Runtime, Pt. V


Vorher lesen: Teil I, II, III, IV!!!

„Du kannst es Dir bestimmt denken, MC“, fuhr Thommy fort. Na klar konnte ich das. Bei Gottschalk fällt das Gedankenlesen nun wahrhaftig nicht schwer. Aber auf die rhetorische Ausführung seines Angebotes war ich gespannt. „Ich höre!“, sagte ich und nippte an dem Holsten. „MC, schau her. Ich bin es leid. Ich bin fertig, ausgebrannt, ich kann einfach nicht mehr. Es geht um die Moderation von ‚Wetten, daß…?‘, ich halte es einfach nicht mehr aus. Ständig die sogenannten Weltstars auf meiner Couch, diese nutzlosen Kreaturen, verkaufte Seelen, überbezahlte Freaks, diese hirnrissigen Wetten, dieses dumme Publikum, ich muss da weg. Ich will etwas Neues ausprobieren, etwas Künstlerisches, einfach etwas, wo ich meine Kreativität vollkommen ausleben kann!“, manifestierte der in die Jahre gekommende Entertainer. „‚Wetten, dass…?‘ kann ich übernehmen, Oh-Gee. Sag´ Deinen Intendanten bezüglich der Vertragsentwürfe Bescheid, die sollen sich bei Dr. Bergpfotse melden. Du kennst das. Und wegen einer adäquaten Aufgabe, die Deiner Kreativität gerecht wird: Versuch mal ‚Malen nach Zahlen‘, Dicker.“, antwortete ich, während ich aufstand. Ich nahm mir eine zweite Flasche Holsten aus dem Kühlschrank, welche ich zwischen Daumen und Zeigefinger der rechten Hand klemmte. Die leere Flasche klemmte ich zwischen Zeige- und Mittelfinger derselben Hand und ließ den Arm hängen. Mit einem perfekt sitzendem Rückwärts-Kick mit der Hacke meines rechten Fusses gegen die leere Flasche öffnete ich die Neue. Der Kronkorken schoss durch den Raum und landete im Schritt des hilflos wirkend und missgünstig dreinschauenden Moderatoren. Mit einem „Ich muss los!“, verabschiedete ich mich und taperte schnurtracks in Richtung Fuhrpark, auf welchem mein Anwalt Bergpfotse schon in seinem Jaguar wartete. Sobald mein Blutdruck nämlich über 180 rutscht, geht automatisch eine Warn-SMS von meinem Handy inklusive detaillierter Standortbeschreibung auf Bergpfotses Pager, der sich dann umgehend auf den Weg macht. Ich war wohl doch ziemlich aufgeregt, als das kühle Holsten kam.

„MC, was machst Du beim Thommy?“, frug* Bergpfotse, der angespannt und hektisch wirkte. Hatte er doch noch die Klage eines Sparkassen-Filialleiters auf dem Tisch, der einen Angestellen aufgrund seines Fingernägelkauens fristlos entließ. Diese charakterschwache Angewohnheit würde nicht zur Sparkassen-Firmenphilosophie, geschweige denn zur Corporate Identity passen, so des Filialleiters Begründung. Außerdem könne er nicht weiter die Verantwortung gegenüber der Kunden und anderen Angestellten übernehmen, die tagtäglich dieser optischen Stilvergewaltigung ausgesetzt seien. Nachvollziehbar. „Freiwillig war ich bestimmt nicht bei Gottschalk, Homie.“, antwortete ich. „Sie bekommen in den nächsten Tagen Post vom ZDF, Bergpfotse. Den monetären Bereich mit 4 potenzieren, den Rest prüfen, MC´s Standardforderungen (600qm Penthaus-Hotelzimmer in entsprechenden Austragungsstandorten mit Jaccuzi, Bidet und Plasmagroßbildfernseher, frische BOSS-Garderobe zu jeder Sendung sowie Marmoraschenbecher) einpflegen und mir zur Unterschrift vorlegen. Und machen Sie sich keine Sorgen wegen der Sparkassen-Sache, jeder Richter wird verstehen, dass Fingernägelkauen inakzeptabler ist als Gottschalk´s Frisur. Oder Pädophilie. Und die ist doch auch illegal!“, beendete ich meinen Satz. Bergpfotse ließ mich beim Puff raus. Ich musste noch Geld holen. Um 16:45h hatte ich noch einen Termin bei der Fußpflege. Hoffentlich würde ich es pünktlich schaffen.

Zwanzig Minuten zu spät kam ich schließlich bei der Pediküre an. Dianne erwartete mich bereits. „Hallo MC! Da bist Du ja endlich. Das Übliche?“, griente mich die Südequatorianerin an. „Jaja, genau,“, entgegnete ich Ihr, „wieder nur Fußnägel schneiden, ´n büschen Hornhaut raspeln und die schwarzen Sockenkrümel aus dem Nagelbett pulen!“. Ich könnte das ja auch selber. Aber ich bücke mich so ungern, ich lasse lieber bücken. Außerdem höre ich hier immer so unterhaltsame Geschichten aus dem Leben equadorianischer Fußpflegerinnen, das ist aufschlussreicher als das ganze Klimbim, was mir sonst so zugertragen wird. Heute erfahre ich von den Zeugen Jehoves, die neulich bei Ihrer Familie in der Tür der Gaardener Sozialwohnung standen. Während der Vater über die verschiedensten, religiösen Ansichten sprach, langte der jüngere Bruder barhändig in das seit 4 Tagen nicht mehr gereinigte Katzenklo. Nachdem der Vater den ‚Wachturm‘ als Geschenk der Zeugen Jehovas in Empfang nahm, bedankte sich der Kleine per Handschlag. Anschließende knallten Varter+Sohn die Türe vor den Nasen der Gläubigen zu und lachten laut. Sie lachten so laut, dass man sie noch drei Strassen weiter, im Waschsalon der Mutter, hören konnte. Das eigentlich interessante an dieser Geschichte ist, dass die Mutter von einem akuten Asthma-Anfall ausging und den Notarzt verständigte, der wiederum weder Vater noch Sohn beruhigen konnte und in einer Blitzoperation noch vor Ort beiden das Zwerchfell entnahm. Das ist schon was los, bei den Südländern. 17.30h, ich muss los. Die Putzfrau kommt gleich…

(Fortsetzung folgt!)
(*das und mehr ist beabsichtigt und versteht sich als künstlerische Freiheit)

Kommentare

8 Antworten zu “Runtime, Pt. V”

  1. Mark sagt:

    Mir fehlen die Worte! Wieviele Fortsetzungen gibt es noch?

  2. Rick sagt:

    Whouw, was ist denn da oben mit den Headern los?

  3. Christian sagt:

    jetzt neu „sende HEADER an 666666“ und bei jedem reload bekommst du einen Neuen gratis dazu!!!11elf

    Aber ein bisschen neidisch bin ich schon, mal Malcolm belaestigen…

  4. MC sagt:

    … geil, nä?! Malcolm ist echt´n Guter!

  5. Ben-Chi sagt:

    Eine Meisterleistung! Herrlich wie du für uns Schmalspur-Bürger dein Starleben so genial verpackt rüberbringst.
    Bei mir gibts was über geistesgestörte Taxifahrer ;-)

  6. Malcolm sagt:

    Toll! Ich bin begeistert! Also ehrlich jetzt, leg mal ´nen Zahn zu! Ich kann es kaum erwarten!

    Und danke für die Blumen! Man hilft wo man kann, ne?

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