Props geben

Wo ich in letzter Zeit doch immer nur am schimpfen war, Kleinigkeiten aufbauschte wie Rouge, das Blog und die Leser als Ventil missbrauchte um mich abzureagieren – fürchterlich, dieses ganze, negative Brimborium. Gerade jetzt, zur Falllatten-Jahreszeit, wo sich soweiso alle über das Wetter aufregen und Erkältungen das Hauptthema in 97% aller Katzenblogs sind. Ich sage: Schluss mit dem fruchtlosen Herumgeheule, das Wetter wird eh erst frühestens Mitte April besser (nördlich der Elbe nie, get used to it!) und Frust macht hässlich. Ich habe daher beschlossen, ab sofort wesentlich mehr zu saufen wöchentlich mindestens 3 Megaprops zu seeden, oder amtssprachlich: pro Woche 3 Wertschätzungen auszusprechen, die andere Menschen fröhlich stimmen, vielleicht sogar in irgendwas helfen, keine Ahnung. Damit meine ich keine Facebook-Likes, Retweets oder Backlinks, keinen Schulterklopfer oder ein zustimmenden Nicken (wobei das auch alles cool ist), ich meine echte Props und wisst Ihr was: für diese Woche bin ich sogar schon durch!

Da war nämlich die Tante an der Telekom-Hotline. Als ich ihre Stimme lobte, war sie ohnehin etwas zuvorkommender, aber hilfsbereit und ehrlich bemüht war sie auch vorher schon und wenn man mal ehrlich ist – wo hat man das heute noch? Hab‘ mir ihren Namen gemerkt, ihr im Anschluss des Gespräches bei diesem Kundenzufriedenheitsdings überall die höchste Punktzahl vergeben (alles Andere ist übrigens gay, wer über diesen Weg Leute denunziert ist genauso schlimm wie ein Nichtmülltrennungspetzer oder die GEZ – bei Unzufriedenheit trotzdem auflegen!) und wenn das klappt, was sie mir zugesagt hat, dann gibt’s noch einen Lobes-Dreizeiler an den Abteilungsleiter.

So wie letztes Wochenende, als ich eingeladen wurde und eine Drittfirma die gesamte Event-Koordination übernommen hat. Es ist immer aufwändiger, als man es sich vorstellt, so ein 10-(oder mehr)köpfiges Team zu managen, dass alle Abläufe wie gewünscht funktionieren. Tischreservierungen, Shuttle-Services, Briefings, Sightseeing-Touren – der ganze Jazz. Ich bin leider nicht immer der einfachste Gast, mit der Pünktlichkeit hapert es manchmal (max. aber 10 Minuten!), man bringt Termine durcheinander oder verschläft auch mal – dennoch hat Alles super geklappt, also hat die zuständige Ansprechpartnerin Anfang der Woche über Umwege Megaprops bekommen, zurecht.

Und dann der Steward auf dem Rückflug von New York nach London, Flug BA188 (Economy Class), war auch überderbe. Der Typ war nicht der Allerjüngste, geschätzte Anfang 50. Ich hab‘ die Erfahrung gemacht, dass gerade im Dienstleistungsbereich die etwas in die Jahre gekommenen Leute eher zurückhaltend sind. Kein Vorwurf, man ist ja auch irgendwann satt, dann diese Routine, ist ja Alles verständlich. Aber der Typ hatte es drauf, wirklich jedem Gast ein gutes Gefühl zu geben, konnte 10+ Fremdsprachen und hat sich mit allen Gästen entsprechend unterhalten. Der Auslöser für die Megaprops (heute Mittag per Mail an die entsprechende Abteilung) war das Zurücklassen der noch halbvollen Weinflasche (200ml, nicht was Ihr denkt!), die ich versehentlich auf dem Tablett stehen liess, nachdem ich mir eine Schlaftablette rein- und die Schlafmaske aufgezogen hatte. 10 Sekunden vor dem Wegnippen gab’s noch einen Schluck. Guter Mann, alle Anderen hätte abgeräumt.

War nicht schwer, tat nicht weh und kostete 3×5 Minuten – sollte pro Woche drin sein; spread love, y’all – mehr Megaprops!

Kommentare

20 Antworten zu “Props geben”

  1. honki sagt:

    Das ist ein ganz dickes Gefällt mir von mir! Find ich klasse! :D

  2. Daddiesgun sagt:

    Wie? Keine Backlinks?!

    Egal. Einfach mal Danke sagen!
    Find ich gut.

