Your Old Droog – Bread & Butter // Boom Bap mit Kaviar auf dünnem Brot

Your Old Droog meldet sich mit „Bread & Butter“ zurück, seinem zehnten Album, und klingt dabei kein bisschen nach Routine. Der ukrainisch-amerikanische Rapper aus New York tauchte 2014 mit seinem Debüt wie aus dem Nichts auf, und wegen der ähnlichen Stimme hielten ihn viele für ein Alter Ego von Nas. Diese Gerüchte sind längst verhallt, denn Droog hat sich seither einen eigenen Namen erarbeitet. Aus dem vermeintlichen Nas-Klon wurde ein Lyriker, dessen Stimme heute unverwechselbar klingt.
Mit Alben wie „PACKS“, „TIME“ und dem von Nicholas Craven produzierten „YOD Wave“ wuchs er zu einer geachteten, aber oft unterschätzten Größe des Undergrounds. Die EPs danach zündeten nicht immer, hatten aber ihre Highlights. Nun kehrt er nach viereinhalb Jahren zu Nature Sounds zurück und klingt, als wäre er nie weg gewesen. Das Ergebnis wirkt vertraut, ohne museal zu sein.
Kaviar auf dünnem Brot
Der Titel hat eine Geschichte: Droogs Familie strich früher Kaviar hauchdünn auf einfaches Brot. Aus dieser Erinnerung wächst das Konzept des Albums, denn mit wenigen Mitteln entsteht hier etwas Edles. Das gilt auch für den Sound, der Fans des Ostküsten-Hip-Hops der Neunziger Trost spendet und zugleich zeigt, warum diese Ästhetik so zeitlos bleibt. Diese Haltung prägt jeden Song, denn hier zählt Substanz statt Show.
„You Know How That Go“ eröffnet die Platte mit Droogs gewohnt makellosem Stil und packt gleich einen Gag über die Beatles und Waka Flocka aus. „Brighton Beach“ mit Evidence klingt dagegen soulig und rät all den Rappern, die nicht annähernd sein Niveau erreichen, lieber zu einem normalen Job. Der Song attackiert Kollegen so bissig, dass neben ihnen sogar MC Hammer wie Edgar Allan Poe klingt. So entsteht schon früh ein Ton, der Lust auf mehr macht.
Gäste mit Geschichte
Der Titelsong, produziert von Cartune Beatz, blickt nostalgisch auf Künstler, mit denen Droog aufwuchs und die später selbst zu Fans wurden. „Pavlovian Effect“ mit A-Reece und Masta Ace geht als BoomBap mit Haltung auf die TikTok-Generation und ihre Hobby-Musiker los. Oddisee bringt bei „Thinking“ die nachdenkliche Note ein, weil beide erzählen, dass ihr Kopf nur im Schlaf zur Ruhe kommt. Diese Songs zeigen, dass er Kritik an der Gegenwart mit echtem Sinn für Melodie verbindet.
Tarriona „Tank“ Ball von Tank And The Bangas veredelt „I Appreciate You“ mit einem starken Refrain, einer geschmeidigen Widmung an Droogs Seelenverwandte. Damit endet die erste Hälfte, und die Gästeliste zeigt schon jetzt, wie treffsicher er seine Verbündeten wählt, denn kaum ein Name passt besser zum Geist des Albums. Gerade diese Nähe zur Szene macht das Album so glaubwürdig.
Zwischen Prahlerei und Selbstzweifel
Nach der Halbzeit schlägt „Symphony“ mit Orgelbeat einen selbstbewussten Ton an, weil Droog darin schildert, wie gut sein Leben läuft. Direkt danach bricht „Therapy“ mit dieser Fassade, denn er gibt zu, nur zu funktionieren und als erwachsener Mann noch immer nicht zu wissen, wer er ist. Gerade dieser Wechsel verleiht dem Album seine Tiefe, genau diese Ehrlichkeit hebt ihn von vielen Kollegen ab.
„Schadenfreude“ liefert einen verträumten Beat von Conductor Williams und eine bissige Zeile über Stove God Cook$ und dessen Ärger mit Babygrande Records. „I Don’t Care“ verbindet Jazz-Rap und Neo-Soul dank Flying Lotus, während „Hunter Biden“ jene entlarvt, die sich bei Problemen verstecken. Zum Abschluss rechnet „Impression Control“ mit den Weichlingen ab. Zwar hätten einzelne Beats kräftiger ausfallen dürfen, doch die Balance aus Angeberei und Selbstzweifel trägt das Album souverän. Am Ende steht ein Rapper, der mit wenigen Zutaten ein Festmahl zaubert.


