Was passiert bei einem Blackout in Deutschland und in Europa: Wie sich ein Stromausfall-Szenario abspielen könnte

Die Gefahr, dass es in Europa in den kommenden Monaten oder Jahren einen Blackout geben könnte, ist laut Experten sehr hoch. Das hätte dramatische Folgen. Ich habe mich einmal im Internet umgeschaut und alle möglichen Infos zusammengetragen, wie sich so ein Blackout-Szenario abspielen könnte. Außerdem komme ich darauf zu sprechen, was für Vorsorgen getroffen werden können, wenn der Strom tatsächlich über mehrere Tage wegbleibt.

Bereits im Januar 2021 erklärte Stefan Zach, Sprecher des größten Strom-, Gas- und Wärmeversorgers in Österreich (EVN), „Europa sei wieder einmal knapp an einem Blackout vorbeigeschrammt“. In den Medien wurde eher spärlich darüber berichtet, der Auslöser für diesen Stromausfall war eine Kaskade von Ausfällen von Betriebsmitteln wie Stromleitungen und Schaltanlagen in Südosteuropa. Ein Blackout ist keine Science Fiction, sondern leider eine sehr ernst zu nehmende Gefahr, auch in Europa. Im Gegensatz zu einem herkömmlichen Stromausfall handelt es sich bei einem Blackout um einen länger andauernden, großflächigen Ausfall, der gleich mehrere Regionen oder gar Staaten betreffen kann.

Blackout in Deutschland und Europa: Die Wahrscheinlichkeit ist extrem hoch

Die Wahrscheinlichkeit, dass es eines Tages in Europa zu einem Blackout kommen kann, ist extrem hoch. Experten sind sich sogar sicher, dass es passieren wird, einzig unklar ist die Frage nach dem „wann“. Unterschiedliche Blackout-, Krisen- und Energiewendeexperten prognostizieren, dass man innerhalb weniger Jahre bis hin zu Monaten mit einem europaweiten Blackout rechnen muss. Die Ursache dafür sei hauptsächlich im Umbruch der europäischen Stromversorgung durch die Energiewende zu finden. Die Auslöser können vielfältig sein. Das Büro für Technikfolgen-Abschätzung beim Deutschen Bundestag (TAB) spricht in der Studie „Was bei einem Blackout geschieht“ von technischem oder menschlichem Versagen, kriminelle oder terroristische Aktionen, eine Epidemie/Pandemie oder klimatisch bedingte Ereignisse wie Stürme, Schnee und Eis oder Hochwasser.

Blackout in Europa: Wie könnte sich so ein Blackout-Szenario in etwa abspielen?

Wie sich in etwa ein Blackout in Europa abspielen könnte, zeigt folgendes Szenario:

Erster Tag: Haushaltsgeräte funktionieren nicht mehr. Telefonieren mit dem Handy ist je nach Akkuladung noch möglich, da das Telefon- beziehungsweise Mobilfunknetz per Notstrom noch bis etwa 18 Stunden aufrechterhalten werden kann. Ampeln fallen aus, was unweigerlich zum Verkehrschaos mit verstopften Straßen und Unfällen führt. Das Vordringen von Polizei oder Krankenwagen zum Unfallort wird zunehmend beschwerlich. Fahrstühle bleiben ruckartig stecken, funktionieren sollten allerdings noch die Notbeleuchtung und der Notruf-Alarm im Fahrstuhl. Viele Tankstellen fallen sofort aus, weil Treibstoff sich nicht mehr aus den Tanks pumpen lässt. Geldautomaten sind außer Betrieb und Zahlungen per Kreditkarte wären auch nicht mehr möglich. Supermärkte und andere Geschäfte schließen, weil die Kassen nicht mehr funktionieren, ebenso wenig die Schiebetüren beziehungsweise die Tiefkühl- und Kühlanlagen. Die meisten Züge kommen zum Stehen, allen voran Straßen- und U-Bahnen. Je nach Jahreszeit wird es in den Wohnungen, Büros oder Häusern ohne funktionierende Heizung oder Klimaanlage so langsam kalt. Wer einen Gasherd besitzt, kann sich eventuell noch Essen warm machen, schlecht sieht es hingegen für Haushalte mit Elektroherden aus.

