Palantir ist schon hier: Wie ein Anruf bei der 110 dich in die Polizei-Software bringt

Palantir ist schon hier

Ein Anruf bei der 110 kann dich in die Analyse-Software der Polizei bringen, denn Palantir ist schon hier. Diese Software kommt von Palantir (feat), einer US-Firma, deren erster Kunde die CIA war. Das steht so bei den Datenschutzbeauftragten von Bund und Ländern. Eine Akte aus 255 Karten und rund 500 Fäden zeigt, wie es dazu kam, denn an jedem Faden hängt eine Quelle. Die Beweisblätter zeigen den Originaltext. Orwell beschrieb 1949 in seinem Roman „1984“ einen Bildschirm in der Wand, den niemand abschalten kann. Heute steckt dieser Bildschirm in deiner Hosentasche, und ohne Handy bist du raus aus Freundeskreis und Arbeitswelt.

Palantir läuft längst bei deutschen Polizeien

Seit 2017 nutzen deutsche Polizeien die Software. Hessen kaufte Gotham laut EU-Bekanntmachung ohne Wettbewerb und nannte es hessenDATA. Nordrhein-Westfalen setzt es seit 2020 als DAR ein, und Bayern nennt es VeRA. In Hessen haben nach Angaben der Landesregierung von 2022 rund 2.100 Menschen Zugriff. In Bayern geht es laut Datenschutzbeauftragtem um rund 39 Millionen Datensätze, darunter Zeugen, Geschädigte und Menschen, die den Notruf gewählt haben. Seit 2022 existiert ein Rahmenvertrag, über den jede Polizei die Software ohne eigene Ausschreibung abrufen kann. Baden-Württemberg unterschrieb 2025 sogar vor dem passenden Gesetz, obwohl 92 Prozent der Abstimmenden in einer Befragung der grünen Basis dagegen waren.

Das Problem ist die Verbindung // Palantir ist schon hier

Palantir verkauft keine Daten, dafür gibt es keinen Beleg. Die Firma braucht das auch nicht, denn die Software nimmt Daten, die der Staat längst hat, und verbindet sie. Ein Nachbau mit erfundenen Daten zeigt, wie das geht. Fünf Tabellen mit Notrufen, Kennzeichen, Fahrzeughaltern, Kamera-Alarmen und einem Ermittlungsakt wirken einzeln harmlos. Drei Regeln mit weniger als 30 Zeilen Code genügen. Dann steht die erfundene Anruferin Lena im Netzwerk zwei Schritte neben einem Verdächtigen. Sie hatte nur die 110 gewählt, weil sie einen Streit gesehen hatte. Das Bundesverfassungsgericht kippte 2023 die Regeln in Hessen und Hamburg, weil solche Systeme auch Profile von Unbeteiligten bauen können. Hessen schrieb das Gesetz neu, und die Software läuft weiter. In Karlsruhe liegt bereits die nächste Verfassungsbeschwerde.

Thiel, Karp und der Weg an der Politik vorbei

Palantir entstand 2003, und frühes Geld kam von In-Q-Tel, dem Wagniskapital-Fonds der CIA. Mitgründer Peter Thiel sitzt bis heute im Verwaltungsrat. Mit Firmenchef Alex Karp und einem dritten Gründer hält er knapp die Hälfte aller Stimmen. 2009 schrieb Thiel, er glaube nicht mehr an die Vereinbarkeit von Freiheit und Demokratie. Im Juni 2025 zögerte er auf die Frage der New York Times, ob die Menschheit weiterbestehen soll. Am 24. September sagte er im Podcast von Springer-Chef Mathias Döpfner, wer böse sei, sei wenigstens kompetent. Am selben Tag zeichnete der Axel-Springer-Verlag ihn in Berlin aus. Das ist demokratiefeindlich, und es ist keine Verschwörungstheorie, denn es steht in den Akten.

Dieselben Namen an mehreren Tischen

Die Bilderberger-Konferenz lädt jedes Jahr 120 bis 140 Mächtige aus Politik und Wirtschaft ein. Im Lenkungsausschuss sitzen Karp, Thiel und Döpfner. Auf den Gästelisten standen Jens Spahn, Ursula von der Leyen, Friedrich Merz, Marco Buschmann und Wolfgang Schmidt. Palantir ist seit 2023 Partner der Münchner Sicherheitskonferenz und heute einer der Hauptsponsoren. Der Axel-Springer-Verlag nannte Palantir eines der wichtigsten Unternehmen unserer Zeit für die Resilienz der Demokratie. Orwell schrieb in 1984: Krieg ist Frieden. Heute heißt es: Überwachung ist Resilienz. BlackRock hält rund 7 Prozent der Palantir-Aktien der Klasse A, und den deutschen Aufsichtsrat leitete bis 2020 Friedrich Merz.

