„Spoiled Little Brat“ – Eine Aufforderung für mehr Akzeptanz bei Sonderbehandlungen gestresster Diven

In letzter Zeit sind die Vorwürfe wieder etwas vehementer geworden, was ein leicht divenhaftes Verhalten in Verbindung mit meiner Person betrifft. Man sagt, ich sei eine spoiled little brat, ich liesse mir gern und ständig den Arsch einölen, ich sei ungeduldig, komme aber selbst andauernd zu spät und egal, um was es sich dreht, ich bräuchte ständig eine Sonderbehandlung. Es wird also Zeit, dass ich zu diesen Anschuldigungen einmal Stellung beziehe, ich will da auch gar nicht heißbreizirkulierend werden: es stimmt.

Aber ich kann das auch alles rechtfertigen, zumindest in meiner Welt und das ist ja auch schonmal was. Ich möchte das gerne anhand ein paar aktueller Beispiele erläutern, nehmen wir einfach … dings, eine Anfrage auf Umzugshilfe. Was Ihr vorab dringend wissen müsst: ich hatte immer einen sehr großen Freundeskreis, ich habe in meinem Leben bei bestimmt 40 Umzügen geholfen und es gibt wenig Schlimmeres als Waschmaschinen und „Jetzt nur noch schnell den Keller“-Ankündigungen. Das war so im Alter von 20-33, vielleicht gab’s auch nochmal einen Umzug mit 35, keine Ahnung. Aber: es reicht. Ich bin jetzt so alt wie Pharrell Williams und auch wenn ich einen nicht ganz so blumigen Kontostand nachzuweisen habe: es gibt doch Umzugsunternehmen?! Die wurden doch extra für alle ab 34 erfunden. Ich käme heute jedenfalls nicht mehr auf die Idee, unter Ähnlichaltrigen nach Umzugshilfe zu fragen. Die meisten Möbelpacker haben doch recht okaye Konstitutionen, bei deutlich weniger Verschleißerscheinungen, dafür oftmals aber besserer Puste und sowieso: ich halte die Möbelpackerei für eine sehr schützenwerte Zunft, keiner will dieses Berufsbild aussterben sehen – ich meine das ja nur gut!

Dann kam neulich in einer anderen Sache die Idee auf, man könne aus Optimierungsgründen ja in Cafés und an der Uni Flyer verteilen, dies das. Kann sicherlich gemacht werden, nur halt nicht von mir. Das Ding ist: auch als Mensch, dem es grundsätzlich sehr egal ist, was die Gesellschaft über ihn sagt, möchte ich nur äußerst ungern bunte Flugzettelchen an Menschen halben Alters verteilen. Ich habe Krähenfüße kleinere Fältchen um die Augen herum, außerdem erschlafft mein Nasolabialfaltenbereich gerade ein wenig. Meine Haare sitzen recht häufig wirr und wenn ich aus Sonneneinstrahlungsgründen auf einem Auge blinzel‘, sehe ich im Profil aus wie Martin Schneiders Kehlkopf. Bemitleidenswert. Und das möchte ich meinen Mitmenschen einfach nicht zumuten, ich bin halt überdurchschnittlich empathisch.

Gut, und dann hab‘ ich vielleicht auch mal das ein oder andere Presse-Event abgesagt, weil ich die Eco-Class nicht ganz so gei mit den Zubringungs- und Abholungsmodalitäten nicht ganz d’accord war, bzw. weil das Programm irgendwelche Wandermarathons oder sonstige Camping-ähnlichen Situationen ankündigte. Ich war halt niemals so ein Backpacking-Touri und ich finde, man kann auch ohne Hostel ein Erlebnisreisender sein. Ich fliege wirklich gerne überall hin und guck‘ mir auch alles sehr interessiert an, aber ein schöynes Hotel sollte schon sein, irgendwas Famoses, was die jeweilige Gegend elegant repräsentiert. Und wenn dieses Hotel dann auch einen Spa-Bereich hat – ja warum um alles in der Welt sollte ich mir dann bitteschön nicht den Arsch einölen lassen?!
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[Die Montagskolumne ist zurück, ab sofort gibt’s wieder mehr Text auf WHUDAT!]

Kommentare

6 Antworten zu “„Spoiled Little Brat“ – Eine Aufforderung für mehr Akzeptanz bei Sonderbehandlungen gestresster Diven”

  1. Kiki sagt:

    Bin da ganz bei Dir. Selbst wenn ich etwas über Interrail-Rucksackreisen oder das Wohnen in billigen drei-Sterne-Absteigen lesen wollte (und warum sollte ich das wollen?), dann wohl kaum hier. Hier will ich Hochglanzentertainment und silly videos im lifestyle of the rich and infamous und kein „grüner reisen“-Traktat für Funktionsjacken-und-Sandalenträger.

    Was die Umzugshilfe angeht … wer die Kohle hat, nach der Plackerei angemessene Mengen an Bier und Grillgut für die Dankeschönsause mit den Kumpels anzuschaffen, hat auch die Kohle für die Profischlepper, die zu bestellen kostet nämlich in etwa genausoviel. ;-)

  2. Torsten sagt:

    Finde ich alles in Ordnung. Klar. Auf jeden Fall. Unterschreib ich. Komplett. Alten Männern sollte man nicht zuviel zumuten. Die sterben dir sonst weg. Direkt so. Vor Ort. Ohne komplett eingezahlt zu haben. In die Rentenkasse. Nee. Will ja keiner. Unterschreib ich. Wie gesagt. Sofort. Weitermachen. Ich kenne da übrigens einen ganz netten Pflegestift. Mit Weintrauben. Und so weiter.

  3. Tarek sagt:

    Herzlich gelacht, bitte wieder regelmäßiger! ;o)

  4. Büm sagt:

    Gerade die Umzugsgeschichte kann ich voll und ganz so unterschreiben :-)

  5. Auch ich bin Ihrer Meinung… und sowieso,… dass Leben ist zu kurz für Durchschnitt!

  6. buzzter sagt:

    Find ich gut. Das neue Design übrigens auch!

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