  3. Paul sagt:

    Props dafür ;)

  4. alex sagt:

    na da habe ich von dir aber mehr erwartet als „nur“ dankessagungen per mail oder telefon :D gerade weil du am anfang des textes geschrieben hast schulterklopfen sein keine echten props- schulterklopfen sind die analogen props ;)

  5. n1Ls sagt:

    Also gehörst du auch zu den Leuten, die bei verdammt (und ich meine wirklich verdammt!) gutem Essen auch ein Lob an die Küche ausrichten lassen? Falls ja, Probs out! ; )

  6. hatten wir dieselbeTelekom-Dame? Ich hatte da ja neulich auch eine extrem freundliche, kompetente Dame dran. Hab da auch gleich hingeschrieben und in höchsten Tönen gelobt. Gutschriften usw gingen sofort klar…

    Wie es in den Wald hineinschallt, so schallt es auch wieder heraus

    ;-)

  7. singhiozzo sagt:

    Sehr gute Sache! Und bringt unheimlich viel, weil das heute so gut wie keine Sau mehr macht. Die Leude nehmen alles nur so hin und brummeln im schlimmsten Fall noch nicht mal mehr ein Danke raus. Ich find’s cool und werde mir ein Beispiel dran nehmen!

  8. Flo sagt:

    Ich hab mir den Namen meiner Telekom-Hotline-Mitarbeiterin gemerkt und will nur noch mit ihr Zeug regeln. Letztes Jahr hat sie mir dann auch noch kurz von ihrem Urlaub erzählt als sie danach zurück rief.

    Aber ich finde es muss auch erlaubt sein mal auf Missstände hinzuweisen (klingt besser als meckern). Zum Beispiel die angeblichen Telekommitarbeiter die an der Haustür klingeln und einem irgendeine Scheiße andrehen wollen. Erzählen einem, dass alles beim Alten bleibt und am Ende sieht man dann, dass doch einiges geändert wird. Danach ging direkt ’ne Mail an den Kundendienst raus. Ohne Namen. Aber hätte ich sie gehabt, wären sie vermutlich dringewesen. Die eine Tante wurde so aufmüpfig und unverschämt im Gespräch, dass ich sie am Ende aus’m Haus geschmissen hab.

  9. Sehr guter Ansatz, dieses Props-Ding. :-)

  10. setann sagt:

    sido (kieler woche) ist nach dem mahl in die küche von halle 400 gegangen und hat sich per handschlag für das gute essen bedankt. das fand i c h sogar cool.
    so, nun! gute taten hin und her und wo bleibt meine kaffemaschine?

  11. Jerry B. Anderson (tm) sagt:

    Proppenbergens an suns ist eine good idea. Das macht die world if laiph mal wieder coloreter. Ich hoffe, dass ich auch mal hewähnt werde one day. Who weiss das yet….

  12. setann sagt:

    öhm…es war nicht sido fällt mir gerade ein. aber cool war es….

  13. ms mln sagt:

    nice. sowas macht uns (wieder) zu netteren menschen.. karma, baby! :)

  14. DFink sagt:

    Finde ich Top! Sollte ich im Job & Privat auch mal wieder mehr machen!

    Karma und so!

  15. Jubai sagt:

    Beste Aktion EVER! Dicke Props dafür an DICH!

  16. Perot sagt:

    Klasse! Ich mag’s ja, wenn Du gelegentlich fast schon misanthropesk mit den Arschlöchern unbeliebten Zeitgenossen und Missständen in Deutschland in unserer Welt abrechnest, weil Du damit quasi ein Ventil öffnest, was ab und zu mal richtig durchgepustet gehört. Die umgekehrte Variante – also ernstgemeinte Props zu verteilen – ist allerdings besser für’s Karma und im Endeffekt vielleicht auch „heilsamer“. ;-)

    Also, das find ICH GUT! :-)))

  17. Kenny sagt:

    „alles Andere ist übrigens gay, wer über diesen Weg Leute denunziert ist genauso schlimm wie ein Nichtmülltrennungspetzer oder die GEZ – bei Unzufriedenheit trotzdem auflegen!“ Word! Ich sitz hier bei Apple im Support, und es geht bei diesen surveys um meinen fucking job. Also immer schön zurückschicken die Dinger und vorallem positiv bewerten.

  18. LOfter sagt:

    Nette Idee. Sollte man vielleicht öfter machen.

    Ich klaue mir evtl. mal die Idee. Gib dem ganzen doch noch nen feschen Namen wie „Spread the Love“ oder so (obwohl dieser Name jetzt nicht ganz so fesch ist) und dann entwickelt sich das evtl. zu ner kleine Aktion auf mehreren Blogs. Da gab es definitiv schon schlechtere Aktionen!!!

  19. […] Dauer-Nörgler gibt es bekanntermaßen genug, deswegen: Props geben via Whudat  […]

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