Eltern Parkplatz

Am Wochenende war ich zusammen mit Hansen einkaufen, der ausnahmsweise auch fuhr, und zwar bis kurz vor die Eltern Parkplätze, die hier auch genau so ausgeschildert sind – „Eltern Parkplätze“, so steht es da. Er bremste und schaute mich an. „Eltern Parkplätze, also. Ich kenne die „Eltern mit Kind“ und auch die „Frauenparkplätze“, wenn ich es nicht allzu eilig habe, respektiere ich diese sogar. aber Eltern Parkplätze – was meinen die?“. „Weiß auch nicht, Hansen. Aber ich sag mal: Du hast doch Eltern, oder?“. „Nur noch meine Mudder, Du weisst doch wegen Vaddi, Mariacron, die Zirrhose und all der Jazz.“, „Ja gut, aber Du bist auf der Welt, das heisst Du hast oder hattest Eltern! Ich ja übrigens auch – meines Erachtens berechtigt uns das, hier einzuparken.“, „Aufjedenfallinger!“, freute Hansen sich und musste von mir ermahnt werden, sich nicht auch noch quer über alle 3 Plätze zu stellen. „Na logo hab‘ ich Eltern. Und Du ja auch!“, sagte er noch einmal, gefolgt von einem teerlüngernen Lachen und dem Druck auf das Schließsymbol seines Autoschlüssels.

Kurz vor dem Eingang sahen wir dann einen Mann mittleren Alters auf uns zul … wartet kurz, was heisst denn eigentlich mittleren Alters? Also ich selbst bin jetzt nicht mittleren Alters, ich werde ja 120 Jahre alt, aber der Typ da auf dem Parkplatz, der war so Anfang/Mitte 40, sein lütter Sohn vielleicht 7. Und natürlich fragte er uns nach der Berechtigung, warum zwei Herren ohne Kinder sich auf den „Eltern mit Kinder“-Parkplatz stellen würden. Er guckte zwar mich an, ich wusste aber, dass Hansen sich etwas mehr freuen würde, also überließ ich ihm mit einem Kopfnicken die Rezitation. „Sie täuschen sich, junger Mann. Gucken sie, das sind gewöhnliche Eltern Parkplätze!“, „Hören Sie, ich habe kein Problem mit gleichgeschlechtlichen Ehen, Adoptionen und all dem Hokuspokus, aber wo sind Ihre Kinder?“, „Wir haben keine, sind auch nur befreundet, aaber: ich habe Eltern! Wir beide haben Eltern. Und mehr verlangt dieses Schild ja nicht!“, das hatte er gut gemacht, ich wollte dem freundlichen Mann aber auch unbedingt im Gedächtnis bleiben, wer weiß, was sich da sonst so für ein grober Unfug herumtummelt, also ergänzte ich „… und wissen Sie vielleicht, wo wir das Pangasiusfilet finden?“. Durch den offenen Mund des Mannes konnte ich sehen, wie die Zunge Moos ansetzte, wenigstens fand der Sohn uns lustig, seine Augen glänzten, aus dem wird mal was.

So ein Männereinkauf geht ja meistens recht schnell vonstatten. Hansen ist wie ich ein zielorientierter Pragmatiker mit Aldi Sortimentsplacementknowledge, was natürlich für uns beide gut ist. Man marschiert nur einmal durch jeden Gang, greift wie im Schlaf links und rechts in die Regale und kann sich dabei sogar noch unterhalten. Tiefgefrorene Himbeeren für meinen allmorgendlichen Smoothie waren schon wieder aus und auf die Rinder-Minutensteaks hatte man in der gesamten Saison offenbar keinen Bock, dafür gab es aber noch jede Menge Chicken Tikki Masala und der Cremant war auch im Angebot – inklusive dieses fantastischen Parkplatzes war das ja wohl wieder einmal ein rundum gelungener Teil-Einkauf, den Rest würde man jetzt noch schnell bei Feinkost Bergpfotse holen, so ein unfassbar schöner Tag.

Beinahe. Bis wir zurück auf dem Eltern-Parkplatz feststellen mussten, dass der siebenjährige Rotzlöffel offensichtlich Wachsmalstifte besaß, „IHC HABE ELTERM“ war zu vernehmen, einmal quer über das Fenster auf der Fahrerseite. „Dann lass‘ uns vor Freinkost Bergpfotse noch schnell zu Mister Wash, ich lad‘ Dich ein!“, bot ich an und freute mich schon auf das Pangasiusfilet.

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