Ein Abend mit Moin Moin – das Ende

Ich fasse nochmal kurz zusammen: postbupertärer Zwangsvulgarismus, billiger Doppelkorn namens „Moin Moin“, sturmfrei, Telefonstreich bei Prostituierter vom Block gegenüber, parallel dazu Taxi bestellt und ausgetrickst.

Nachdem wir Jay-Pee für seinen Fauxpas gerügt hatten, widmeten wir uns wieder den Stammgetränken. Meines hieß ja Moin Moin und hätte ebenso gut in der Pflegemittel-Abteilung des Supermarktes als Nagellackentferner feilgeboten werden können und ging demzufolge direkter in den Kopf als Glasaugen. Wir spielten gerade Flaschendrehen mit lebender Flasche, wozu wir die jeweils lebende Flasche (heute: Marie) in Frischhaltefolie wickelten und den Küchenboden mit Spülmittel benetzten.

Marie war mit ihren 49kg eine wirklich leicht anzukurbelnde Flasche, was Stephan so gut gefiel, dass er gar nicht anders konnte als immer wieder neuen Schwung zu holen. Maries Hilferufe wurden dabei nur von seiner Lache, irgendwo zwischen Vincent Price in „Thriller“ und Eddie auf „Number of the Beast“, übertönt. Beides hörte abrupt auf, als Marie mit ihrer Schläfe am Sockel des Geschirrspülers zwangsstoppte. Eine Sauerei war das, ich werde es nicht vergessen. Und schon überschlugen sich die Ereignisse:

Stephan entdeckte auf dem Weg zu den Nachbarn (wir brauchten Verbandsmaterial) eine prall gefüllte Plastiktüte mit Leichenteilen vom Schwein vor der Tür. Ihr habt Euch nicht verlesen. Die Tüte leerte wir aus Kontrollzwecken vorsichtig auf dem Küchenboden, der sich ja inzwischen als ein Stillgewässer aus blutigem Bergfrühlung erwies. Jetzt halt ein Stillgewässer aus blutigem Bergfrühling mit mitteltrockener, dafür aber streng aromatischer Schweinshaxe. Winter! Na warte. Ich wies Stephan an, die Küche zu reinigen. Jay-Pee bat ich, Marie notzuversorgen (Taschentuch und Kreppband; genäht werden musste es übrigens nicht, Anm. MC), sich die Jacke überzuziehen und mir zum Block gegenüber zu folgen. „Nicht. Mit. Uns!“, manifestierte ich mit nach oben gerissenem Lendenkotelett, „die setzen wir auf den Pott wie Mütter ihre diarrhoenden Sprösslinge!“. Auf dem Weg zur rotmilieuierten Mietwohnung warfen wir Moin Moin-beeinflusst bereits erste Schweineteile in die Erdlufthülle. „Jay-Pee, wir müssen stark bleiben! Wir überreichen ihr die Tüte, schreien ein wenig herum und laufen dann zurück!“. Einverstanden. Ich hatte zwar Bammel wie diese Kunstlederslipper aus den 80ern, aber auch keine Wahl. Also klingelte ich bei Frau Winter, die am heutigen Abend doch tatsächlich Herr Winter war und mir mit einer Backpfeife schnell signalisierte, was er von Telefonstreichen hält.

„Aber mit der Tüte Fleisch habe ich nichts zu tun!“. „Wer denn sonst, hä?“, rief Jay-Pee aus dem Off und kassierte gleich den nächsten Bax. „Weiß ich nicht. Aber ich war’s nicht. Von Euch bekomme ich jetzt 50DM, sonst erzähle ich es Euren Eltern.“. „Gehen auch 30?“. „Na gut.“. Immerhin. Auf die Sache mit der Schweinetüte konnten wir uns weniger einen Reim machen als auf „Mensch“, was sich aber ändern sollte, als wir vor meiner Eingangstür eintrafen. Hier versammelten sich nämlich gerade Polizei, Taxiunternehmen und Nachbarschaft. Der Abend in Zahlen:

– 30DM an Familie Winter
– 25DM für die Polizei (Einsatz der Beamten, Verwarnung plus Androhung von Aufenthalt im Gewahrsam)
– 20DM für die Taxizentrale
– 4 Wochen Hausarrest, Fernseh- sowie C64-Verbot

Die Schweinetüte stammte übrigens von den Nachbarn unter uns, Besitzer einer Imbissbude, welche diese symbolisch als Zeichen ihrer Empörtheit bezüglich unserer Lautstärke vor der Tür platzierten. Moin Moin.

Kommentare

21 Antworten zu “Ein Abend mit Moin Moin – das Ende”

  1. DerFrosch sagt:

    nice, aber was soll der dämliche schuh?

  2. riboerny sagt:

    der schuh hat bammel ;-)

  3. Alex sagt:

    Ziemlich gut, die Story. Raff zwar die Mitte noch nich, aber morgen wird noch mal drüber gelesen.

  4. MHW sagt:

    Die Schühchen! :) Ich glaube die habe ich zu meinem ersten Vorstellungsgespräch getragen.