Nach fünf Stunden eines Blackouts versiegt der Notstrom, ebenso die Mobilfunknetze. Die meisten Menschen sind von der Kommunikation abgeschnitten, Notrufe können nicht mehr getätigt werden. Auch die Funkanwendung der Behörden und Organisation mit Sicherheitsaufgaben kommt so langsam zum Erliegen. Weil die Kühlkette unterbrochen ist, beginnen Anbieter verderbliche Nahrungsmittel zu entsorgen. Krankenhäuser trifft ein Blackout in besonderem Maße, sie stellen auf Notbetrieb um, da die Notstromaggregate nur etwa 20-50 Prozent der normalen Krankenhausleistung abzudecken vermögen. Priorität haben vor allem Intensivpatienten, die auf lebenserhaltende medizinische Systeme wie Beatmungs- oder Dialysegeräte angewiesen sind. Patienten, die keine Notfälle sind, müssen entlassen werden, Lieferungen von Essen und Getränken sowie von neuen Medikamente würden ausfallen, während kühlpflichtige Medikamente, insbesondere aber auch Blutkonserven und Organe, ohne Strom nicht ausreichend gekühlt werden könnten. Gleichzeitig würde der Zustrom neuer Patienten enorm ansteigen, da Arztpraxen Apotheken, Altenheime sowie andere Zentren nur selten über eine Notstromversorgung verfügen. In großer Not sind auch die Nutztiere auf Bauernhöfen oder Farmen. In wenigen Stunden ersticken Schweine und Hühner, weil Lüftung und Kühlung ausfallen, Kühe können nicht mehr gemolken werden.

Blackout nach 24 Stunden

Zweiter Tag: Der Katastrophenalarm wird verhängt. Manche staatlichen Rundfunksender sind noch im Betrieb und informieren über den Stromausfall. Gemeinden richten Informations- und Anlaufstellen ein für Menschen, die dringend Hilfe benötigen oder Hilfe anbieten wollen. Die meisten Wasserversorger fallen aus – es kommt kein Wasser mehr aus der Leitung. Der Erste, der sein Geschäft verrichtet, hat Glück gehabt: aus der Klospülung kommt noch einmal Wasser. Alle danach gehen leer aus, dasselbe gilt unter anderem für Altenheime und Krankenhäuser.

Ein Großteil der Geschäfte ist zu. Nicht nur wegen fehlenden Stroms, bzw. Blackouts, sondern auch, weil es für viele Mitarbeiter kein Durchkommen gibt. Dort, wo noch etwas angeboten werden kann, kommt es zu Hamsterkäufen. In wenigen Stunden ist alles leergekauft. Lieferketten kommen zum Erliegen, weil die Straßen immer noch verstopft sind und/oder schlichtweg der Sprit fehlt. Polizei, Feuerwehr, Sanitäter und Zivilschutz sind im Dauereinsatz. Nicht so die Müllabfuhr, der Müll beginnt sich in den Straßen zu stapeln. Beim Versuch, sich während eines Blackouts etwas zu Essen zu machen oder die Wohnung zu heizen, werden die Menschen erfinderisch – es kommt zu vielen Hausbränden und Rauchvergiftungen. Falls die Feuerwehr noch ausrücken könnte, dann hätte sie trotzdem kaum Chancen, das Feuer zu löschen, es ist ja leider kein Wasser mehr da, Brände breiten sich somit aus.

Blackout dritter bis sechster Tag

Tage 3-6: Es gibt die ersten Todesopfer von Menschen, die beispielsweise auf Medikamente und medizinische Geräte angewiesen sind, von Menschen, die irgendwo festsitzen und nicht gefunden wurden. Je nach Jahreszeit beziehungsweise Temperatur können sich Krankheiten wie Erkältungen leicht ausbreiten. Essensvorräte, Wasser und Medikamente werden überall knapp, privat sowie in Krankenhäusern und Altenheimen. Zum Teil machen sich Hunger und Durst bemerkbar, was die Betroffenen veranlasst, auf die Suche nach etwas Ess- und Trinkbarem in der Nachbarschaft zu gehen. Gewalt, Einbrüche und Plünderungen nehmen zu. Wer noch Nahrungsmittel hat, könnte diese für den X-fachen Preis anbieten. Gefängnisse stoßen an ihre Grenzen, Häftlinge zu versorgen und zu sichern, besonders bei elektrischen Schließsystemen. Auf den Straßen ziehen Müllberge die ersten Ratten an. Aber auch Zuhause stapelt sich der Müll bei Menschen, die sich aus Angst vor Gewalt nicht auf die Straße trauen. Vermehrt werden Helfer, das heißt Polizisten, Feuerwehrmänner, Soldaten etc. zuhause bleiben, um ihre eigene Familie zu schützen.

Nach einer Woche ohne Strom

Nach einer Woche: Die letzten Radiosender fallen aus. Folglich gibt es keine Informationsquelle mehr, wie die Lage ist, ob und wann der Strom wiederkommen könnte. Auch wenn die Nachbarregion plötzlich wieder Strom hätte, man würde es nicht erfahren. Krankenhäuser müssen notgedrungen ihren Dienst einstellen. Ein Großteil der Bevölkerung leidet nun an Hunger und Durst, weil man keine längerfristigen Vorräte angelegt hat. Aus Verzweiflung essen und trinken die Ersten aus ungenießbaren Quellen, was zu Krankheiten führen könnte. Gewalt, Überfälle und Vandalismus sind fast schon an der Tagesordnung.

