Pwned!

Es muss der April oder Mai im Jahre 2001 gewesen sein, ich bekam gerade frisch einen neuen Firmenwagen , die Geschäfte liefen gut und ich schlief mit Gina Lollobrigida. Natürlich nicht mit der Echten, das wäre denkbar milfig, aber die Ähnlichkeit war frappierend. Mein damaliger Abteilungsleiter nannte sie so, „Na Herr Winkelsen, kommen sie wieder mit Frau Lollobrigida?“. Natürlich stand er auf sie. Als Schluss war, schickte ich ihm ein paar Unterwäschebilder. Wir sprachen nie darüber, aber er war mir unendlich dankbar. Kann man mal sehen, einige kriechen lebenslang Arsch, ich verschicke Tittenbilder. Anderes Thema.

Ich hatte am Nachmittag einen Termin bei einem Sportcenter mit mehreren Filialen in Kiel. Man wurde sich handelseinig, der Geschäftsführer schloss bei mir sogar private Verträge ab. Lief wirklich gut damals, sogar ohne Zuhilfenahme Ginas Brüste. „Und wenn sie das Alles fertig haben, dann fahren Sie noch zur Frau Möller Eppenbröllsienkivicz, die arbeitet von zuhause aus. Veträge muss sie unterschreiben, ich klär‘ das!“. Ich machte mich auf den Weg. Im Auto rechnete ich mir bereits meine Provision aus und überlegte schonmal, was ich mir als Belohnung davon leisten würde. Einen neuen Anzug vielleicht, ich trug das ja damals so. Vielleicht war sogar ein Wellness-Wochenende mit Gina drin. So eine Entspannungsfarm in Hamburger Vororten mit komischen Namen – scheiß‘ auf Sauna und Blubberbad, schön das ganze Wochenende vögeln. Irgendwie sowas, aber erst noch Muddern Möller Eppenbröllsienkivicz eintüten.

Ein verlassenes Haus am Stadtrand, richtig mit Privatweg und Verbotsschildern. Ich klingelte. Sogar 2x. Irgendwann kam Möller Eppenbröllsienkivicz an die Tür, zerzaustes Haar, Jogginghose verkehert herum und barfuß. „Na das ging aber schnell!“. „Neuer Firmenwagen!“, zwinkerte ich und zeigte über meine Schulter auf den schwarzen Golf IV. „Glückwunsch. Dann kommen sie mal rein.“. Im Wohzimmer sah ich dann auch den Grund für das zerzauste Haar und die linke Jogginghose – er war bestimmt 10 Jahre jünger als Möller Eppenbröllsienkivicz und saß nur in Unterhose vor einer Schüssel Müsli mit Früchten. Entweder Fleischpimmel oder halbsteife Situation, ich war mir unsicher. Eines wusste ich aber genau: wenn ich mal nicht mehr in C&A-Anzügen und Volkswagen durch Kiel eiern würde, dann möchte ich exakt sowas machen! „Na sie haben ein Leben, Frau Möller Eppenbröllsienkivicz! Und sie auch.“, sagte ich und guckte zum weißen Lex Steele, der daraufhin mit vollem Mund lachhustete, was ziemlich dusselig klang. Aber gut, er war ja auch nicht wegen der Dechiffrierung quantenphysikalischer Phänomene hier. Ich bereitete die Verträge vor, bekam die Unterschrift und machte mich auf den Weg.

Am Abend erzählte ich Gina von meinen Plänen. „48 Stunden einfach nur in der Horizontalen, was hältst Du davon?“. „Das wird nicht gehen, wir sind doch bei Marco eingeladen!“. Marco war Ginas bester Freund. Ich hielt ihn für schwul, weil – wie jeder weiß – platonische Freundschaften mit dem anderen Geschlecht unmöglich sind. Aber jetzt wäre er wohl frisch verliebt und wollte uns unbedingt einander vorstellen. „Na gut, aber lass uns eine Kiste Holsten mitnehmen.“. Marco trank immer nur Sekt. Ich sag‘ ja, irgendwas stimmte mit dem Homeboy nicht. Gina hatte nur Gutes über Melanie, Marcos Neuer, zu berichten. Sie sei so kreativ, so klug, so energievoll. Hätte am laufenden Band tolle Ideen und überall ihre Finger drin. Marco konnte gar nicht beschreiben, was Melanie den ganzen Tag so treiben würde – so aufregend wäre ihr Leben. Business-Tante meets Sekt-Milchbart, na DIE wollte ich sehen.

