Nur zu Deiner eigenen Sicherheit

Ich erinnere mich ungern an eine alte Kollegin zurück, deren Hauptargument bei der Übermittlung unvorteilhafter Arbeitsanweisungen immer ein „ist ja nur für Deine eigenen Sicherheit!“ war. Als Freiheits-bevorzugender Mensch pfiff ich damals bereits auf Alles, was mir angeblich mehr Sicherheit verschaffen würde, ich fühlte mich eigentlich ganz wohl so, wie es gerade war, nahm so lästige Sicherheitsmaßnahmen wie Kondome, Anschschnallgurte und Schluckimpfungen gelegentlich in Kauf, dann war aber auch gut. Beispielsweise sollte erstmals eine elektronischen Zeiterfassung installiert werden, natürlich „zur eigenen Sicherheit“. Dass sowas ausschließlich der Mitarbeiterüberwachung und vorsätzlichen Abmahnabsichten aufgrund kleincojonöser Machtausübungsherumhurereien dient, weiß vermutlich selbst die Putzfrau – in diesem Zusammenhang aber auch ein Paradoxon, weil diese eh cleverer war als 6 von 8 Abteilungsleiter, zusätzlich aber auch noch Fugenfit und SchimmelEx konnte.

Dann kam sie eines Tages mit eine Wisch daher, auf dem ich etwaige Nebenjobs zu deklarieren hatte. Ich selbst hielt diesen Move für fruchtloser als Capri Sonne, so’n büschen Bloggen und Musizieren nebenbei – warum musste sowas dokumentiert werden? Natürlich zu meiner eigenen Sicherheit. Auf Rückfrage, welcher meiner lieber Kollegen denn darum gebeten hätte, gab es keine Auskunft. Kein Wunder, dass Deutschlands Angestellte ausbrennen, Paranoid werden und/oder Andrea Berg hören, man wird da ja mit Anlauf hineingetrieben.

Plötzlich sind alle Kollegen Verdächtige, die einem keine drei Einnahmequellen gönnen. Ist es Marek, der während der Dienstzeit auf einem Testrechner P0rn0-Torrents lädt oder ist es der dicke lustige Potzki, der sein ganzes Gehalt in Spielotheken-Automaten schmeisst? Oder gar Dietram, der mit 45 noch bei Muddi wohnt und im Laufe seines Lebens mehrere Kleinwagen zur Lottoannahmestelle brachte? Glücksspieler besitzen irgendwie alle so eine putzige Naivität, die ja wiederum bei ziemlich vielen Frauen gefragt ist; was aber auch nichts hilft, wenn einem das Mauererdekolletée bis in den Nacken verläuft oder man sogar zuhause im Sitzen pieschen muss, es ist eine Crux.

Eines Mittwochs geriet versehentlich eine ziemlich degoutante E-Mail von besagter Kollegin in sämtliche Postfächer aller Mitarbeiter. Eigentlich sollten nur die weiblichen Kolleginnen diese bekommen, im Anhang befand sich nämlich das Foto einer in Toilettenpapier eingewickelten, handelsüblichen, leider aber gebrauchten Damenbinde, platziert auf einem Toilettenkasten. Die Beträuflerin hatte offenkundig vergessen, vor dem Spülvorgang noch einzukorben. Ich selbst war erstaunt, was das kratzige Toilettenpapier (Stichwort Sparkurs) doch für eine Saugwirkung hatte, da würde jeder Pümpel verblassen, so er eine Gesichtsfarbe hätte. Ferner staunte ich über die Coloration: wer auch immer die Trägerin war – es muss am Vortag Auberginen gegeben haben! So etwas hatte ich auf einem Schwarzweiß-Foto noch nie gesehen. Es folgte eine Entschuldigungsmail mit dem Hinweis, die vorige Mail bitte ungelesen zu löschen. Ich ergänzte diese mit einer weiteren Mail an alle: „Es ist doch nur zu Eurer eigenen Sicherheit! :)“, immerhin mit Smiley. Beliebter machte mich das trotzdem nicht, glaube ich.
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Kommentare

14 Antworten zu “Nur zu Deiner eigenen Sicherheit”

  1. alohastone sagt:

    „vor dem Spülvorgang noch einzukorben.“ – sehr gut! ;)

  2. Michael Ruff via Facebook sagt:

    Sehr hübsch, sehr gut. Zwischen Aufstehen und Frühstück genau das richtige.

