The Weeknd – My Dear Melancholy (Full EP Stream & Review)

Wenn The Weeknd außerhalb des Herbstes released, dann wissen wir, dass er sich mitteilen möchte. Denn der sogenannte „King of the Fall“ hat jedes seiner bislang vier Studioalben im Herbst (oder ganz kurz davor) veröffentlicht, da seine düstere und melancholische Musik in den kalten Tagen eine ganz andere Wirkung hat. Doch was veranlasst den Starboy dazu, seine favorisierte Jahreszeit außer Acht zu lassen und dann auch noch am Karfreitag seine neue EP „My Dear Melancholy“ rauszubringen?

Die Meisten unter euch dürften sich diese Frage wohlmöglich nach erstmaligem Hören der EP beantwortet haben – Abel möchte sich den Frust von der Seele reden. Denn das Album scheint die Geschichte vom Ende seiner Beziehung mit Sängerin und Schauspielerin Selena Gomez zu erzählen. Im Oktober vergangenen Jahres trennte sich der 28 jährige von ihr, obwohl die Beziehung einen gesunden Eindruck machte. Gründe hierfür waren eine zu geringe Leidenschaft und die ständige Distanz zwischen den beiden. Viele betrachteten diesen Part als abgehakt und freuten sich auf das kommende Projekt des kanadischen RnB-Stars, denn kaum war die „Legend-Of-The-Fall-Tour“ zu Ende, sah man Abel schon wieder im Studio neue Musik aufnehmen. Ich für meinen Teil, rechnete mit einem neuen Album release im Herbst. Als Travis Scott vor kurzem allerdings auf Twitter kund gab, dass er das neue Album bereits gehört hat und mehr als begeistert ist, wurden die Fans ungeduldig.

Hier sehen wir The Weeknd im Studio, kurz nachdem die „Legend-of- the-fall-Tour“ beendet war. Ein Musiker von seinem Kaliber kann sich eben keine Ferien erlauben.

Am 29. März passierte dann das Unvorstellbare: Ohne irgendeine Form von Promo kündigte The Weeknd auf Instagram und Co. die Veröffentlichung seiner neuen EP „My Dear Melancholy“ für den 30. März an. Fast schon blasphemisch, sich so etwas für den Karfreitag aufzuheben. Die EP enthält sechs Lieder und Gastauftritte seiner französischen Freunde Gesaffelstein und Guy-Manuel de Homem-Christo ( 1/2 von Daft Punk). Wenn mir eins an The Weeknd gefällt, dann, dass viele seiner Songs ineinander übergreifen. So ist zum Beispiel der Beat des openers „Call Out My Name“ ein slow-piano Sample seines Hits  „earned it“ aus 2015. Der Song handelt von einer Beziehung, die in die Brüche gegangen ist, weil er viel mehr hineingesteckt hat als sie. Trotz all dem vermisst er sie immer noch und wünscht sich, dass sein Bedürfnis nach ihr auf Gegenseitigkeit beruht. Lines wie „And when times were rough, I made sure I held you close to me“ und „I almost cut a piece of myself for your life“ könnten Anzeichen dafür sein, dass er mit dem Track auf seine Beziehung mit Selena hinaus möchte. Die Sängerin lit im vergangenen Jahr an einer schweren Erkrankung und konnte nur durch ein Nierentransplantation gerettet werden. Gerüchten zu Folge war Abel bereit seine eigene Niere dafür zu spenden.

In „Try Me“ werden wir wieder ein Mal Zeuge von Abels typischen düsteren und eindringlichen Beats. Damit erfüllt er vielen seiner Fans einen großen Wunsch. Bevor der große „The Weeknd-Hype“ begann, bediente sich der Kanadier ausschließlich an solchen Instrumentals. Bei „Wasted Times“ handelt es sich um meinen Lieblingssong. Hier spricht er hauptsächlich darüber, dass er seine Zeit in einer sinnlosen Beziehung verschwendet hat. Er bereut es zu tiefst, die Frau, die seit Tag eins bei ihm ist (Wohlmöglich möchte er hier auf Model Bella Hadid hinaus) verlassen zu haben. Dass The Weeknd derzeit einer der gefragtesten RnB Künstler ist, steht außer Frage. Der gigantische Hype um ihn bringt allerdings auch Zweifel an die wahre Liebe mit sich. (These girls only want you when you’re winnin‘). „I was never there“ und „hurt you“ sind die Songs mit den etwas „spezielleren“ Beats und bringen damit auch so richtig Leben in das Minialbum. Der französische Einfluss von Gesaffelstein und Daft Punk tut Abels Herzensprojekt mehr als gut und unterstreicht seine Vielfaltigkeit noch ein Mal. Wie es für Geschichten typisch ist, findet auch My Dear Melancholy sein Ende. Man könnte den Song „Privilege“ als eine Art Abschluss betrachten („We said our last goodbyes. So, let’s just try to end it with a smile“). Hier wird ziemlich klar, dass das Album kein kitschiger Versuch ist, Selena zurückzugewinnen. Es scheint viel mehr so, als wäre das die einzige Möglichkeit für eine eher zurückhaltende und schüchterne Persönlichkeit seine Gefühle öffentlich zu machen.

„My Dear Melancholy“ wird es wahrscheinlich nicht schaffen, „Starboy“ als sein erfolgreichstes Album abzulösen. Dennoch ist es eine geniale EP mit viel Herz und Leidenschaft geworden.

Wenn The Weeknd eines geschafft hat, dann ist es seine Fans zu überraschen. Nicht nur, dass er in „My Dear Melancholy“ seinen alten, vermissten Stil wiedergefunden hat – Er hat uns auch noch  gezeigt, dass der Fame und Reichtum ihn nicht so stark verändert haben, wie es auf dem „Starboy“ Album schien. Er ist immer noch in der Lage seine Gefühle zu zeigen und Fehler einzugestehen. Ich bin mehr als begeistert von der EP und bin mir ziemlich sicher, dass das nicht sein letztes Projekt für 2018 war. Aus vergangenen Interviews wissen wir, dass The Weeknd ein Workaholic ist. Dafür, dass er seit Tourende im Studio ist, sind sechs Lieder einfach zu wenig.  The legend of the fall wird sich garantiert noch ein Mal zu Wort melden. Unten findet ihr die volle EP auf Spotify und Apple Music. Viel Spaß damit!

The Weeknd – My Dear Melancholy (Spotify Stream)

The Weeknd – My Dear Melancholy (Apple Music Stream)

The Weeknd – Call Out My Name (Official Lyric Video)

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