MC Winkel: Mein erstes Pornoheft

In der siebten Klasse auf dem Nachhauseweg gestand mir Schulfreund F. Unvorstellbares: er habe am Vorabend beim Lesen der Bravo „Liebe, Sex und Zärtlichkeiten“-Sektion erigiert und sei dann ungewollt der Eigenlörisherumreiberei erlegen, was später in seiner Ejakulationspremiere gipfelte. Unvorstellbar deshalb, weil ich schon seit der Fünften onanierte. „Und die Pointe?“. „Ja nichts. Nur: wie krass, ich wollte das ja nicht!?“. Am Tag drauf befragte ich dann Schulfreund K. in dieser Sache. „Ja, hat er mir auch erzählt. Also ich hatte schon vor drei Jahren den Otto-Katalog unter meinem Bett.“. „Echt? Du Schwein!“. Um ehrlich zu sein: ich auch. Gut, es war der von Quelle.

Neben der Bravo und den Dessous-Seiten der Versandhauskataloge gab es auch immer mal so Brüste-Heftchen wie das „St. Pauli-Magazin“, die „Quick“ (damals sowas wie der sehr harmlose Coupé-Vorgänger) oder ein Erwachsenen-Rätselheft, welches ich meinem Großvater aus der Schublade stahl lieh. Einmal entdeckte ich zuhause sogar mal einen Playboy, mehr war bis zu diesem Zeitpunkt jedoch nicht drin. Bis ich zusammen mit K. an irgendeinem Nachmittag wieder einmal C64-spielend bei Schulfreund C. abhing und wir uns gemeinsam über den Spätzügler F. lustig machten. „Bin gespannt, wann dem dann erst Sackhaare wachsen. Vor seiner Volljährigkeit wird das wohl nichts!“, warf ich in die Runde. „Genau. Wenn ich dem meine Penthouse-Sammlung zeige ist er bestimmt traumatisiert!“, rief K. hinterher. „Und was wohl erst passiert, wenn er das hier vor die Augen bekommt!“, C. öffnete eine Schublade und kramte ein lupenreines Ab18-Schmuddelheftchen hervor. Auf dem Cover direkt ein Closeup – das war die visuelle Penetrations-Entjungferung meiner reinen Sextaner[sic!]-Seele. „D-d-das musst Du mir mal ausleihen, Alter!“, bettelte ich mit hochroter Marmel. C. lachte, „Heute brauch ich’s noch, aber wenn ich mit meinen Eltern übers Wochenende wegfahre, kannst du’s haben!“. Ich war aufgeregter als Bondagefreunde im Hängeseilgarten.

Wir verabredeten eine geheime Übergabe. Das Heft mit in die Schule zu nehmen war C. heikler als Makatsch, er würde es daher am nahegelegenen Spielplatz unter der Rutsche verstecken. Die genaue Vergrabestelle würde er mit zwei zu einem Kreuz gelegten Ästen markieren, ich könne mir das Heft dann ab 18h abholen. Was ich vorhatte. Anerigiert und in voller Erwartung auf die ultimative Masturbationszeremonie fuhr ich mit meinem Rad zu besagtem Spielplatz und … sah mindestens 3 Mütter samt Nachwuchs im Sandkasten Burgen bauen. Erst als die Dämmerung einsetzte, verzogen sie sich. Ich hatte nun exakt 2 Minuten, bevor die ersten bereits erspähten Mitglieder einer Jugendgang es sich hier mit ihren Paletten Dosenbier heimisch machen würden. Ich hechtete also unter die Rutsche, mit einem Feuerzeug suchte ich nach dem Kreuz. Vergeblich. Muss wohl in einer dieser Burgen gelandet sein. Ich hoffte, dass C. nur tief genug vergraben hätte und pflog pflügte bestimmt drölf Nünfzend Hektar Sand um. Außenstehende hielten mich für Orkan Twister, die Reinkarnation von Tutanchamun Windemann aus Gizeh. Herbeieilenden Polizisten erklärte ich, nur eine Kontaktlinse verloren zu haben und das ich im Humus über der untersten Gesteinsschicht den Flugschreiber der LZ129 fand, verschwieg ich den Behörden. Denn jetzt hatte ich es, „Die Bummsbude (privat)“ – einem fantastischen Abend mit sportlichem Alleinunterhaltungsambiente stand nichts mehr im Wege. Ich nannte es „Die Yul Brynner-Vermummung mit anschließender Demaskierung“ und hatte wirklich eine Menge Sätze drauf!