  3. Potzki sagt:

    Hallo MC,
    ich habe schon viele Geschichten über deine Ex-Kollegen gelesen, viele wiedererkannt und viel gelacht. Diesmal bin ich dann wohl dran… Aber ich habe nie gepetzt, ganz im Gegenteil. Ich durfte zu meiner Sicherheit auch so ein Formular ausfüllen.
    Ist die Beschreibung „lustig“ und „putzig naiv“ eigentlich eher Kompliment oder Beleidigung?

    Viele Grüße vom
    Potzki

  4. Lieblingssong deiner Putzfrau war sicher „Wisch u were here“ oder?

  5. denzel sagt:

    ahhahahahhahah, 200% rund.
    von schluckimpfung bis sparkurs alles dabei, herrlich! ^^

  6. Tarek sagt:

    Ist der @Potzki echt, Winkelsen?
    Schöne Montagsstory mal wieder! :D

  7. Mocca sagt:

    Mein Feedreader (Thunderbird) beliefert mich nicht mehr bzw. arg verspätet mit deinem Nachschub. Gerade kam die Polizeikontrolle rein. Liegt’s an dir oder an mir? Alle anderen Abos funktionieren, schätze ich, einwandfrei.

  8. MC Winkel sagt:

    @alohastone: … fand den auch gut! :)
    @Michael Ruff via Facebook: Besonders der letzte Absatz! :)
    @Potzki: Moin Potzki! Also, diese Stories hier haben mit tatsächlich lebenden oder verstorbenen Personen natürlich nichts zu tun, Ähnlichkeiten wären ungewollt und reiner Zufall, ist doch klar! :) Aber wenn, dann wären das natürlich alles Komplimente! :)) (Und sorry, aber ich sag‘ ja: da wirste doch paranoid, wenn Dir ständig von irgendwelchem Denunziantentum erzählt wird, man aber keine Namen nennt! Vermutlich hat man sich das Alles schön selbst ausgedacht. Furchtbar!)
    @Webdesign Kiel: Gab‘ schon Bessere, ich schieb’s auf den Montag! :)
    @denzel: :)
    @Tarek: Ich fürchte, ja. Sowas hat man davon, wenn man die Geister ruft! Aber ist ja alles nur, hier, … Satire. :)
    @Mocca: Echt? Dayum. Hast Du den ganzen Feed abonniert oder nur die „junge MC“-Stories? Falls Du noch den alten Feed hast, probier mal den hier: http://feeds.feedburner.com/mcwinkel

  9. Cruz sagt:

    kleincojonöse Machtausübungsherumhurereien und der Abend wird einfach schonmal nice. (:

  10. Erdge Schoss sagt:

    Fugenfit und SchimmelEx, werter Herr Winkelsen, das Fräulein muss eine Göttin sein!

    Herzlich
    Ihr Schoss

  11. n1Ls sagt:

    „Kein Wunder, dass Deutschlands Angestellte ausbrennen, Paranoid werden und/oder Andrea Berg hören, man wird da ja mit Anlauf hineingetrieben.“
    Wie recht du doch hast :D

  12. Phil sagt:

    Schön ist das, sehr schön, die Geschichte. Nicht nur in Kiel gibt es sowas, glaube, das ist eine weitverbreitete Seuche, dieses Formulareinforderungsdings… ;-)

  13. Addliss sagt:

    Sind Sie denn, Herr Winkelsen, ausgebrannt, paranoid oder hören Andrea Berg? Nun, letzteres kann ich wohl ausschließen, es sei denn der HipHop hier wäre reine Tarnung…Das stimmt mich alles sehr nachdenklich!

    Oder konnten Sie sich noch durch das Faulancertum vor allem drei bewahren? Ich wünsche es Ihnen. ;-)

  14. Mocca sagt:

    Den ganzen Blog, aber hat sich quasi erledigt, kaum hatte ich mich beschwert kamen die letzten 40 Feeds nachgetrudelt

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