Das Ende der USA? Warum die Welt in die gefährlichste Ära seit 100 Jahren steuert // Prof. Jiang

Die letzten Jahrzehnte waren geprägt von einer trügerischen Stabilität, die viele für den Endzustand der Geschichte hielten. Doch Prof. Jiang Xueqin zeichnet ein düsteres Bild unserer unmittelbaren Zukunft, es geht um das Ende der USA. Wer glaubt, dass wir nach aktuellen geopolitischen Krisen einfach zur Normalität zurückkehren, lebt laut Prof. Jiang in einer Traumwelt. Die Ära der Bequemlichkeit ist vorbei; die Welt ist in die gefährlichste Phase seit 100 Jahren eingetreten.
Der Zusammenbruch der urbanen Illusion
Ein zentraler Trend, den Prof. Jiang für die nächsten zwei Jahrzehnte prognostiziert, ist eine radikale De-Industrialisierung und De-Urbanisierung. Die glitzernden Metropolen, die bisher als Zentren des Fortschritts galten, könnten bald ihre Anziehungskraft verlieren. Besonders junge Menschen werden gezwungen sein, in ländliche Regionen zurückzukehren.
Dabei geht es nicht um romantische Landlust, sondern um das nackte Überleben und die Rückbesinnung auf reale Fertigkeiten. Prof. Jiang findet hier deutliche Worte: Das Zeitalter des Kryptowährungshandels ist vorbei. Statt digitaler Assets werden handfeste Fähigkeiten entscheidend sein – ob es das Melken einer Kuh oder der Anbau von Lebensmitteln ist. In einer Welt, in der globale Lieferketten zerbrechen, wird Autarkie zur härtesten Währung.
Das Ende der USA – Remilitarisierung und der Aufstieg des Merkantilismus
Die neue Weltordnung wird laut Prof. Jiang durch einen aggressiven Nationalismus und eine umfassende Remilitarisierung geprägt sein. Nationen müssen ihre Jugend wieder dazu bewegen, bereitwillig Land und Ressourcen zu verteidigen. Resilienz wird zum Maßstab für das Überleben eines Staates. Wer seine Bevölkerung am effektivsten für kommende Konflikte mobilisieren kann, wird in diesem darwinistischen Wettbewerb bestehen.
Parallel dazu verabschiedet sich die Welt vom freien globalen Handel. Wir bewegen uns auf ein System unabhängiger Handelsblöcke zu – eine Rückkehr zum Merkantilismus. In diesem Szenario sind Ressourcenkriege um Wasser und Nahrung unvermeidlich. Prof. Jiang warnt sogar vor einer Rückkehr zu archaischen Grausamkeiten wie Hungersnöten, Völkermord und Sklaverei. Wenn billiges Öl nicht mehr verfügbar ist, könnte menschliche Arbeitskraft wieder zur primären Energiequelle degradiert werden.
Europa im Chaos und die Achse Moskau-Berlin
Für Europa und Nordamerika sieht der Professor schwere Zeiten voraus. Eine alternde Bevölkerung, massive soziale Ungleichheit und eine festgefahrene politische Elite, die den Platz nicht für die Jugend räumen will, bilden eine explosive Mischung. Politische Instabilität und Unruhen auf den Straßen werden zur neuen Normalität, während Migrationsströme aus dem globalen Süden den Druck auf die westlichen Systeme weiter erhöhen.
Interessanterweise skizziert Prof. Jiang für Europa eine überraschende Wendung. Er prognostiziert, dass Deutschland und Russland, trotz aktueller oder kommender kriegerischer Auseinandersetzungen, langfristig eine Allianz bilden werden. Die Einsicht, dass eine Zusammenarbeit für beide Seiten vorteilhafter ist als gegenseitige Vernichtung, könnte die europäische Landkarte grundlegend verändern.
Der Nahe Osten ohne die USA: Pax Judaica
Ein radikaler Wandel steht auch im Nahen Osten bevor. Prof. Jiang geht davon aus, dass Israel das Ziel verfolgt, den Einfluss der USA in der Region zu brechen, um selbst als lokaler Hegemon aufzusteigen – ein Konzept, das er als „Pax Judaica“ beschreibt. Ohne die Präsenz der Amerikaner könnten sich die Machtverhältnisse völlig neu ordnen.
Er sieht sogar die Möglichkeit einer strategischen Einigung zwischen Israel und dem Iran. Da beide Nationen kein Interesse an der vollständigen Annexion des jeweils anderen Territoriums haben und Israel über nukleare Kapazitäten verfügt, könnten sie die Region unter sich aufteilen. Historische Anknüpfungspunkte sieht er in der traditionell respektvollen Beziehung zwischen Persern und Juden, die fernab westlicher Einmischung zu pragmatischen Lösungen führen könnte.
Das „American Holy Empire“ und der Techno-Marxismus / Das Ende der USA
Trotz aller Krisen sieht Prof. Jiang die USA in einer starken Position. Geschützt durch zwei Ozeane und ausgestattet mit den Ressourcen eines ganzen Kontinents, bleibt Amerika eine widerstandsfähige Macht. Doch um zu überleben, muss die USA ihre Identität transformieren. Der säkulare globale Anspruch der „Pax Americana“ wird durch eine nationalistische, gemeinschaftsorientierte Identität ersetzt, die stark im Christentum verwurzelt ist. Er nennt dieses neue Gebilde das „American Holy Empire“.
Gleichzeitig warnt er vor dem Aufstieg des Techno-Marxismus. Staaten mit entsprechenden technologischen Kapazitäten werden KI-gestützte Überwachungssysteme nutzen, um knappe Ressourcen zu verwalten und die Bevölkerung zu kontrollieren. Dies führt zu einer scharfen Klassenteilung: Eine Elite genießt alle Freiheiten, während die breite Masse noch weiter in eine Form der modernen Leibeigenschaft abrutscht.
Anpassung als einzige Überlebensstrategie
Die Botschaft von Prof. Jiang Xueqin ist unmissverständlich: Die Welt, wie wir sie kannten, existiert nicht mehr. Die geopolitische Lage ist in ständigem Fluss, Allianzen verschieben sich dynamisch und Nationalstaaten könnten in kleinere, resilientere Stadtstaaten zerfallen. Wer versucht, an den alten Gewissheiten festzuhalten, wird scheitern.
Wir bewegen uns in eine Zeit der permanenten Transformation. Die einzige Konstante wird die Veränderung sein. In dieser neuen Weltordnung ist Flexibilität wichtiger als Ideologie. Es geht darum, den Geist zu öffnen und sich mental auf eine Zukunft vorzubereiten, die weitaus rauer und instabiler sein wird, als es sich die meisten heute vorstellen können. Die Wahl ist simpel, aber hart: Anpassung oder Untergang.