  5. Meine Eltern haben immer nur Fernsehverbot gegeben. Da man längst mehr am Commodore sass eine nicht gerade schlimme Strafe. Aber zu C64-Zeiten war ich auch noch zu klein um wirklich was anzustellen. ICh bin schon wieder am rechnen, also ich klein, Sie so mittelpubertär, dann sind Sie… :)

  6. Toby sagt:

    “ Beides hörte abrupt auf, als Marie mit ihrer Schläfe am Sockel des Geschirrspülers zwangsstoppte.“

    Jawollo!

  7. Alter musste ich zweimal readen. Soviel passiert da. Aber mit der Endabrechnung am final geht ja noch. oder ? :-)

  8. Mone sagt:

    Und das Taschengeld war auch gestrichen, ne? ;)

  9. Kaal sagt:

    Schweineabfälle als stiller Protest, da muss man auch erst mal drauf kommen.

  10. feronia sagt:

    DAS sollten sie mal auf diese Anti-Trinkplakate drucken!

    Wer lässt sich denn abschrecken von: „Sie verlirert heute Nacht alle Hemmungen“- „Er stellt die Nacktbilder später ins Internet“??

  11. Danimateur sagt:

    Haben Sie denn wenigstens Glück erhalten, als es darum ging, beim Flaschendrehen eine weibliche Person mit in den Schrank zu nehmen oder war der Geschirrspüler schneller?

  12. Flo sagt:

    Gab’s damals schon Kabel oder nur die üblichen 3 Programme?!

  13. Thomas sagt:

    Was ich begriffen habe: Die alte ist mit ihrer Rumsmurmel am Geschirrspüler zerschellt. Wenn das solange her ist, respekt, wir hatten damals noch lange keinen Geschirrspüler im Haus.
    Ihr seid zu den Nachbarn, wegen Erste Hilfe Krams besorgen. Da lagen Schweineteile vor der Tür. Das musstet ihr unbeding hinterfragen und holt euch jeweils eine Schellen ab. Wieso kam die Polizei und warum musste man betrunken sein für ein solches Ereignis? das hätte euch doch auch alles nüchtern am helligen Tage passieren können… Ziemlich überladen der Text. Ich habe es nicht verstanden, wie Außenpolitiker eine Weltsprache.

  14. jodi sagt:

    eine tüte mit schweineteilen, symbolisch als zeichen der empörtheit bezüglich der lautstärke…das grenzt an terrorismus!

  15. Donna sagt:

    Was, werter Herr Winkelsen, ist aus dem Lendenkotelett geworden?

  16. Erdge Schoss sagt:

    Und wer, werter Herr Winkelsen,

    kümmerte sich um die Gespirrspülmaschine?

    Herzlich
    Ihr Erdge Schoss

  17. N in Black sagt:

    dachte beim ersten überfliegen erst, dass sind deine erlebnisse vom vergangenen WE. die rechnungsangaben in DM haben mich dann aber eines besseren belehrt und ich war ein wenig beruhigt …

  18. Judy sagt:

    Wurde die Küche jemals wieder sauber?

  19. Tanja sagt:

    Okeeeeeee. Dumm gelaufen und das meine ich genauso wie ich es sage!

  20. MC Winkel sagt:

    @DerFrosch: s.u.!
    @riboerny: aight! :)
    @Alex: den ersten Teil vielleicht nochmal lesen?
    @MHW: Du auch? :) (Meins war übrigens bei Seeburg. Die wollten mich nicht. Bei FN ging’s dann klar!)
    @ChliiTierChnübler: … müsste dann so 10 oder 11 gewesen sein. :)
    @Toby: Tat weh! :)
    @Jerry B. Anderson ™: Warum warst Du eigentlich nicht dabei. Ach so, ja, Du warst mit Spate united!
    @Mone: Brauchte ich dann ja eh nicht! :)
    @Kaal: Sehr kreativ, diese Imbißbuddhisten.
    @feronia: Naja. Könnte aber auch ein Pro sein. Ich mein: wer will DAS nicht erleben! :)
    @Danimateur: War ja nur eine Dame da. Und die war die Flasche. :(

  21. MC Winkel sagt:

    @Flo: die üblichen 3 plus DDR und Dänemark. Hier, bei uns im Norden.
    @Thomas: LOL, Inspektor T! Sie Profi-Ermittler! Der Wahrheitsgehalt dieser Geschichte beträgt diesmal erschreckende 97%, lediglich die Namen wurden angepasst. Kein Shice! Geschirrspüler gab’s, waren da recht schnell. Und nein – sowas hätte nüchtern nicht passieren können. Da waren wir artig. Wirklich. Und ja, es war ein sehr überladener Abend!
    @jodi: Aber super kreativ, wie ich finde!
    @Donna: Kot. :)
    @Erdge Schoss: Die Frau Mama. Ich habe inzwischen meine Eigene.
    @N in Black: Psssst! :)
    @Judy: Ja. War noch etwas Bergfrühling über. ^^
    @Tanja: Ja, wirklich Pech gehabt. Wir hatten sowas nicht verdient.

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