Am nächsten Tag frug K., ob denn mit der Übergabe alles klappte. Und ob er sich das Heft nun vielleicht auch einmal ausleihen dürfe. „Sorry, das hat jetzt Frank.“. Wir lachten.
Was den Tennisarm betraf: Vaxicum® linderte.

Kommentare

35 Antworten zu “MC Winkel: Mein erstes Pornoheft”

  1. nodch sagt:

    Ein Rundreiseheft, sowas kenn ich in ähnlicher Form…meine Elter besaßen damals Videotheken (so mit VHS, falls sich noch jemand erinnert), den Rest muss ich sicherlich nicht näher ausführen! ;-)

  2. Finja sagt:

    Ein Glück, dass es damals(TM) noch kein Internet gab – dann wäre diese schöne Geschichte nie passiert und hätte mich nie spontan zum Lachen gebracht – „Bondagefreunde im Hängeseilgarten“. Hast du eigentlich irgendwo ein Buch „Total absurde Metaphern von A bis Z“?

  3. Thearcadier sagt:

    Konnte man das Heft denn noch durchblättern oder warense schon beim Anblick der Titelseite fertig? Und überhaupt: ausleihen? Sowas? Uahhh!

    Sehr lachen musste ich bei dem Namen „Quick“. Passt einfach zu gut, was anderes ist das ja auch nicht…

  4. der.grob sagt:

    ich sammel heute noch die dessous-seiten aus dem otto-katalog. wenn sie wollen, verstecke ich die ein oder andere mal unter der rutsche.

  5. CRen sagt:

    Oh ja, der Otto-Neckermann-Quelle-Katalog mit den Dessousseiten war auch meine Droge mit 12. Und natürlich die „Massagestäbe“-Seite, auch wenn ich damals nichts verfänglich daran fand.
    Dann sah ich mit 13 „zärtliche Cousinen“ und irgendwie gab mir das dann auch keinen Kick mehr, das Katalogzeug.

  6. Berlinbewohner sagt:

    „heikler als Makatsch“ ist mal wieder großes winkelbilderkino. Wer braucht da noch die bondagefreunde?

  7. „Das erste Mal“ in der Bravo wurde natürlich auch von mir gelesen. Danach half mir ein Schmuddelbuch, das ich auf dem Kirchenbasar gefunden hatte (DIE Geschichte würde sich lohnen niederzuschreiben…). Von dem Tag an wusste ich, dass mich Worte erst richtig gut würzen können. Irgendwann war dann leider das Buch verschwunden und ich musste mich mit richtigen Jungs abgeben.

  8. Kaal sagt:

    Mein erstes Pornoheft fand ich im Altpapiercontainer. Ab dem Moment war ich Fan der Mülltrennung.

  9. FrauvonWelt sagt:

    In dem Rätselheft von Ihrem Opa, werter Herr Winkelsen, waren da auch doppelseitige Schwedenrätsel drin?

    Herzlich und gelöst
    Ihre FrauvonWelt

  10. Mein erstes Pornoheft habe ich geklaut… *seufz* … das waren Zeiten….

  11. Scholli sagt:

    Ich fand immer nur Hundescheiße, wenn ich in öffentlichen Sandkästen gegraben habe. Die war auch nicht gekennzeichnet.

