: könntest Du mir etwas abgetröpfelte Zwischenzeh-Fugenschwitze von Herrn König mitbringen?“, sagte ich leicht zynisch, wollte aber ja nur helfen. Was ich meinte: sie möge doch bitte erstmal ein paar Kolleginnen fragen, ob die sowas schonmal mitgemacht hätten – was sie auch tat. Mit dem von mir erwartetem Ergebnis: es sei da schlüpfriger zugegangen als bei Schmetterlingen nach der Puppenphase. Anzügliche Sprüche, Koketterie mit sekundären Geschlechtsmerkmalen – ich kannte das ja auch, allerdings leider immer nur von den eher mediokerhübschen Kolleginnen. Kennt Ihr das? Ich hatte mal eine Kollegin mit englischer Figur (kleiner Ass, große Brüste, dafür aber auch ein noch größerer Bauch und der Begriff Doppelkinn – purer Euphemismus), was die immer für Sachen erzählte und wie sie ihre Frühstücks-Aubergine aß – revolutionär. Schade, dass die anmutigeren Kolleginnen sowas nie nötig hatten.

Der private Saunagang fiel also aus, dafür gab’s aber eine weitere Servicedienstleistung des Hauses: Massagen für’s hart arbeitende Büro-Personal. Allerdings nicht mit Rezepten vom Orthopäden für eine Massagepraxis nach Wahl; man würde den Physiotherapeuten direkt ins Haus holen. Free-Massages im Sozialraum, Voraussetzung: 1-2-3, Oberkörper frei. „Tolle Sache, Schatz! Aber könnte es vielleicht sein, dass die das heimlich filmen?“, „DU WILLST MIR DAS JA BLOSS SCHLECHTMACHEN WIE SCHADSCHIMMEL DEN GOUDA!“, sagte sie so natürlich nicht, aber ich wusste nicht, wie ich dieser lahmen Anschuldigung sonst hätte etwas mehr Brisanz verleihen können. Sie genoss die wöchentlichen Massagen, so 2 oder 3 Monate lang. Bis eine Kollegin erste Mitschnitts- und Privatvorführungsgerüchte streute. Ich hasse ja dieses hab ich’s nicht gesagt, daher hab ich nichts gesagt, aber: hab ich’s nichts gesagt?

Das Highlight war dann der Neubau. Die gesamte Firma zog in ein Industriegebiet, König baute dort imposanter als bei Handtuchlosen am FKK-Strand. Er machte nicht nur Nägel mit Köpfen, er machte Fahnemasten mit Hydrocephalusen: in den ersten Stock liess er einen Swimmingpool bauen (diese kleine Wasserratte!) und weil er hörte, dass Stahlbeton in seiner Grundsubstanz ziemlich intransparent sei, verbaute er Panzerglas – als Boden. „Und wir Angestellten dürfen in jeder Mittagspause vom Startblock grätschen, super!“, freute sich meine Ex. „Und sein Büro hat er … im Erdgeschoss?“. „Ja, wieso?“. König wurde auf seinen alten Jahren richtig subtil. Sogar räumlich, dieser Fuchs.

Kommentare

11 Antworten zu “Der subtile Herr König”

  1. MarkusMagic sagt:

    Haben Sie wegen dieser „Arbeitsmoral“ mit Ihr Schluss gemacht, Herr Winkelsen?

  2. Joda sagt:

    Was will mir dieser Text sagen MC?

  3. Soni sagt:

    @Joda, dieser Text dir sagen sollen ,dass die Macht nicht mit dir seien. Du noch viel lernen müssen. :P

  4. kalif sagt:

    Spitzenmäßig!
    Herr König, ich kanns immer noch nicht fassen, das alte Schwein.

  5. „herr könig ist ja so ein höfflicher mensch“ :-)

  6. singhiozzo sagt:

    Mann Winkelsen, warum haste da nicht als Bademeister angeheuert?

    @Soni: Muahaha, voll geiler Kommentar!

  7. Birger sagt:

    Ah! Der Laden ist bekannt. Gute Namensänderung deinerseits ;-)

  8. MC Winkel sagt:

    @MarkusMagic: Neeee, die hat sogar mich hängenlassen. Andere Gründe. Vermutlich, weil ich so spießig bin. *lol*
    @Joda: In erster Linie, dass Dir eine Menge Fantasie zu fehlen scheint. Oder Lebenserfahrung. Oder beides. :)
    @Soni: Auch gut! :)
    @kalif: „Sie tippeln gerade Ihre Daten hinein“ :)
    @design elements: Triple-Höflich. :)
    @singhiozzo: Ich war schon in Vorbereitung auf meine Karriere als Faulancer, hatte wenig Tied! :)
    @Birger: Hehe, gut, oder?! Aber psssst! :)

  9. Erdge Schoss sagt:

    Aubergine zum Frühstück, werter Herr Winkelsen, was für ein wildes Ding!

    Herzlich
    Ihr Schoss

  10. Perot sagt:

    Hatte der Herr König denn nur weibliche Mitarbeiter, zudem gut vorselektiert, was optische Werte betrifft? Ich meine: Andernfalls muss der doch vollkommen schmerzfrei sein, was die Panzerglas-Nummer betrifft. ;-)

  11. cubano sagt:

    haha,

    das erinnert mich an die geile neusynchro von herzblatt.

    ab minute 4:45 gehts los/a>

    der typ hat deine ex wohl vorgecheckt…

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