Auf die Schnauze geflogen, literally.

Seitdem ich nun nicht mehr gezwungen bin, täglich feste Lederschuhe zu tragen, habe ich mir Sneaker angewöhnt. Wann immer es geht. Mensch, ist das herrlich. Leichtes Schuhwerk, sehr komfortabel, man spürt es kaum. Und überhautp habe ich mir ja dieses Elektrofußbad besorgt, sogar eine Hornhautraspel; Ihr solltet mal meine Füße sehen – super. Was ich trotz Schnauzenflugerlebnisberichte der letzten Woche aus meinem engeren Umfeld unterschätzte: überfrierende Nässe. Ich setzte auf die Griffigkeit des Neuschnees, außerdem haben diese Sneaker ja auch so Antirutsch-Lamellen – was soll da schiefgehen. Ihr ahnt es: als ich mir gestern in der Stadt zwischen ein paar Erledigungen schnell eine Vanille-Latte auf die Faust pappen wollte, machte ich einen Adler wie das Heiermann-Presswerk in den 80ern.

Nun lebe ich glücklicherweise in der Weltmetropole Kiel, dem L.A. Schleswig Holsteins, mit 238.000 Einwohnern. Klar, wenn man da mal peinlich in der Fußgängerzone auf die Fresse fliegt – die Leute hier sieht man nie wieder! Und wer soll Einen hier schon kennen? Die Frage wurde schnell beantwortet: Solveigh Harmsfeld. Französisch-Klassenkameradin aus der Achten. Ich steckte ihr mal einen mit Capri Sonne Kirsch überzogenen Tampon in die Federtasche. Das war meine Art, Konversationen zu beginnen. Ich sah halt immer scheiße aus, da musste man dann schon irgendwie lustig sein. Was meinen Humor betrifft, naja. Anders sah es bei Marc aus, der war zwar doof und lag in Sachen Originalität deutlich unter Profitlich, aber in Sport ’ne Eins. „Lil‘ MC,“, sagte er mir, „diese Solveigh ist fällig. Ich liebe sie! Sie ist so schön, so wünderhübsch, aus Dankbarkeit würde ich ihrem Vater einen bl“, „Sag’s nicht!“, erwiderte ich. Mir war ja klar, was er meinte. Er wollte Solveighs Dad einen Blue Curaçao spendieren, was echt eklig war.

Zurück zum Tatort, ich litt wie barski und war mir sicher, mir eine komplizierte Ellenbogenfraktur zugezogen zu haben, als Solveigh mich erkannte. „Lil‘ MC?“. „Hi Solveigh!“, grüßte ich und stand langsam auf, „… verdammt, ich spüre meine Ohren nicht mehr!“. „Du bist auf’s Ohr gefallen?“. „Natürlich nicht, aber es sind minus 4°! Die fallen mir gleich ab. Aber meine Füße sind super!“. „Was?“. „Egal. Wie … wie geht’s Deinem Vater?“. Marc ist gerade erst mein facebook-Freund geworden, vielleicht könne man da ja noch was vermitteln. „Meine Eltern haben sich getrennt. Der lebt jetzt mit einem Bekannten auf Ibiza.“. „Ach, dann hat er wohl Cocktails genug!“. Solveigh guckte, als wäre die Sache mit dem Kirschtampon gerade erst passiert. Ich ging dann lieber nochmal eine Tube Schrunden-Balsam kaufen.

Kommentare

25 Antworten zu “Auf die Schnauze geflogen, literally.”

  1. honki sagt:

    Komm ich gerade irgendwie nicht so richtig mit… wer wollte jetz wem einen Bl**** und warum bekomm ich gerade übelst Bock aufn Capri Eis am Stiel? Das macht mir Angst…

  2. steffen sagt:

    Ha! Das sind sie … die MC Winkel Schriften! Deswegen schaue ich hier täglich rein! Umso schöner, wenn mal wieder eine typisch davon auftaucht.
    „Aber meine Füße sind super!“ Herrlich. Schön‘ Dank dafür.

  3. Max sagt:

    ich bin auch nicht ganz mitgekommen zum schluss ….

  4. rouge sagt:

    Das mit der Umstellung auf Sneakers kenne ich. Ist wirklich toll aber gnade dir Gott wenn du dann mal wieder auf Halbschuhe wechseln musst.

  5. Gürtel sagt:

    …ich litt wie barski. Sehr gut. Und schön, dass auch Du nicht auf Profitlich stehst. Ich hatte es bereits thematisiert bei facebook

    „Der Montag ist der Thomas Hermans oder Markus Maria Profitlich unter den Wochentagen.“

  6. Georg sagt:

    Vor allem, wie spricht man diesen franz. Namen richtig aus?
    „Solveigh“

    „Soll-weg-h“ ?

  7. Thomas sagt:

    Capri Sonne, der Antichrist der Ökobewegung. Einzelkind?

  8. Gesche sagt:

    Auch ich war gestern nach einem spontanen Doppelaxel mit dreifachem Toeloop-das soll man in meinem Alter erstmal hinkriegen-mit dem Wintersternenbild über der Lutherstraße konfrontiert, und mein erster Gedanke war: (nachdem ich meinen den Schädelknochen wunderbar abgefedert habenden Dreadlocks gedankt habe) O Gott….hoffentlich hat das jetzt niemand von dem angsagten Szene-Volk im bzw vorm Prinz Willy gesehen!