  12. Johanna sagt:

    Als ich 8 war, fand ich im Bücherregal meiner Eltern einen Helmut Newton Bildband. Kein Wunder, dass ich den Gedanken an Sex daraufhin noch eine Weile komisch fand…

  13. Gürtel sagt:

    Sehr cool. „Heikler als Makatsch“ – sowas wünsche ich mir in den nächsten Tracks ;-)

    Wäre auch mal eine Rubrik. Fakenamen auf den VHS-Pornokassetten. Ich versteckte meinen im Regal und schrieb „Gorillas im Nebel“ drauf. Weiß ich noch wie heute…*lol*

  14. chilldogg sagt:

    Die Bravo klärte mich auf, allerdings nur im Kartoffelkeller einer Freundin, wo wir unsere Sammlung dann auch gleich versteckten. Im Gegensatz zu ihr traute ich mich allerdings nicht die Poster daraus in meinem Zimmer aufzuhängen. Wie hätte ich das meinen Eltern erklären sollen!?

    Und nebenbei: ‚Ich war aufgeregter als Bondagefreunde im Hängeseilgarten.‘ Schöner kann ein Montagmorgen nicht beginnen..

  15. MC Winkel sagt:

    @nodch: Eltern mit ner Videothek?! Sie müssen im vorigen Leben ein Wahnsinns-Karma gehabt haben! :)
    @Finja: Aber was ist denn daran so absurd, Frau Finja?! :) (Und ja, ich meine es ernst: die Zeiten waren schöner ohne den Internet-pr0n!)
    @Thearcadier: Ich sag mal so: von einer echten „Ejakulation“ zu sprechen, wäre vermessen. Siebte Klasse.^^
    @der.grob: Herr grob: gerne!
    @CRen: Und dann? Auch die „Quick“ als Methadon-Programm?
    @Berlinbewohner: :)
    @ChliiTierChnübler: „das ich auf dem Kirchenbasar gefunden hatte“ – Bitte mehr darüber! :)
    @Kaal: Als ich jung war trennte man noch nicht. Man, das war fein! Wobei: dann hätte man damals vermutlich auch Sauerkrautreste auf den Heftchen gehabt… dochdoch, Papiertrennung hat schon was!
    @FrauvonWelt: Leider nein, FrauvonWelt. Die hätte ich Ihnen sonst am 16.05. mitgebracht!
    @Man in Metropolis: Erwischt worden?! Vorbestraft?
    @Scholli: Doch! Man nennt diese Kennzeichnung „Geruuuch“. :)
    @ Johanna: Meine Eltern hatten so ein Bilderbuch, was auch nicht wesentlich anregender war.
    @Gürtel: … vielleicht mal einen Track nur mit Namedropping-Metapherismus? :)
    @chilldogg: Ein Frage: warum mussten Sie die Bravo (???) vor Ihren Eltern verstecken? Und: Danke! :)

  16. Manuel_M sagt:

    haha winkel, zu geil ;)

    ich hab mein erstes Heftchen in der Altpapiersammlung der Kirche gefunden, wenn das kein Zeichen war.

    lg Manuel

  17. danimateur sagt:

    @ gürtel
    gorillas machen was genau im nebel ? :-D

    @ winkel
    ponoheft? das war es was ich mir am wochenende mal ansehen wollte.

  18. KleinesF sagt:

    Hat Neckermann eigentlich immer noch Solarien im Angebot?

  19. Die DiVa sagt:

    Herrjemine werter Herr Winkel, Sie meinen also mein älterer Bruder ging in jungen Jahren nicht ständig mit mir auf den Spielplatz weil die Bruder- Schwester Beziehung stärken wollte? Und ich wunderte mich über die pisaische Absenkung der Rutsche (mit Kurve übrigens!)

    Herzlichst und deillusioniert

    Ihre DiVa

  20. Patrick sagt:

    Der Post hat mich heute morgen sehr amüsiert :D
    Bitte mehr spannende Storys aus dem frühen Leben des MC Winkel’s =)

  21. FelixN sagt:

    Diese Rhetorik – fantastisch!

    „aufgeregter als Bondagefreunde im Hängeseilgarten“
    „heiklerals Makatsch“

    Hut ab, werter MC!

