Gerdsens herrliche Absonderlichkeiten

Bevor ich das vielleicht überhaupt nicht mehr mache – ich muss Euch unbedingt von meinem Homie Gerdsen erzählen, der unsere lauschige Heimatstadt Mitte der 90er verliess, um in Köln Sport zu studieren. Gerdsen hat sich im Laufe der Jahre so ein paar herrliche Absonderlichkeiten erlaubt; wenn ich in den 90ern im Nachtleben für mich eine würdige Urlaubsvertretung hätte nominieren müssen – es wären nur Klaus Kinski oder und Nikel Pallat in Frage gekommen, aber die waren entweder zu alt oder tot; blieb also nur Gerdsen.

Gerdsen war der Typ, der sich mindestens 1x im Jahr als Tennistrainer für einen Club zwei Wochen in der Sonne – bevorzugt in der Türkei – aufhielt. Jedes Jahr passierte etwas Außergewöhnliches, wobei sich die Ereignisse von Jahr zu Jahr in ihrer Bizarrheit intensivierten. Es klang schon ziemlich lustig, dass Gerdsen während eines Aufenthaltes 13 Tage eine Animationskollegin umwarb, um am letzten Ferientag dann endlich zu striken – und während des Aktes einzuschlafen, trotzdem aber für eine enorme Standfestigkeit gelobt zu werden. Im Jahr drauf betrog er einen schwerreichen Russen mit seiner Frau, die bei ihm täglich Tennisstunden buchte. Es gab angeblich keinen Ort auf dem gesamten Gelände, den die beiden nicht mit DNA-Spuren markierten. Am letzten Tag verabschiedete sich der Gatte dann per Umarmung und mit der Beteuerung, sich über alle Maßen glücklich zu schätzen, Gerdsens Bekanntschaft gemacht zu haben. Und der erst.

Das Jahr drauf sollte dann aber auch das letzte Jahr als Tennistrainer in einem türkischen Sommerclub dieser Reihe sein. Bereits am dritten Tag zeigte Gerdsen nämlich seine Art, Komplimente zu verteilen: ein besonders formschöner Unterrücken wurde beispielsweise durch einen zarten Anbiss prämiert. Diesen Trick hatte er noch aus Kiel, ein anderer Freund hatte eine 80% Erfolgsquote mit seiner Ass-Biter’eye; dieses Verhalten wollte Gerdsen halt plagiieren. Konnte er ja nicht wissen, dass die Einheimische am Tresen die Tochter des Clubchefs war. Ein streng gläubiger Musilm, der seine einzige Tochter sogar noch mehr als den Koran oder gebündelte Lira liebte. Gerdsen durfte daraufhin sein Apartment nicht mehr verlassen und musste den nächstmöglichekn Rückflug nach Köln auch noch selbst bezahlen. Das weltweite Clubverbot muss ich wohl nicht extra erwähnen, falls doch: er bekam zusätzlich ein weltweites Clubverbot.

Wenn Gerdsen zu Besuch nach Kiel kam, brachte er jedes Mal neue Partyspiele mit. Legendär das Punkteprassel-Partygerassel (hieß so, hat den Ursprung angeblich im Rheinland, seit jetzt auch bei google): eine Art Anmach-Punktesystem, was genauso peinlich war wie sein Name und daher enormen Spaß brachte: es gab halt Punkte im einstelligen Bereich für’s Ansprechen, Antanzen, Anfassen und Getränke ausgeben, Punkte im zweistelligen Bereich für’s Herumknutschen, Fummeln und Getränke ausgegeben bekommen sowie jeweils 50 Punkte für Oral- und/oder gewöhnlichen Verkehr. Es gab sogar 100 Punkte für eine Disziplin, auf die ich hier nicht näher eingehen möchte, weil das eh niemals Jemand schaffte, nichtmal im Rheinland. Gewinner war der Erste mit 100 Punkten, der bekam dann aber auch von allen anderen 100DM (=ca. 50€, liebe Kinder!). Mensch, diese Abende waren vielleicht anstrengend – und am Ende gewann sowieso immer Gerdsen.

Heute ist Gerdsen übrigens Sport-(+Erdkunde)Lehrer und Vater zweier Töchter. Ich werde mich in dieser Angelegenheit in 10 oder 12 Jahren nochmal melden, wenn diese Beiden das erste mal alleine Urlaub machen wollen; Club-Urlaub in der Türkei, mit Tennistraining.

Kommentare

16 Antworten zu “Gerdsens herrliche Absonderlichkeiten”

  1. honki sagt:

    Ich prophezeie mal die nächsten Kommentare, die wissen wollen was der Jackpot war. Mich würde viel eher interessieren was es für den Jacki gab – Hundert Mark können es ja nicht gewesen sein ;)

    Schöne Story auf jeden Fall, hab gut geschmunzelt.