  9. FelixN sagt:

    Das war ganz offiziell das größte Wortspiel ever:

    Ich litt wie barski! So good, MC!

  10. feronia sagt:

    Konversation mit oder über mit Capri Sonne benetzten Tampons??? Das ist das Bekloppteste, dass ich je gehört hab. Was soll man den dazu sagen?
    – Oh, ich hab einen klebrigen, aufgegangenen Tampon zwischen meinen Stiften?
    -Oh, mein Füller läuft mal wieder aus.
    -Oh, Gott sei Dank bekommen die Filzstifte keinen Nachwuchs, die waren schon 3 Tage überfällig!
    -Ach, gott sei Dank, den hab ich schon vermisst!

    Aber ich hoffe, die Schrunden heilen und die Konversation ist inzwischen gereifter!

  11. Donna sagt:

    … aber die Ohren sind schon auch noch dran, Herr Winkelsen? Und was ist mit dem Ellenbogen? Nur geschwollen?

  12. jodi sagt:

    ich litt wie barski…an genialität kaum zu übertreffen…

  13. Toby sagt:

    und nochmal. Ich litt wie barski. Ich lache! Herzhaft.

  14. 500beine sagt:

    ibin in den letzten wochen beim gassirutschen zirka 112mal FAST VOLL auf die fresse geflogen, konnte mich so gerade noch vor der ABSOLUTEN KINNBOMBE retten, und was den kern deiner kleinen kieler begegnung betrifft: ich kriege den strohhalm nie richtig rein in die capri sonne.

  15. denzel sagt:

    COCKtails, digger? ahhahahahhahahahahahhahahahhaha

  16. Herr Schmidt sagt:

    Antirutsch-Socken sollen ja noch gemütlicher sein als Sneaker und auch… aber das sagt der Name ja schon. ;-)
    Gab’s denn dann wenigstens ’ne neue Vanille-Latte nach dem Sturz?

  17. Flo sagt:

    http://de.wikipedia.org/wiki/Steigeisen
    Die krallen sich sicher fest im Boden!

  18. MC Winkel sagt:

    @honki: Am „Stiel“? :) Also ich weiß auch gerade nicht, was mit Dir los ist. :)
    @steffen: :) Danke für den Support!
    @Max: Wieso?
    @rouge: Muss ich denn? :)
    @Gürtel: Ich erinnere mich, Holmes! :) Aber der nervt auch, oder?
    @Georg: … ist eher ein skandinavischer Name. So, wie er da steht. Nur ohne „h“, quasi. :)
    @Thomas: Nein! :) (Schwester, 4 Jahre jünger. Also 17 gerade. :))
    @Gesche: Ach, dann sind SIE das auf den Plakaten aller Litfaßsäulen im Bereich Südfriedhof? :)
    @FelixN: finzte? Ich fand das eher platt. :)

  19. MC Winkel sagt:

    @feronia: Ich sag‘ ja, ich weiß aucht nicht mehr genau, warum. Vermutlich dachte ich, sie wird es ganz sicher sehr cool finden und dann sofort mit mir schlafen wollen. :)
    @Donna: Nichtmal! :) Alles gut, Danke. :)
    @jodi: :) Danke.
    @Toby: … nun kriegt Euch wieder ein. Da hatte ich aber schon deutlich Bessere! :)
    @500beine: Kinnbombe, die fehlt mir noch. Kann mir ein Narbenloch im Kinnbart nicht leisten! ^^ Und: einfach mittig zusammenpressen, dann vorsichtig von oben eindippen!
    @denzel: Ich fürchte: Ja. :)
    @Herr Schmidt: … zieht man die denn über die Schuhe, Smithers?
    @Flo: Alles klar, werde mal bei ebay gucken gehen…

  20. Scholli sagt:

    Herr Winkel, die Ohren abgefroren? Das säh aber scheiße aus. Zumindest bei mir.

  21. MHW sagt:

    vermutete Ellenbogenfraktur incl. vermuteter Kniescheibenfraktur nach schlimmen Sturz und dazu Bekannten getroffen den ich ( allerdings erst seit 5 Jahren nicht mehr gesehen hatte)… das kommt mir bekannt vor, war gerade erst am Wochenende.

  22. FelixN sagt:

    Platt ist gut, MC.

  23. Miro sagt:

    So mag man das.
    Gerne mehr von diesem Alltagszeugs ;)

    Einfach so weitermachen ;)

    MfG

  24. ixiter sagt:

    Herzallergeliebtester Herr Winkel,
    ich danke für diese Exkursion ins winterliche Kiel. Es ist immer wieder schön, an Ihren Gedanken zu früher oder später Stunde teilhaben zu dürfen. Sie stehen in der Liste wozu man das Internet braucht, ganz oben auf meiner Liste.

  25. Tia sagt:

    TOP! Danke für den gelungenen Start in den Freitag.

    … auf die Ohren gefallen … tztztz.

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