Ankhlejohn & V Don – Everything Beautiful Died Early // Review

Ankhlejohn V Don

Der Underground-Rapper Ankhlejohn aus Washington D.C. und der New Yorker Produzent V Don haben ein intensives Kollaborationsprojekt veröffentlicht. Das Album Everything Beautiful Died Early markiert eine spannende kreative Wende für das Label Shaap Records. V Dons Beats sind unnachgiebig, massiv und extrem dicht produziert. Bisher bewegte sich der Rapper Ankhlejohn vor allem in minimalistischen Soundlandschaften. Auf seinem Werk As Above So Below aus dem Jahr 2020 nutzte er noch die halb gelöschten Loops von Navy Blue. Jede freie Frequenz war eine Einladung für seinen Flow. Bei V Don verhält sich die Gleichung nun genau umgekehrt.

Ein unnachgiebiges Fundament aus Bass und Synthesizern

Die Loops bewegen sich auf Brusthöhe und weichen keinen Millimeter zurück. V Don stapelt schwere Bässe und scharfe Sirenen-Synths im oberen Frequenzbereich sehr dicht. Ankhlejohn muss mit voller Energie dagegenhalten, um nicht zu verschwinden. Dieses intensive Spannungsverhältnis zahlt sich auf den besten Songs definitiv aus. Der ungerührte Vortrag des Rappers harmoniert perfekt mit den starren Rhythmen. Auf Tracks wie „No Specifics“ und „Trauma or Tragedy“ greifen beide Künstler absolut nahtlos ineinander. Rap und Beat laufen im exakt gleichen Gang. Auf den ruhigeren Passagen des Albums verliert dieser starre Rhythmus jedoch manchmal seinen Fluss.

Ankhlejohn x V Don – Geopolitik und Markennamen auf hartem Beton

Ein klares Highlight der Platte ist der Song „Stoneisland“, der auf einem Sample aus der Watergate-Ära basiert. Ein geloopter Sprachfetzen über den arabisch-israelischen Krieg untermalt den Track durchgehend. Die Geschwindigkeit bleibt über volle vier Minuten komplett unverändert. Ankhlejohn passt seine Stimme präzise an die Tonlage des Samples an. Er stapelt komplexe Zeilen über einem viertaktigen Loop. Dabei nennt er Luxusjacken und trainierte Attentäter in einem Atemzug. Geopolitik und Markennamen prallen dicht aufeinander. Jeder Reim drückt den vorherigen tiefer in den Beton. Die kompromisslose Sturheit des Beats verleiht den Strophen eine extrem harte Oberfläche.


Unerwarteter Flug in den Orbit

Auf dem Song „Solar Faxx!“ liefert der Rapper eine klassische Strophe über das harte Straßenleben ab. Doch plötzlich ändert er für eine einzige Zeile die Perspektive komplett. Er rappt nüchtern über die Sonne, die dreiundneunzig Millionen Meilen entfernt ist. Dieser wissenschaftliche Fakt bricht unerwartet aus dem brutalen Straßenkontext aus. Diese winzige Zeile zieht den gesamten Track augenblicklich in eine kosmische Umlaufbahn. Während ähnliche Tempowechsel auf dem Album selten richtig zünden, erreicht dieser Song die absolute Fluchtgeschwindigkeit. Es ist zweifellos der spektakulärste Moment des gesamten Albums.

Der erste Gast aus Harlem bei Shaap Records

Diese Zusammenarbeit überrascht, da Ankhlejohn sein Label Shaap Records seit sechs Jahren komplett alleine führt. Von der Musik bis zum Vertrieb lag bisher alles in einer Hand. Seine früheren Partner stammten aus dem Underground der Ostküste. V Don hingegen bricht als Außenseiter aus Harlem in diese Welt ein. Der Produzent bringt Platin-Referenzen von A$AP Rocky mit. Zudem verfeinerte er seinen Sound bei Sessions für Dave East. Er stammt nicht aus den klassischen Waschsalon-Kreisen von Ankhlejohn. Es ist das erste Album des Rappers, bei dem fremde Instinkte die musikalische Temperatur bestimmen.

Das Spiel mit den leeren Räumen

Stilistisch erinnert das Werk an den Klassiker Marcberg von Roc Marciano aus dem Jahr 2010. Jenes Album basierte auf trockenen Loops und ließ bewusst halbe Takte frei. Wo Roc Marciano jedoch kreative Stille in seine Songs schnitt, lässt V Don den Loop niemals los. Auf dem Track „Day One“ steht die geloopte Stimme im absoluten Mittelpunkt. Da beide Künstler ihre Zeilen nur halb füllen, müssen die Beats die verbleibende Last alleine tragen. V Dons Produktion wirkt im Vergleich komplett versiegelt. Auf „Day One“ stehen Loop und Rap vor demselben Gemälde, doch keiner greift zum Pinsel. Everything Beautiful Died Early bleibt ein faszinierendes Dokument zweier Welten.

Ankhlejohn & V Don – „Everything Beautiful Died Early“ // Spotify:

Ankhlejohn & V Don – „Everything Beautiful Died Early“ // apple Music:

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