Senatskandidat James Talarico bei DOAC: Warum Amerika Systemreform statt neuer Gesichter braucht

James Talarico DOAC

James Talarico will der erste demokratische Senator aus Texas seit 1988 werden, und dafür will er das System grundlegend verändern. Der Abgeordnete im texanischen Repräsentantenhaus tritt bei der Senatswahl gegen den Republikaner Ken Paxton an. Bei Steven Bartlett im Podcast Diary of a CEO schildert er ein Land, das Arbeitende erschöpft und wenigen Milliardären nützt. Seine Diagnose lautet, dass nicht einzelne Politiker das Problem sind, sondern die Anreize, die sie umgeben. Dabei nimmt er die eigene Partei nicht aus, denn die Biden-Regierung hat Texas an der Südgrenze im Stich gelassen. Zudem hat Donald Trump seine wichtigsten Wahlversprechen nach über einem Jahr nicht eingelöst. Senatskandidat James Talarico ist zu Gast bei DOAC und erklärt, warum Amerika erst einmal eine Systemreform statt neuer Gesichter braucht.

Vom Kinderbett im Kleiderschrank in die Politik

Talarico wächst als Texaner in achter Generation auf. Seine Mutter, eine Predigertochter aus Südtexas, verlässt den gewalttätigen Vater kurz nach der Geburt. Sie packt alles in einen kleinen Ford Escort und fährt zum Hotel, in dem sie arbeitet. Weil in der Wohnung in East Austin später der Platz für ein Kinderzimmer fehlt, schläft er in ihrem Kleiderschrank. Auf seinen leiblichen Vater blickt er heute mit Mitgefühl, denn seine Mutter vermutet eine unerkannte Lernschwäche. Sein Adoptivvater Mark Talarico, den er für den besten Mann hält, den er kennt, gab ihm Namen und Halt.

Eine Präsidentschaftskandidatur schließt er aus und zwei Amtszeiten im Senat sollen genügen, weil Politik sonst zur Identität wird. Mit 31 Jahren geht er ins Priesterseminar. Nach vier Amtszeiten im Landesparlament denkt er ans Aufhören. Dann erklärt ihm sein Pastor, dass auch ein Wahlkampf eine Form von Seelsorge sein kann.

Das Powell-Memo und die schwindende Mittelschicht

Den Ursprung der heutigen Wut sieht Talarico in den 1970er-Jahren. Das Powell-Memo von 1971 stammt von einem Konzernanwalt und späteren Richter am Supreme Court. Er liest es als Bauplan, mit dem Unternehmen New Deal und Great Society zurückdrehen wollten, dazu zählten gekaufte Politiker und wohlgesinnte Richter. Aus diesem Plan folgte die Trickle-down-Ökonomie, die für ihn keine Theorie ist, sondern Diebstahl. Haushalte der Mittelschicht hielten 1970 noch 62 Prozent des gesamten Einkommens, heute sind es 42 Prozent. Die oberen Haushalte kommen dagegen auf über 50 Prozent.

Gegen diese Entwicklung setzt er keine Revolution, sondern die Rückkehr zur Wirtschaft der 1950er- und 1960er-Jahre. Dafür fordert er höhere Mindestlöhne, mehr Überstundenvergütung und stärkere Gewerkschaften. Außerdem will er die Kindersteuergutschrift erweitern und stärker in Bildung investieren. Was Amerika heute habe, sei kein Kapitalismus, sondern Crony Capitalism, bei dem Zugang zu Politikern den Gewinn bestimmt.

Eine spirituelle Krankheit: Milliardäre, Steuern und Monopole

Dass ein Texaner zum ersten Billionär der Welt wird, während jedes fünfte Texas-Kind in Armut lebt, nennt Talarico eine spirituelle Krankheit. Mit Dämonisierung habe das nichts zu tun, er wolle Milliardäre eher vermenschlichen. Drei Männer, nämlich Elon Musk, Mark Zuckerberg und Jeff Bezos, besitzen mehr als die gesamte Mittelschicht. Deshalb will er Schlupflöcher für Privatjets, Megajachten und Carried Interest schließen. Auch Vermögensteuern will er prüfen, obwohl er die Umsetzung als schwierig einräumt.

Allein die ohnehin geschuldeten Steuern des obersten Prozents brächten laut einer Rechnung rund 172 Milliarden Dollar jährlich. Außerdem will er Monopole im Gesundheitswesen zerschlagen, zusammen mit Mark Cuban. Ein Konzern wie CVS vereint Versicherung, Apotheke und Medikamentenvermittler, was Preise treibt. Solche Regeln gehörten auf die Bundesebene, weil ein einzelner Bundesstaat das Problem nicht lösen könne. Die Kürzungen im Gesundheitswesen kosten laut überparteilichen Schätzungen jährlich 51.000 Amerikaner das Leben.

Gerrymandering, Großspenden und das Zweiparteiensystem

Talaricos Kernbotschaft lautet, dass ein korruptes politisches System eine kaputte Wirtschaft hervorbringt. Als Beleg nennt er zwölf Millionen Dollar, die ein Milliardär aus Pennsylvania dem texanischen Gouverneur für ein Privatschul-Gutscheinprogramm gab. Texas kennt keine Obergrenzen für Wahlkampfspenden, und bei den Ausgaben pro Schüler liegt der Staat nur auf Platz 43. Der Gouverneur ist für ihn korrupt, doch das System interessiert ihn mehr als einzelne Personen.

