Montagskolumne: One (more) night in Vegas

Ich wollte dieses neue Jahr 2015 mit einem Paukenschlag beginnen, direkt mal wieder ein Zeichen setzen, Mund abwischen, aufstehen und die Neuigkeiten vom Balkon meines sich im 54sten Stock des Cosmopolitan befindenden Zimmers brüllen: „Da ist er wieder! Happy new Zwomillefuffzehn, ich bin back wie Bremer Brauereien und wie immer den Nachtisch zuerst, Herr Ober!“, mit neuer Frisur und fancy Sneakers, Einstecktuch und diesem ganzen Emser Fashion Gelumpe, Ihr wisst ich weiß. Doch so leicht war das irgendwie nicht.

Als Allererstes habe ich im alten Jahr keinen Friseur-Termin mehr bekommen, dabei wäre es dringend nötig gewesen. Die Weihnachtstage verliefen dann wie so oft sehr arbeitsarm, fast schon unspektakulär, genau wie Silvester oder Neujahr. Ich hatte nach dem Thailand-Trip aber ja auch eine Menge Schlaf nachzuholen und genau das habe ich getan. Als ersten Arbeitstag im neuen Jahr hatte ich mir den Fünften ausgeguckt – und genau an diesem Tage ging es nach einem Jahr Pause endlich mal wieder nach Las Vegas, zur CES.

Es klappte auch alles ganz formidabel. Natürlich ist man die ersten 2-3 Tage ein wenig müde, der lange Flug (HH -> FFM -> L.A. -> Vegas = 16 Stunden), die Zeitverschiebung (minus 9 Stunden), das frühe Aufstehen (8.00h) – das sind jetzt alle Dinge, mit denen ich glücklicherweise nicht täglich zu dealen habe. Der Messetag verlief dann sogar ohne größere Komplikationen, es war okay gefüllt, gab sogar ein paar spannende Neuigkeiten zu sehen und so gegen 14.30h liess man sich dann noch einmal kurz zum Shopping shuttlen. Ich kannte ja diesen perfekten Outlet Store (Las Vegas Premium Outlet North, merken!) aus 2012, da schlug ich am Nachmittag also noch einmal ordentlich zu. Ich weiß nicht, wie das bei Euch so ist, aber erfolgreiches Shoppen steigert meine Laune immer ungemein, ich hatte also (bis auf die Frisur) ein perfektes Outfit für’s Dinner, welches an diesem Abend in einem Restaurant im Hotel Encore stattfinden sollte, außerdem wollte ein Freund aus Berlin, der ebenfalls gerade in Vegas weilte, später noch dazukommen und der Laden hatte Pale Ale. Ich zähle hier fünf perfekte Voraussetzungen für einen filmrissogönen Abend und wusste gleich, dass ich bei meiner aktuell vorherrschenden, gefährlich guten Laune unbedingt aufpassen müssen würde.

Tat ich aber nicht. Ich wollte ja, aber ich kam nicht dazu. Die Ereignisse überschlugen sich, ich fand mich (plus den Freund aus Berlin und einen weiteren Homie aus München) plötzlich an einem Tisch wieder, an welchem der „beste Whisky des Hauses“ pur zur Verkostung feilgeboten wurde. Die vier zwei Begrüßungs-Champagner, die 3 Pale Ales und den Wein zum Essen verdrängte ich bewusst. Der Whisky schmeckte übrigens nicht, musste aber ja trotzdem weg und der Münchener konnte auch mehr am Glas als Fensterputzer mit Ausbildung durch den chinesischen Staatszirkus, wie sich herausstellte. Eigentlich wollte ich direkt nach dem Essen schon zurück ins Hotel, ich hatte nur leider noch nicht ausgetrunken. Und als ich dann vor dem Restaurant stand und zusehen musste, wie sich eine Gruppe Anfang 20jähriger Asiatinnen in knapper Abendgarderobe in einer Reihe knieend und der jeweils vor ihr krabbelnden Partnerin mit den Händen an den Fesseln ihren Weg in den Club „Surrender“ bahnten – ja gut, da wollte ich jetzt auch nicht direkt den nächsten Heimtransfer wahrnehmen. Heimtransferato, wie Du sagst.

Über das Eintrittsentgelt im Surrender (42$) musste ich mich ein bisschen wundern, aber die Decken sind hier ja auch überall höher, was das für Stromkosten sein müssen. Trotz aller Anfangsskepsis hatten wir dann aber Glück und fanden direkt einen neuen Sponsoren, irgendwas mit grauen Gänsen und Cranberryschorle, man reichte mir drei oder vier und die wiederum reichten mir dann. Alles, was danach noch so passierte, konnte ich mir am nächsten Tag nur anhand unterschiedlichster Handyfotos und Erzählungen zusammenreimen. Ich sag mal so: 2015 sollte ja wieder angegriffen werden wie der Türknauf des Rathauses, nur dass ich ja eigentlich aus Kiel komme. Und das Jahr einzuleiten, indem man zu lange feiert, viel zu spät zurück ins Hotelzimmer kommt, am nächsten Morgen den Wecker nicht hört, komplett verschläft und den Rückflug verpasst – geht auch irgendwie geiler. Das Vlog und ein paar Bilder aus Vegas gibt es noch in dieser Woche – Happy Monday!

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