Palantir ist schon hier – Die Maschine bekommt ein Gehirn

OpenAI strich im Januar 2024 das Verbot für Militär und Kriegsführung aus ihren Regeln. Seit Februar 2026 darf das Pentagon ihre KI für alle rechtmäßigen Zwecke nutzen. Anthropic bot sein Modell Claude 2024 über Palantir dem US-Geheimdienst an, mit einer eigenen Version, die bei geheimen Materialien seltener ablehnen soll. Der Streit mit dem Pentagon drehte sich nur um Massenüberwachung im Inland und vollautonome Waffen. Bei Aufklärung, Einsatzplanung und Cyberoperationen will die Firma nach eigenen Worten dabei sein. Im Juni 2025 vereidigte die US-Armee Manager von Palantir, Meta und OpenAI als Oberleutnants der Reserve. Die Firmen werden Teil des Staates, und der Staat bleibt ihr Kunde.

Gesicht, Stimme, Handy

Das neue Bundespolizeigesetz erlaubt der Bundespolizei den Echtzeit-Abgleich von Gesichtern mit Fahndungslisten. In Berlin darf die Polizei seit Ende 2025 Gesichter und Stimmen von Verdächtigen und Kontaktpersonen mit dem Internet abgleichen. 2024 gab es in 15.956 Verfahren eine Funkzellenabfrage. Der Entwurf fürs BKA-Gesetz geht weiter, denn Gesichter sollen mit Fotos aus dem ganzen Internet abgeglichen werden, auch hinter Anmeldung oder Bezahlschranke. Die Bundesdatenschutzbeauftragte schrieb, die Nutzung von Anbietern wie PimEyes oder Clearview sei erkennbar beabsichtigt, Thiel gab dem Clearview-Gründer 2017 200.000 Dollar. Im Entwurf steht kein Wort zu Deepfakes, obwohl Menschen in einer PNAS-Studie echte und KI-Gesichter nur in 48 Prozent der Fälle unterschieden. Die ACLU zählt 14 Menschen, die nach falschen Gesichtstreffern festgenommen wurden.

Dein Körper als Datenquelle

Beim Mobilfunk 6G soll das Netz laut Rahmenplan der UN-Fernmeldeunion von 2023 Haltung, Gesten und Stürze erfassen. Nokia schreibt, es könnte sogar den Herzschlag hören. Die Normungsstudie zum Funk-Sensing nennt einen Anwendungsfall mit dem Wort apprehend, also festnehmen. Der 6G-Bericht vom März spricht von einem privacy override mechanism, durch den Behörden an geschützte Daten kommen; noch sind das Vorschläge, doch die Technik existiert. 2018 erkannte ein Funkgerät am MIT 100 Menschen hinter einer Wand allein an ihrer Bewegung. 2015 maß das MIT Atem und Herzschlag per Funk sogar im Nebenraum. Zwei kleine WLAN-Chips am Rechner zeigen, dass das billig geht, denn ohne Kamera merken sie, ob sich jemand bewegt oder still sitzt.

Von 1939 über 1983 zur Frage von heute

Paragraf 9b des BKA-Entwurfs erlaubt automatische Beziehungen zwischen Personen, Gruppen, Organisationen, Orten und Sachen, genau wie bei Lena. Die Begründung nennt die Befugnisse technik- und produktneutral. Andreas Eschbach fragt in seinem Roman NSA – Nationales Sicherheits-Amt von 2018, was wäre, wenn es im Dritten Reich schon Computer und Handys gegeben hätte. 1939 füllte jeder Haushalt eine Zusatzkarte aus, und der Satz, die Daten dienten nur der Statistik, fiel 1937 weg. 1983 stoppte das Bundesverfassungsgericht die Volkszählung, weil unsichere Bürger versuchen, nicht aufzufallen. Die richtige Frage lautet deshalb, wer Daten verbinden und erheben darf und wer dem zuschaut. Die Gesetze für BKA und Verfassungsschutz sind noch nicht beschlossen, also schreibe deinen Abgeordneten und dem Innenausschuss. Frag auch bei deiner Polizei nach, was über dich gespeichert ist. Deine Daten überleben jede Regierung, und bei Lena hat ein Anruf gereicht.

Palantir ist schon hier: Wie ein Anruf bei der 110 dich in die Polizei-Software bringt

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