Citizens United, Gerrymandering, das Zweiparteiensystem und die Medienlandschaft belohnen Extremismus und Korruption von Grund auf. Wer den Gouverneur austauscht, bekommt darum dasselbe Ergebnis, solange die Anreize gleich bleiben. Deshalb schaut er bei den Kandidaten für 2028 darauf, wer umfassende Reformen verspricht. Dazu zählen weniger Großgeld, ein Verbot von Gerrymandering und ein Umbau des Supreme Court. Auch sich selbst nimmt er nicht aus und verweist auf seine freiwillige Amtszeitbegrenzung.

Künstliche Intelligenz darf nicht den Milliardären gehören

Bei Künstlicher Intelligenz erkennt Talarico große Chancen, etwa bei der Heilung chronischer Krankheiten, doch Washington verschläft das Thema. Als Senator würde er drei Dinge priorisieren: Arbeitnehmer, Kinder und die Demokratie. Die Technik soll Jobs verbessern, Kinder vor schädlichen Chatbots schützen und Wahlen vor Deepfakes bewahren, die selbst er kaum erkennt. Manhattan-Projekt, Weltraumrennen und Internet waren öffentlich-private Partnerschaften, doch die KI liegt bei wenigen Konzernen, die ohne Mitsprache der Bevölkerung entscheiden.

Arbeitende verdienen deshalb ein Mitspracherecht und einen Anteil, etwa über eine KI-Dividende. Allein in Texas leben rund 400.000 Menschen vom Fahren, mit Uber und Lieferdiensten sind es mehr als eine halbe Million. Einen Menschen am Steuer will Talarico trotzdem behalten, so wie im Flugzeug ein Profi sitzt. Ein KI-Experte warnte ihn vor fünf Billionären und 30 Prozent Arbeitslosigkeit. Dagegen setzt er Gründerzuschüsse, finanziert aus Steuern auf KI-Konzerne.

Grenzsicherheit und Staatsbürgerschaft statt Extremismus // James Talarico bei DOAC

Bei der Einwanderung räumt Talarico ein, dass die Biden-Regierung an der Südgrenze versagt hat. Kollegen aus Grenzgemeinden berichteten ihm vom Chaos, und seine Mutter stammt selbst aus Laredo. Heute sieht er einen neuen Extremismus, mit maskierten Männern in Fahrzeugen ohne Kennzeichen. Sie holen Menschen von der Straße, schieben Kleinunternehmer nach Jahrzehnten ab und sperren Fünfjährige in Haftzentren.

Sicherheit und ein Willkommen für fleißige Einwanderer schließen sich für ihn nicht aus. Es sei nicht rassistisch, wissen zu wollen, wer ins Land kommt, und zugleich müssten legale Wege entstehen. Als früherer Lehrer in San Antonio unterrichtete er viele Dreamer (junge Migranten in den USA), die dieses Land zutiefst liebten. Deshalb fordert er ein Reformpaket mit Grenzschutz und einem Weg zur Staatsbürgerschaft für langjährige Einwohner und als Kinder Eingereiste.

Warum die Demokraten verloren und wie der Iran-Krieg enden soll

Die Niederlage gegen Trump erklärt Talarico mit der Inflation, die auf fünf Jahrzehnte stagnierender Löhne folgte. Billige Waren hatten den Stillstand überdeckt, doch dann stiegen die Preise. Viele hofften aus guten Gründen auf niedrigere Kosten, ein Ende der Dauerkriege und die Veröffentlichung der Epstein-Akten. Heute seien die Preise wegen der Zölle höher, und viele fühlten sich betrogen. Performative Politik und Sprachkontrolle sieht er kritisch, weil sie keine Koalitionen bauen.

An Trump kritisiert er den Narzissmus, chaotische Entscheidungen und die Selbstbereicherung seiner Familie. Den Iran-Krieg nennt er desaströs, denn er koste täglich eine Milliarde Dollar. Der Kongress müsse Mittel zurückhalten, bis klare Ziele vorliegen und der Ausweg führe über regionale Partner und Diplomatie. Die 19-jährige Soldatin Isabella Gonzales aus Texas starb bei einem iranischen Angriff in Jordanien, Dankbarkeit für ihr Opfer bedeute keine Hinnahme ihres Todes.

James Talarico DOAC: Der Samariter, der Rivale und das Rennen um Texas

Glaube bleibt Talaricos Fundament. Das Gleichnis vom barmherzigen Samariter versteht er als Auftrag, gerade die zu lieben, die einem am fernsten stehen. Ken Paxton nennt er einen Bruder in Christus, doch Liebe verlange Verantwortung. Darum würde er ihm wie einem betrunkenen Freund die Autoschlüssel abnehmen. Er verweist auf eine Anklage wegen Anlagebetrugs, eine Meldung beim FBI durch eigene Mitarbeiter und ein Amtsenthebungsverfahren der eigenen Partei.

Sein größter Gegner ist die schiere Größe des Staates mit 18 Millionen Wählern, 20 Medienmärkten und zwei Zeitzonen. Rückhalt geben ihm 59.000 Freiwillige und über eine Million Spender, obwohl Elon Musk bereits Millionen gegen ihn zugesagt hat. Er kämpft, als läge er fünf Punkte zurück, denn gegen den ersten Billionär der Welt sei man immer der Außenseiter. Sein Fazit lautet: Neue Gesichter ändern nichts, eine Bewegung arbeitender Menschen dagegen kann das System nach ihrem Bild neu bauen.

Senatskandidat James Talarico bei DOAC: Warum Amerika Systemreform statt neuer Gesichter braucht

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