Blackout: Auch die Kraftwerke sind ohne Strom

Bei einem Blackout sind auch die Kraftwerke ohne Strom, den sie benötigen, um zu funktionieren, es braucht Strom, um Strom zu erzeugen. Von daher gibt es im Energienetz einige Kraftwerke mit Schwarzstart-Fähigkeit. Dabei handelt es sich meist um Wasserkraftwerke, die ohne Energie von außen hochgefahren werden können. Den Anfang des Schwarzstarts macht eine kleine Turbine, die per Batterie oder Handkurbel mit der Wasserkraft eines Stausees gespeist wird.

Allerdings ist das Hochfahren mit weiteren Problemen behaftet, man sagt „Nach dem Blackout ist vor dem Blackout“. Beim Hochfahren der Kraftwerke kann die plötzlich einsetzende hohe Nachfrage („Stromgier“) das ganze Netz wieder zum Kollabieren bringen. Laut Experten kann beim Hochfahren bis zu viermal mehr Strom anfallen, als es unter normalen Umständen der Fall wäre. Nicht nur, dass auf einmal alle Geräte wieder am Strom zehren würden, viele dieser Geräte benötigen gerade beim Neustart mehr Strom, wie das bekanntermaßen bei Kühlschränken der Fall ist. Ist der Blackout durch ein Überschreiten der Belastbarkeitsgrenze entstanden und hat eventuell sogar Schäden im Stromnetz verursacht, ist die Gefahr eines Rückfalls hoch. Bis es zur gewünschten Stabilität kommt, können Monate, sogar Jahre, einhergehen.

Es können Wochen vergehen bis Normalität herrscht

Neben den Rückfallgefahren ist es wichtig zu wissen, dass auch wenn der Strom wieder aus den Steckdosen kommt, es Wochen dauern kann, bis wieder Normalität herrscht. Ein Blackout zieht, wie dargestellt, unweigerlich einen heftigen Infrastrukturausfall mit sich. Schon bei einem Stromausfall von nur 24 Stunden dauert es bis zu einer Woche, um wieder eine ordentliche Grundversorgung auf die Beine zu stellen. Die ersten Waren in den Supermärkten wären schnell wieder vergriffen. Schlimmer wäre das Szenario bei vorhergegangenem Vandalismus. Zerstörte Einrichtungen wie Supermärkte müssten erst wieder repariert werden.

Nach einem Blackout muss als erstes die Telekommunikationsversorgung (Handy, Festnetz, Internet) aufgebaut werden. Erst dann kann die Logistik hochgefahren werden, das heißt die Versorgung mit lebenswichtigen Gütern in die Gänge geleitet werden. Und auch hier gilt: das Telekommunikationsnetz ist anfangs noch störungsanfällig. Der Grund: Jeder wird gleich versuchen wollen, Kontakt mit anderen Personen aufzunehmen, was zu einer Überlastung der Netze führen kann.

Blackout-Gefahr und Vorsorge: Agieren ist besser als reagieren

Von daher, nicht nur bei einer akuten Blackout-Gefahr: Agieren ist besser als reagieren. Wer Vorsorge trifft, begegnet Krisen souveräner und gerät weniger in Panik. Hamsterkäufe wären dann nicht mehr notwendig. Tritt kein Blackout ein, umso besser. Kommt es doch dazu, dann ist man darauf vorbereitet. Das Bundesamt für Bevölkerungsschutz und Katastrophenhilfe (BKK) hat diesbezüglich nützliche Informationen auf seiner Webseite sowie eine Checkliste „Ratgeber für Notfallvorsorge und richtiges Handeln in Notsituationen“ zusammengestellt.

Ein paar Tipps, was man bereithalten könnte:

  • Radio mit Batterien (Autoradio nicht vergessen!)
  • Taschenlampen, bzw. Stirnlampen (damit hat man die Hände frei)
  • Ersatzbatterien
  • Kerzen und Streichhölzer
  • Hausapotheke, Erste-Hilfe-Koffer
  • Wasser und Lebensmittel, die auch ohne Kochen genießbar sind, für 1-2 Wochen (Konserven, Vollkornbrot, Kompott, Salate, etc.)
  • Hygieneartikel wie z.B. Müllsäcke als Ersatz-Toilette
  • Gaskocher (könnte man mit Nachbarn teilen)
  • Alternative Heizmöglichkeiten (Holzofen)
  • Vorherige Absprachen mit der Familie, wer welche Aufgaben übernimmt etc.
  • Vielleicht habt ihr auch einmal etwas von der sogenannten „Dreier-Regel“ von Survival-Experten gehört? Sie besagt, dass Menschen drei Wochen ohne Nahrung, drei Tage ohne Wasser, drei Minuten ohne Sauerstoff und nur drei Sekunden ohne Hoffnung überleben können. Also so oder so – niemals die Hoffnung aufgeben und nicht in Panik geraten, weil am Ende eben wieder alles gut wird, war jedenfalls in der Vergangenheit immer so.

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