  2. Perot sagt:

    Wo hat eigentlich diese „Ver-sen-nung“ (Moin-sen, Winkel-sen, Gerd-sen etc.) ihren Ursprung? Macht man das, damit es norddeutsch klingt? Meines Wissens bedeutet die Endung doch „Sohn von“: „Winkelsen“ = „Winkel, dem Vadder sein Sohn“ – sagst Du ja selber manchmal. ;-)

    Solche Typen wie Gerdsen kenn ich. Was die zusammengevögelt haben wollen, geht auf keine Kuhhaut. Wieviele dieser Erzählung dann aber eher feuchte Träume statt harter Fakten waren, weiß man nie so genau.

    BTW: Ich vergöttere Klaus Kinski. Damals gab’s noch „Typen“ im Fernsehen, die hatten die Hosen an, die konnte kein Schreiberling oder Moderator so einfach an die Wand drücken. ;-) Mein Liebster KK-Clip: Unmögliches Interview.

    Dein Ausraster im Stau vor dem CAP war schon nah an Klaus dran – klasse. Aber das war ’ne andere Story. ;-)

  3. Perot sagt:

    Was war der Jackpot? :-P

  4. Aquii sagt:

    Wollten Sie damit zum Ausdruck bringen, Sie nehmen ab 2011 Tennisstunden?

  5. singhiozzo sagt:

    Gott sei Dank gibt es whudat! Ich hatte jetzt 2 Wochen frei und heute ist der erste Tag wieder im Büro. Bei mir ist das immer gleich: die letzte Nacht vor dem Arbeitsstart kann ich nicht einpennen und am nächsten Morgen fühle ich mich wie ausgekotzt. Und an so einem Morgen rettet mir eine Geschichte von dir den Tag! Danke!

    PS: schon ’ne Idee, wann mein lupscows-Beanie kommt? Meinen Ostseeurlaub mußte ich ja leider ohne Kopfbedeckung verbringen (Alter, das war RICHTIG kalt da oben, -10°!).

  6. feronia sagt:

    Warum haben eigentlich alle mitgespielt, wenn immer nur ein und derselbe gewonnen hat?

  7. setann sagt:

    wieviele passen auf eine kuhhaut?

  8. Erdge Schoss sagt:

    Spielen Sie, werter Herr Winkelsen, auch Tennis
    oder sind Sie mehr für Alpinsport?

    Herzlich
    Ihr Erdge Schoss

  9. Pleitegeiger sagt:

    Mich irritiert das Foto in Verbindung mit der Geschichte. Das tut doch weh…!

  10. MadStan sagt:

    Ich kenne das Spiel anders und zwar mit Arschlochpunkten und zwar denkt man sich irgendeine Aktion aus, bei der man am Ende als totales Arschloch dasteht. Man handelt dann mit seinen Freunden die Anzahl der Punkte aus und führt die Aktion dann durch. Wir haben das Spiel nie zu Ende gespielt, aber ich war führend mit 15 Punkten.

  11. denzel sagt:

    gerdsen ist nicht zufällig hansens bruder? ^^

  12. MC Winkel sagt:

    @honki: Für welchesn Jacki genau, Herr Honk? Stehe gerade etwas auf dem Schlauch!
    @Perot: Boah, weiß ich auch nicht, echt. War schoin immer so, phasenweise auch mal mit „ski“, wobei mir das halt etwas zu osteuropäisch klingt, manchmal aber auch lustiger! :)
    @Aquii: Auf GAR KEINEN Fall!
    @singhiozzo: Uuh, das kenn‘ ich auch noch! Aber Du bist Doih jetzt selbstständig, how come?! Wg. der Beanies – ausgerechnet die Schwatten! Ich hoffe, dass wir die diese Woche Donnerstag bekommen!! Halte durch!
    @feronia: Naja, liebe Feronia, das war vorher ja nie klar, nä!
    @setann: Wieviele wovon genau?
    @Erdge Schoss: Momentan sind die allmorgendlichen Kniebeugen mein einzoger Sport, Herr Schoss, schlimm ist das. Und selbst?
    @Pleitegeiger: Das Foto? Das tut doch nicht weh?
    @MadStan: Auch schon von gehört, aber das geht in Kiel nicht. Hier wohnen ja gerade mal 250.000 Leute, von denen immer die gleichen 1.000 im Nachtleben anzutreffen sind. Arschloch sein kannst‘ Dir hier nicht erlauben! :)
    @denzel: … nein, die beiden hassen sich auch so! :) (echt!)

  13. Erdge Schoss sagt:

    Bestens, werter Herr Winkelsen, bis zum Weitsprung

  14. Naja, die 100 Punkte für eine Disziplin interessieren mich dann doch. Ganz getreu nach dem Motto: Nichts ist unmöglich …

  15. singhiozzo sagt:

    Na klar, auch selbständig! Der Job ist ja auch nicht das Problem, sondern eben das den-Arsch-hoch-kriegen nach dem Nichtstun!

  16. Loverk89 sagt:

    die 100 Punkte würden mich auch interressieren, ich schätze,
    a. ein 3er aber dann würde man ja sowieso 100 bekommen
    b. 4er und aufwärts
    c. aufreißen einer Lesbe

    aber das ist alles möglich sogar im Rheinland

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