„Frau … Möller Eppenbröllsienkivicz?!“. „Ihr kennt Euch?“. „Quasi“. Ob ich die Sache mit ihrem Praktikanten für mich behalten könne, wollte sie in einer ruhigen Minute von mir wissen. Klar konnte ich. Zumindest bis jetzt.

Kommentare

18 Antworten zu “Pwned!”

  1. n1Ls sagt:

    obwohl ich einmal laut gelacht habe, blicke ich absolut keinen meter durch.

    großartig

  2. Judy sagt:

    Ich brech zusammen.

  3. norrin sagt:

    :))))))))))))))))))

  4. feronia sagt:

    Sehr diskret, sehr diskret! Aber Fotos von der Ex weiterleiten, ist das so üblich? Frau sollte für Bildmaterial sorgen, dass man als Geisel nehmen kann!

  5. Torsten sagt:

    Also ein Geheimnis werde ich Ihnen sicherlich nicht mehr anvertrauen, sehr geehrter Herr Winkelsen…

  6. gosu sagt:

    Nice.Weiter so.

  7. Toby sagt:

    wenigstens der Titel stimmt :)

  8. Erdge Schoss sagt:

    Und was, werter Herr Winkelsen,
    wurde aus dem Anzug?

    Herzlich
    Ihr Modeste Schoss

  9. die anke sagt:

    lieber herr winkel, ich sag mal..NA-JA, das ist erst 9 jahre her!! aber „Dechiffrierung quantenphysikalischer Phänomene“ hat mir dann doch ein herzhaftes lachen beschert, in diesem sinne wuensche ich ihnen einen froehlichen wochenbeginn

  10. Sascha sagt:

    PWNED! Aber sowas von! :-D

  11. timtin sagt:

    Schönes Ding! :)

  12. MC Winkel sagt:

    @n1Ls: … was genau habe ich denn zu kompliziert umschrieben?
    @Judy: Aufpassen! :)
    @norrin: Weisst Bescheid! ^^
    @feronia: Üblich nicht, aber für die Karriere… ich mein, da kann das schonmal passieren! :)
    @Torsten: WAS? Wieso das denn nicht? :)
    @gosu: Tach Herr nice!
    @Toby: Oder? :)
    @Erdge Schoss: Auf dem Flohmarkt noch 7€ für bekommen. Kann man mal sehen, „Angelo Litricio“ – doch gar nocht so übel!
    @die anke: Danke! Das wünsche ich Ihnen auch!
    @Sascha: :)
    @timtin: Danke!

  13. Denzel sagt:

    wieder einmal ein klassiker! ^^

  14. n1Ls sagt:

    @MC Winkel:
    vielleicht war ich auch einfach nur zu müde, gestern nacht im halbschlaf
    man weiß es nicht

  15. WillsonChill sagt:

    weltklasse, kollege.
    mein werkenlehrer hat mir auch immer so ein fick-wochenende ans herz gelegt. herrlich soll sowas sein, hat er immer gemeint.

  16. honki sagt:

    Endlich hab ich wieder die Zeit um mir diesen Shiz’n’it hier in Ruhe reinzuziehen.

    Junge für die Story haste dir einen Preis verdient. Kiste Holsten oder so, oder Astra, mir egal. Die Story perlt so gut wie ein frisches Pils im Frühling kurz nach vier. Besser gehts eigentlich kaum noch. Chapeau Herr Winkelsen!

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