  22. zoee sagt:

    „heikler als die makatsch“? :))))))))

  23. Electrolotion sagt:

    Alter… Winkel! Ich lieg auf dem Boden und feiere dich endlos. Hab schon lange nicht mehr dran gedacht. Meine Eltern hatten damals 4 Kioske (sic!). Ähnlich gutes Karma wie Nodch, hmmm? Denkste! Eine zeitlang hab ich so Kohle auf dem Pausenhof gemacht. Natürlich wurde ich erwischt! 6 komplette SommerferienWochen glotzte ich doof aus dem Fenster und hörte vom Balkon – geschickt eingefädelt von meiner Mutter – das nahe Freibad! Super Sache!

    Gürtel: ganz nebenbei…bei mir waren es die „ghostbusters“. ;-)

  24. […] Winkel und seine Texte (unbedeutende Auswahl): – Mein erstes Pornoheft (link) – Senegalesische Waldelefanten (link) – Clinton Smooth (link) – Hattrick (Teil 1, Teil 2) – Bonnie […]

  25. Flo sagt:

    Herrlich! :D

  26. MC Winkel sagt:

    @Manuel_M: Inzwischen ausgetreten? :)
    @danimateur: … sind ja nur noch 4 Tage! :)
    @KleinesF: Nein. Aber Blumenerde.
    @Die DiVa: Mittig so ein Hubbel, oder tatsächlich kurvig?
    @Patrick: … na gut. Da gibt es ja noch genug. Den ersten Pronofilm z.B.! :)
    @FelixN: Danke!
    @zoee: :)
    @Electrolotion: Tatsächlich, ein absolutes Hammerkarma. Aber die ganzen Sommerferien Stubenarrest? KRASS! Vor allen Dingen aber doch auch traumatisch! Haben sie inzwischen wieder ein okayes Verhältnis zu Titten zur Sexualität? :)
    @Flo: :)

  27. oh gott, mein sohn ist zwölf….. ich glaub, ich muss ma mit ihm reden… *schluck* ;)

  28. chilldogg sagt:

    Bravo war Schweinkram.
    Wäre die Bravo nicht gewesen, wäre das mit der Aufklärung mit mir bis heute vermutlich nicht gelaufen. In der Schule hat man sich dahingehend auch nicht so mit Ruhm bekleckert.
    Wobei- dann kam ja auch RTL..

  29. Cutter sagt:

    Ich sag nur:
    Zeitschriftenaustragen kann auch äusserst anregend wirkend !
    Man musste nur aufpassen, das man die Heftchen nicht zu sehr verknittert,.. oder schlimmeres !

  30. Electrolotion sagt:

    @mc: meine Sexualität ist soweit wieder intakt. Hatte ja auch noch ein paar Hefte gebunkert. :-)
    Aber mal was anneres. Findest du 6 Wochen nicht auch zu heftig? Das werf ich Muttern heut noch vor. Immer dieser scheiss Arrest. Oftmals in Kombination mit Glotzenverbot. Damn.

  31. typkes sagt:

    Solange das werte Fräulein Schwester, gar die Frau Mutter, nicht von den Gebrauchtspuren am Duschkopf schwanger wurde….?! ;-)

  32. Kaal sagt:

    @MC Winkel: Als ich jung war gab es übrigens auch noch keine Altpapiercontainer.

  33. schaezle sagt:

    Hahaha, meine Oma hatte die Praline abonniert, aber ich masturbierte in dem Alter noch alleine mit meiner Phantasie!

    In echt isses doch eh nie so gut wie man sichs vorher vorgestellt hat!

    :-P

  34. Klecker sagt:

    Hört denn die Pubertät bei MC Winkel und all den anderen Bübchen nie auf?

  35. […] der erste Ausgabe gibt es den Spielplatz aus “Mein erstes Pornoheft” (Mai 2009) und den Teich aus “Wenn Contractubex nicht mehr hilft” (September […]

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert.