Lil‘ MC vs. Frau Gregori – Struggle in der Hood

Als ich noch zuhause wohnte, hatte wir jahrelang eine ganz fürchterliche Nachbarin, Frau Gregori. Sie hatte keine Haare auf den Zähnen, das war ein Pelz, wenn nicht sogar der gesamte Lendenwuchs aller 68er, komprimiert im Oberkiefer. Nur am fronten und haten lästern und denunzieren, statt eines Rück-Moins gab’s immer gleich Mecker, „Schuhe putzen, ihr tragt hier den ganzen Mist rein!“. „Jede Stufe nehmen, nicht springen, das poltert!“. „Musik leiser!“, wir durften noch nicht einmal auf den Handläufen im Treppenhaus skaten. Was man im Rahmen der Volksverdummungskampagne namens Bild + RTL ja oft vergisst: es geht sogar noch schlimmer! Es gibt Leute, die nicht einmal besagte Medien konsumieren; die interessieren sich ausschließlich für das Leben ihrer Nachbarn.

Die Fensterbank-Watcher. Die Auf-halber-Trepper-stehenbleib-Lauscher. Die Fremdbriefkästenkontrollierer ohne Eigenleben, fast so armselig wie Kieler Datenschützer, die vermutlich auch allen Bürgern Schleswig-Holstens den Verzehr von Sellerie verbieten würden, wenn sie plötzlich herausbekämen, dass Sellerie Lattenfieber macht. Bloß nicht direkt an die Sellerie-Bauern wenden, warum sich nicht lieber den Zorn sämtlicher Gemüsefreunde Norddeutschlands auf sich ziehen, soviel Kleingeisterism hätte ich nicht einmal der NPD Dippoldiswalde zugetraut und jetzt lebt man auch noch hier und muss sich wieder schämen. Kann Kiel bitte endlich mal eine mittelmäßig erträgliche Veranstaltung werden? Kann hier auch endlich mal wieder etwas Unverachtenswertes passieren? Ständig diese bierbebudeten DorfStadtfeste, Kinderfreaker bei der CDU im Landesvorsitz, diese ganzen Standblitzer, nicht eine einzige KFC- oder Footlocker-Filiale, dafür an jeder Ecke KiK und Woolworth und sonstige 1€-Läden, … egal. Ich reise zum Glück viel, irgendwann komm‘ ich einfach nicht mehr zurück.

Zurück zu Frau Gregori, das war nämlich auch so eine Kackdose. Einsfuffzich im Quadrat, Schneidezähne in der Coloration verrußter Unterböden und eine Stimmlage im Frequenzbereich irgendwo zwischen Marusha und einer gepitchen Verona Poth, die übrigens weder sexy noch clever ist, die ist einfach nur zu doof um aus dem Bus zu winken; die ist doch bestimmt auch beim ULD. Wenn Frau Gregori meckerte, so war das immer gleich doppelt Körper-verletzend, aber one day it’ll all make sense! – der Tag würde kommen!

Er kam. Ein zwei Mal die Woche trafen wir uns beim besten Dönermann der Stadt, wie es der Zufall wollte befand sich dieser unweit des Milieus, direkt an der Küste, wo seit jeher den ganzen Tag die Hals-tättowierten Rockerbanden-Mitglieder ihren Drogen-, Waffen- und Menschenhandelsgeschäften nachgehen, was in Kiel aber immer schon geduldet wurde. Ich denke auch es ist wichtiger, sich erstmal um den Datenschutz zu kümmern. Auf jeden Fall saßen wir schräg gegenüber des Eros Centers und aßen diese Lammfleischsemmeln mit Tzatsiki, ich hätte ja auch lieber Chicken gegessen, aber KFC – siehe oben.

