Aja Monet entfacht mit „The Color Of Rain“ ein politisches Jazz-Feuerwerk

Aja Monet The Color Of Rain

Aja Monet meldet sich mit einem beeindruckenden neuen Meisterwerk zurück, das Album The Color Of Rain verbindet packende Lyrik mit tiefen jazzigen Klangwelten. Schon der Einstieg fasziniert durch seine düstere Atmosphäre. Drei Meilen vom Grab der Autorin Octavia Butler entfernt brennt ein metaphorisches Feuer. Die Künstlerin spricht direkt aus einer Welt voller Frustration, dabei blickt sie schonungslos auf die Krisen unserer modernen Gesellschaft. Sie dominiert den digitalen Feed im rasanten Tempo. Der unruhige Bass weigert sich standhaft, auf einem einzigen Bild zu verharren. Ein intensiver Puls zieht sich wie ein roter Faden durch dieses Werk, die Musiker erschaffen einen Raum, der sich komplett von der Realität entkoppelt.

Traumhafte Entkoppelung und musikalische Ahnenforschung

In Stücken wie withness zeigt sich die repetitive Kraft des Kontrabasses. Justin Brown verschiebt am Schlagzeug die Grenzen mit feinen Akzenten. Dadurch verwandelt sich das Zimmer der Hörer in Monets ganz eigene Vision. Zudem bringt der Track elsewhere eine tanzbare Club-Atmosphäre in das Album ein. Dieses Lied ehrt den großen Sly Stone am Tag seines Ablebens. Georgia Anne Muldrow steuert ihre markante Stimme über eine elektrische Linie bei, Brandee Youngers Harfe fließt elegant durch die dichten Rhythmen. Das Album wirkt insgesamt spürbar entspannter und ausladender als sein Vorgänger. Dennoch lauern unter der Oberfläche immer wieder Momente von intensiver Aggression.


Aja Monet x The Color Of Rain – Der unerbittliche Rhythmus des globalen Protests

Das Stück for the Congo bricht abrupt mit dieser sanften Entspannung. Ein unerbittliches Handtrommel-Muster erzeugt sofort eine bedrohliche Stimmung. Monet fordert uns lautstark auf, über das Blut in der Welt nachzudenken. Sie kritisiert die Weltbank, den IWF und ausländische Rohstoffkonzerne scharf. Doch der Blick richtet sich gleichzeitig auch nach innen, sie thematisiert den Krieg gegen sich selbst und rüttelt die Zuhörer wach: Die Todesmaschinen in unseren Handflächen spiegeln unsere eigene Mitschuld wider; das Smartphone in deiner Hand wird plötzlich zum Symbol globaler Ausbeutung. Trotz dieser Härte findet das Album im Zentrum eine berührende Zärtlichkeit.

Hymnen auf die Haut und heilende Selbstliebe

Der Song to sister fängt die Hörer sanft auf und spendet Trost. Aja Monet singt hier über Selbstliebe und die Heilung des eigenen Körpers. Auch skinfolk verwandelt eine Bestandsaufnahme des Körpers in eine Hymne. Sie feiert die schwarze Haut mit tiefer Spiritualität. Zwei Springseile schlagen auf den Beton und erzeugen einen mitreißenden Takt. Dieser simple Rhythmus trägt mehr politische Kraft als viele reine Protest-Gedichte. Merebas Stimme verleiht dem Stück eine schwebende Leichtigkeit. Youngers Harfe kaskadiert wunderschön durch die Strophen voller Emotionen, ein tiefer Funk-Groove sorgt für das nötige musikalische Fundament.


Urbane Dringlichkeit und die Illusion der Zeit

Für zusätzliche Dynamik sorgen namhafte Gäste auf der B-Seite. Mick Jenkins und Vic Mensa treten im Song melting clocks auf. Mensas Strophe jagt in rasendem Tempo durch historische Umkehrungen. Manchmal wirkt diese Aneinanderreihung von Namen jedoch fast zu schnell. Mick Jenkins wählt dagegen einen deutlich intimeren Ansatz, Monet (Youtube) selbst bremst das Tempo mit einer geduldigen Gelassenheit ab. Sie entlarvt Armbanduhren als geschickte Illusion zur Beherrschung der Zeit. Dadurch entsteht ein spannender Kontrast zu den dringlichen Zeilen der Rapper. Gegen Ende verliert sich das Album kurz in einer langen Aufzählung.

Schmutziger Funk und das Überleben auf den Straßen

Die Suche nach einem unamerikanischen Gott gerät etwas zu langatmig. Der Satz über zu viel Religion und zu wenig Gott wirkt wie ein Slam-Poetry-Klischee. Doch der Track working class musicians rettet das Finale sofort. Die Stimmung wird wieder herrlich schmutzig, authentisch und direkt vom Asphalt. Die Musiker kämpfen mit kalten Fingern im U-Bahn-Schnee gegen die Miete. Dieser mitreißende Funk-Groove lässt uns lachen, bevor die Tränen kommen. Das Schlagzeug übernimmt nun die tragende Rolle, die früher der Trompete gehörte. Das Album feiert das Überleben von Auftritt zu Auftritt mit stolzer Stimme.

Aja Monet – „The Color Of Rain“ // Spotify:

Aja Monet – „The Color Of Rain“ // Spotify:

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