Prof. Jiang: Trump kann den Krieg nicht beenden, weil er dann ins Gefängnis kommt

Prof. Jiang Trump

Die geopolitische Weltkarte wird derzeit neu gezeichnet, und die Tinte ist Blut. In einer aktuellen Episode von Impact Theory mit Tom Bilyeu zeichnet Professor Jiang Xueqin, bekannt durch seinen YouTube-Kanal Predictive History, ein düsteres Bild der aktuellen Lage. Jiang, ein in Yale ausgebildeter Experte für Game-Theorie und historische Muster, hatte bereits vor zwei Jahren den Konflikt mit dem Iran sowie wirtschaftliche Verwerfungen durch Trump präzise vorausgesagt. Seine aktuelle These ist jedoch weitaus beunruhigender: Donald Trump kann diesen Krieg nicht stoppen – selbst wenn er es wollte. Wenn er die Macht verliert, droht ihm das Gefängnis, was die Dynamik der Eskalation in eine gefährliche Sackgasse manövriert.

Die Falle der schwindenden Imperien

Professor Jiang argumentiert, dass wir uns in einer Phase des imperialen Niedergangs befinden. Historisch gesehen neigen Weltmächte in diesem Stadium zu einer toxischen Mischung aus Hybris und Verzweiflung. Washington D.C. habe sich in eine insulare Blase verwandelt, in der die Führungsebene die Möglichkeit einer Niederlage schlichtweg nicht mehr in Betracht zieht. Statt strategischer Planung tritt das „Doubling Down“ – das Verdoppeln des Einsatzes – an die Stelle von Diplomatie.

Jiang zieht hierbei Parallelen zur Spieltheorie: Wenn man im Casino bereits 100.000 Dollar verloren hat, fühlt sich das Aufhören wie ein endgültiger Verlust an. Also spielt man weiter, in der Hoffnung, alles zurückzugewinnen. Trump befindet sich laut Jiang in einer ähnlichen Situation. Er wird gezwungen sein, die Mission auszuweiten („Mission Creep“), um strategische Punkte wie die Insel Kharg oder die iranische Küste zu sichern. Ein Rückzug würde nicht nur den Zusammenbruch des amerikanischen Einflusses im Nahen Osten bedeuten, sondern Trump persönlich verwundbar machen.

Das Herzland-Modell: Warum die Seeherrschaft allein nicht mehr reicht

Um zu verstehen, warum der Iran derart zentral für die US-Strategie ist, muss man weit in die Geschichte zurückblicken. Jiang verweist auf den britischen Strategen Halford Mackinder und dessen „Heartland-Theorie“. Die Macht des Britischen Empire, und später die der USA, beruhte auf der Kontrolle der maritimen Handelswege und entscheidender Nadelöhre wie der Straße von Hormus oder der Straße von Malakka.

Die größte existenzielle Angst dieser Seemächte war stets die Vereinigung Eurasiens unter einer Landmacht. Würden sich Russland, China und der Iran zu einem kontinentalen Handelsblock zusammenschließen – verbunden durch moderne Eisenbahnen und Pipelines –, verlöre die maritime Überlegenheit der USA ihre Relevanz. Der aktuelle Krieg im Iran ist laut Jiang der verzweifelte Versuch, die Entstehung dieses „Eurasischen Herzlandes“ zu verhindern.

Die Ökonomie des Chaos: Öl, Dollar und Dubai

Obwohl die offizielle Rhetorik oft das iranische Atomprogramm als Grund vorschiebt, liegt die wahre Ursache tiefer. Jiang stellt klar, dass der Iran bereits vor den entscheidenden Eskalationen bereit war, auf Urananreicherung zu verzichten. Der wahre Treiber ist die Ökonomie. Die Iraner haben das Ziel formuliert, den Ölpreis auf 200 Dollar pro Barrel zu treiben.

Für regionale Akteure wie die Golfstaaten (GCC) und insbesondere Dubai ist dies eine existenzielle Bedrohung. Dubai basiert auf der Wahrnehmung als sicherer Hafen für Kapital. Wenn der Iran jedoch ungestraft Drohnen auf die Metropolen am Golf regnen lassen kann, verschwindet dieses Vertrauen – und damit das gesamte Wirtschaftsmodell Dubais. Daher drängen sowohl Israel als auch die GCC-Staaten die USA zu einem harten Vorgehen. Sie wollen die iranische Bedrohung endgültig ausschalten, was eine diplomatische Lösung fast unmöglich macht.

Vom Gold zum Petrodollar: Ein System am Abgrund

Die Grundlage der globalen Vorherrschaft der USA ist der US-Dollar als Reservewährung. Jiang erläutert den Übergang vom Goldstandard (der 1971 durch den „Nixon-Schock“ endete) hin zum Petrodollar-System. Durch Abkommen mit Saudi-Arabien wurde sichergestellt, dass Öl weltweit in Dollar gehandelt wird. Dies erlaubte es den USA, Defizite zu finanzieren und Kriege wie in Vietnam oder das Weltraumrennen zu bezahlen, ohne unmittelbar bankrott zu gehen.

Doch dieses Vertrauen ist erschüttert. Die Sanktionen gegen Russland im Jahr 2022, insbesondere das Einfrieren von 300 Milliarden Dollar an Vermögenswerten, bezeichnet Jiang als strategischen Fehler. Es habe die Reputation des Dollars als sicherer Hafen zerstört. Wenn die finanzielle Waffe stumpf wird, bleibt einem Imperium nur noch die militärische Gewalt, um seine Dominanz zu behaupten. Der Krieg im Iran ist somit auch ein Kampf um den Erhalt des Dollars.

Eskalation statt Exit-Strategie

Auf die Frage von Tom Bilyeu, wie dieser Konflikt enden könnte, ist Jiangs Antwort ernüchternd: Es gibt derzeit keine Anzeichen für einen Waffenstillstand. Die Strukturen sind so festgefahren, dass jede Seite nur eine weitere Eskalation als Ausweg sieht. Die USA können es sich wirtschaftlich nicht leisten, den Nahen Osten zu verlassen, da dies den Zusammenbruch des „American Empire“ bedeuten würde.

Gleichzeitig unterschätze die Trump-Administration die Widerstandsfähigkeit und Entschlossenheit der Iraner. Was als kurzer, chirurgischer Eingriff geplant war, droht zu einem jahrelangen Sumpf zu werden – ähnlich wie Vietnam, nur mit weitaus höheren globalen Einsätzen. Professor Jiang sieht in der aktuellen Entwicklung den „Eröffnungszug“ für eine viel größere globale Neuordnung, in der die alten Regeln nicht mehr gelten.

Fazit: Eine Welt im Umbruch

Professor Jiangs Analyse verdeutlicht, dass wir Zeugen eines tektonischen Machtwechsels sind. Es geht nicht nur um geopolitische Grenzen, sondern um die Frage, wer die Handelswege der Zukunft kontrolliert und auf welcher Währung das globale System fußen wird. In einer Welt, in der rationale Akteure zunehmend durch ideologische Getriebenheit und imperiale Angst ersetzt werden, bleibt der Spielraum für Frieden gering. Trump steckt in einer Falle, die er teilweise selbst mit aufgebaut hat – und die Welt hält den Atem an.

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