Plötzlich sehe ich im Augenwinkel einen mir sehr bekannt vorkommenden Typen, den ich zunächst nicht zuzuordnen verstand, ich assoziierte den eher mit Marusha und Hundepfeifen und Uli Hoeneß und so, … Moment: Herr Gregori! Diese einmalige Gelegenheit ließ ich mir weniger durch die Lappen gehen als die Durchschnittspatientin nach einer Vaginalstraffung, „Herr Gregori, Hallo! Hall-oohoh! So warten sie doch, Herr Gregori!“. „… Ah, ach, ah, Lil‘ MC, was machst Du denn hier?“. „Essen. Und sie?“. „Ich, ich hab‘ hier nur einen Kollegen rumgebracht!“. „Herr Gregori, ich bitte sie! Folgender Deal: sie halten ihre Frau zurück, ab sofort wollen wir kein einziges Wort des Meckerns mehr hören und wir… wir behalten ihr Mittwoch-nachmittägliches Hobby für uns!“. Er wurde tatsächlich ruhig. Für 4 Monate, dann liess er sich scheiden und zog aus. Lattenfieber, nehm‘ ich an.

Kommentare

13 Antworten zu “Lil‘ MC vs. Frau Gregori – Struggle in der Hood”

  1. Alex sagt:

    Großartig. Meine Gudde Nacht Geschichte. Tüddldü.

  2. Jerry B. Anderson (tm) sagt:

    Wir haben so einige suns an der „Coast of life“ gemeetet. fantastic old times du sun.

  3. loverk89 sagt:

    1. Das mit den billig Läden überall, regt mich auch schon seit einiger Zeit auf. Wann merken denn die Leute, das Geiz ganz und gar nicht geil ist.

    2. ich will auch ein KFC.

    3. Sei schlau stell dich dumm, die Leute(Frau Poth, diese eine Blonden und Co.) verdienen eine Menge Kohle damit, das man Sie für dumm hält.

  4. Slavefriese sagt:

    Yez, Puffdöner in Kiel 4 life! ;-)

  5. Daniel sagt:

    „Diese einmalige Gelegenheit ließ ich mir weniger durch die Lappen gehen als die Durchschnittspatientin nach einer Vaginalstraffung“

    HAHAHA!!!! ;-)

  6. Perot sagt:

    (a) 1,50 im Quadrat? MC, so wie Du diese bärtige Wuchtbrumme beschreibst, würde ich sagen: Der arme Herr Gregori ist nicht fremdgegangen – das war wohl eher Notwehr!

    (b) Diese 1 €-Läden-Verwahrlosung der Innenstädte hat ihre Spuren hinterlassen. Komm mal nach Remscheid, dagegen ist Kiel eine Hochkultur!

    (c) In dieser Story spricht off-topic so ein bisschen der „Serdar“ aus Dir heraus, hmm? Aber wo er recht hat, hat er Recht – Gleiches gilt für Dich. Kann dieses Setzen von falschen Prioritäten in diesem Land auch nur noch schwer ertragen.

    Dennoch: Diese Story lässt mich wieder schmunzeln – partiell auch losprusten. Whudat und die Kieler Woche – wenigsten noch zwei Konstanten in Kiel, auf die man sich verlassen kann. :-)

  7. Ylva sagt:

    Jaaaaaa, das sind die Geschichten, für die ich hier gerne mitlesen :-)

  8. Erdge Schoss sagt:

    Und woher, werter Herr Winkelsen, kam der Mist unter Ihren Schuhen?

    Herzlich
    Ihr Schoss

  9. singhiozzo sagt:

    Jawoll: Montag morgen nach 3 harten Tagen à 13 Stunden Messe in Lübeck und dann so eine Story! Sehr gut!

    @Perot: Punkt (c) würde ich so unterschreiben.

  10. denzel sagt:

    ahahahhahah, wie immer sehr, sehr geil.
    und ganz schön bissig heute, how come?

  11. AAA sagt:

    So politisch habe ich MC Winkel ja noch nie erlebt!? Ist das überhaupt noch er selbst oder sind die Körperfresser in Kiel unterwegs?

  12. SG sagt:

    Danke, dieses ULD-Bashing habe ich jetzt gebraucht!

  13. […] und euro­päi­schem Daten­schutz ver­ein­bar sind. Und gleich waren sie wie­der da — all die Typen, die empört auf­sprin­gen, wenn sie jemand aus ihrer Internet-??Gemütlichkeit reißt […]

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