Meet Haydar („Harry“)

Es ist eigentlich kaum zu glauben, dass ich Euch noch nie von meinem alten Buddy Haydar berichtet habe. Haydar kam, genau wie der Name, aus arabischen Gefilden, wollte aber eigentlich nie Haydar genannt werden, er stellte sich lieber überall mit „Harry“ vor. Ferner stellte er sich vor, er sähe ein wenig so aus wie Antonio Banderas, was natürlich richtig war. So richtig, wie beispielsweise auch Steve Buscemi aussieht wie Bradley Cooper. Beide weiß, blaue Augen, brünett – zum Verwechseln ähnlich! Und Hobbies hatte Harry auch: Autos (natürlich bayowarischer Herkunft) und Mädchen. Mehr so die Jüngeren.

Leider wohnte Harry auch mit Mitte 30 immer noch zuhause, Ayran scheckt halt nirgendwo besser als bei Müddi. Nun war es ihm aber leider wegen Respekt, Religion und ein paar weiterer Kulturlügen nicht möglich, eine neue Bekanntschaft mit nachhause zu bringen. Pfiffig wie er aber war, hatte er sich rechtzeitig Abhilfe verschafft: zum Einen gab es das zentral gelegene Büro eines Freundes (mit Couch) und zum Anderen waren die Ledersitze seines Dreiers upwashalble. Dieses kleine Waldstück an der Kieler Forstbaumschule hat seit der letzten Holstein-Meisterschaft kein KFZ häufiger gesehen als Harrys, wenn auch immer nur für 6 1/2 Minuten.

Denn auch dafür war Harry bekannt: seine latente Nervosität. Er kam deutlich seltener zum Zuge als Train-Bomber in Berlin, aber wenn, dann war nach spätestens 3 Minuten Zapfenstreich. Ich frage mich bis heute, wie er mit all diesen Makeln nur jemals hatte scoren können, gehe hierbei immer noch vom Mitleid seiner jungen Akquiseprojekte aus. Ich mein‘, wenn Steve Buscemi einer 18jährigen erzählt, er würde sie gerne zwecks Bämsereye in seinem 3er BMW mit auf die Bürocouch eines Bekannten, optional in ein Waldstück entführen – aber keine Angst, es würde ja nur 2 Minuten dauern und immerhin sähe er ja auch aus wie Bradley Cooper – würde das dann auch klappen? Wir leben in einer kranken Welt.

Eine weitere, lustige Angewohnheit: er verliess im Kieler Raum stattfindende Parties … nie. Wenn um fünf, halb sechs die letzte Gäste verschwanden und die GastgeberInnen einfach nur noch schlafen wollten, dann blieb er und stieg nackt und überaschend zur der Dame seiner Wahl ins Bett. Natürlich führte dies oft zu Diskrepanzen; ich weiß ja nicht, wie Ihr Euch fühlen würdet, wenn ihr bei Sonnenaufgang aufwacht und neben Euch liegt ein adipöser Antonio Buscemi mit behaartem Schmierwanst und einem Ego so groß wie Konstantinopel!? Mein größter Fehler war es, ihn mit in die 2er-WG einer damaligen Freundin zu nehmen. „Eddy Harry, Du lässt die Finger von Mitbewohnerin K., bleibst angezogen und wenn Du merkst, dass du da weniger Interesse weckst als Marathon-Anmeldebögen in der Bahnhofsmission, dann gehst Du bitte, okay?!“, stellte ich vorher besorgt fest. „Ja, klar.“.

Keine zwei Stunden und 3 Entsetzungs-Aufschreier aus dem Zimmer der Mitbewohnerin K. später musste ich trotz eigenem Lattenfiebers einmal nachschauen gehen. Ich sah Harry, der in einer Boxer-Short im Stile der italienischen Landesflagge im Bett der halbschlafenden Mitbewohnerin lag und mit seinen Händen willkürlich Handexpander-Movements vollzog. „Harry, was habe ich gesagt?!“. „Aber ich habe doch was an!“, schaute er mich fast hilflos an. Beinahe wirkte auch bei mir die Naivitäts-Masche, bis ich nachhakte, „Ja, Mann. eine Boxershort! Und wieso eigentlich im Italien-Design?!“. „Na weil ich Italiener bin!“. Ich bat ihn dann zu gehen.

Kommentare

7 Antworten zu “Meet Haydar („Harry“)”

  1. singhiozzo sagt:

    Ah super, das sind auch die Typen, die keiner zu einer Party einlädt. Komischerweise sind sie trotzdem immer da!

  2. denzel sagt:

    „wenn Du merkst, dass du da weniger Interesse weckst als Marathon-Anmeldebögen in der Bahnhofsmission“

    beste! ^^ Und den Typen kenn ich auch. heisst der in wirklichkeit nicht aber CEM?

  3. Tarek sagt:

    Das mit Holstein hatte ich mitbekommen. Wäre ich Kieler – ich würde wegziehen! War das eine schäbige Veranstaltung, vor allen Dinge, weil es ja die Spieler selbst waren, die da so besoffen im VIP-Bereich gesungen haben. Ist Eure ganze Stadt so, kann man das verallgemeinern?

  4. Addliss sagt:

    Hm, ein italienischer Steve Buscemi, der eigentlich Araber ist. Klingt SEHR interessant! Schönes Ding, Emser, gern gelesen! :)

  5. D. sagt:

    Haha, kann es sein, daß es sich um einen Erdinz handelt? Kommt mir alles sehr bekannt vor, ich hatte auch mal die Ehre, das muss so 2003/2004 gewesen sein. Kiel ist klein. :)))))))))))))))))))))))))))))

  6. JayKay sagt:

    och das is doch der guttenberg…

  7. Andy sagt:

    Er kam deutlich seltener zum Zuge als Train-Bomber in Berlin

    muahahahahah

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