Mottoabend beim Lil‘ MC

Einige von Euch wissen ja, dass ich vor gar nicht allzu langer Zeit als Vertriebler im Außendienst gearbeitet habe und dort für den Geschäftskundenbereich zuständig war und wie es so üblich ist, war natürlich auch ein Teil meines Gehaltes variabel. Irgendwann vor 10 Jahren (ich erinnere mich schwach, muss da sogar noch motiviert gewesen sein) schaffte ich es einmal, durch einen einzigen Großauftrag meine Zielvorgaben um das Dreifache zu erfüllen, was sich natürlich sehr positiv auf die zu erwartene Prämienzahlung auswirken würde.

Kleiner Insider zu diesem Auftrag, ich habe das vorher noch Niemanden erzählt: nachdem ich hörte, dass ich den Auftrag kriegen würde, lief ich Richtung Nebenhaus zum Parkplatz. Ich wog mich allein auf weiter Flur wie die Hebamme 3 Minuten nach meiner Geburt und freute mich lautstark mit einem „Ich bin der Geilste! Kannst machen was Du willst, ich bin wieder mal der Geilste! HA-HA-HA, der Geilste, Mann!“, was die gerade vor der Tür des Nebenhauses stehende und rauchende Assistentin der Geschäftsleitung, die beim Meeting gerade noch Schrift führte, auf gar keinen Fall überhört haben konnte. Aber so war es schon immer; wenn man wie ich ein Spacken ist, bleiben Peinlichkeiten selten aus. Und hey: 300% Zielerfüllung, Scheiße auf der Kirchturmspitze!

Den Auftrag hatte ich noch nicht in der Tasche. Aber ich komme aus Kiel, hier zählt ein Handschlag noch ‚was. Also kaufte ich schonmal zwei Flaschen Sekt, um gleich im Büro den Dicken machen zu können. Ich fuhr im Dienstwagen und 250DM-Anzug durch unsere Kleinststadt und hielt mich für einen globaleren Player als John Special – wenn ihr heute denkt, ich sei ein Vollkasper; Ihr hättet mich mal vor 10 Jahren sehen sollen! Aber egal, ich lachte viel und das war mir immer das Wichtigste. Die ganzen Kundenservice-BiatcTanten himmelten mich an (vermutlich lachten sie mich aus und lästerten intern, als gäb’s keinen Morgen mehr, aber das will ich nicht hören), Big Pimpin‘ in der 2qm-Firmenküche mit Rotbäckchen-Sekt aus Plastikbechern, so geht Rock’n’Roll. Da fehlte nur noch eins: „Hört mal zu, das wird am Wochenende nochmal härter begossen als Chrysanthemen im Hochsommer, ich mach‘ Mottoparty: Mallorca! Wer gut aussieht, darf gerne kommen!“. High on Rotbäckchen und der Nominativ-Artikel fehlte absichtlich.

Ich schickte zusätzlich eine Mail an den Freundeskreis-Verteiler und erklärte, wie ich mir den „Mallorca“-Themenabend vorstellte: ich würde ein paar San Miguel und zwei oder drei 10L-Eimer selbst zubereiteter Sangria-Bowle besorgen, jeder Gast hatte die Auflage, am Vortag nochmal 30 Minuten auf die Sonnenbank zu gehen, außerdem gab’s einen Dresscode: kurze Hose und Adiletten. Ihr könnt es Euch vorstellen: ein voller Erfolg; literally. Die Bowle hatte es in sich wie Beuteltiere, ich mischte günstigsten Fruchtsekt mit Wein und Fruchtsekt, dazu noch nicht ganz so teuren Wein und etwas Fruchtsekt. Natürlich garnierte ich das Ganze mit Äpfeln, Orangen, Mandarinen und Pfirsichen, die ich unbehandelt direkt in die Plörre gab; ich war schon immer so ein Dekorations-Gazpacho.

Wir nahmen den letzten Eimer sogar mit in den Club, bzw. vor diesen. Das Einführen wurde uns weniger gestattet als vorehelich in islamischen Ländern, somit tranken wir den Rest sehr schnell, was dazu führte, dass ich mir kurz darauf beim Tanzen etwas Bowle in die Brusttasche erbrach. Ein unvergesslicher Abend – und die Unterschrift kam die Woche drauf dann auch. Ich war der Geilste, konntest‘ machen was Du willst, ich war wieder mal der Geilste! Nur das mit den Chrysanthemen war Quatsch, die brauchen gar nicht so viel Wasser.

Kommentare

12 Antworten zu “Mottoabend beim Lil‘ MC”

  1. Bullubu sagt:

    „Ich wog mich allein auf weiter Flur wie die Hebamme 3 Minuten nach meiner Geburt“
    „Das Einführen wurde uns weniger gestattet als vorehelich in islamischen Ländern“

    Wieso gibt es keinen Oscar für Texte! xD

  2. 97 sagt:

    Die Bowle scheint schon ne Nummer gewesen zu sein – für nächstes Mal probier’s aber noch mit ’nem Spritzer Wein und 2cl Fruchtsekt um das ganze abzurunden! Bester Humor!

  3. uli sagt:

    Die Geschichte ist weltklasse … mal wieder. Glückwunsch, Herr Winkelsen.

  4. o. sagt:

    Hahaha, geil ! Bin ich der Einzige, der sich hier irgendwie (positiv) an Stromberg erinnert fühlt ?

  5. Moody sagt:

    bist schon der Geilste, kann man nix machen

  6. peter sagt:

    geile schreibe. du solltest einen blog aufmachen.

  7. mo sagt:

    Rotbäckchen Sekt?! :D
    also wenn der Name noch nicht geschützt ist, sollteste den als eigene Marke rausbringen :D

  8. die anke sagt:

    lieber herr winkel, so ist der wochenanfang schön, schon gelacht bevor der alltaegliche wahnsinn beginnt, danke. lieblingszeile:“…hielt mich fuer den globaleren player als john special…“(gibt es die zigarretten noch, in rot+gold, die waren besonders chic ; )) froehliche wochenanfangs-gruesse

  9. MC Winkel sagt:

    @Bullubu: Gibt’s doch – jedes „Like“ ist wie ein kleiner Oscar für mich! :))
    @97: :)) Danke!
    @uli: Danke. Und ja, hast recht! ;)
    @o.: … jetzt, wo Du’s sagst! :) (Aber ich war zu der Zeit KEIN Vorgesetzter! :))
    @Moody: Ist leider so. Da kann man echt nichts machen! Schon wieder! :))
    @peter: Stimmt! :)
    @mo: Du kennst den nicht? Echt jetzt?
    @die anke: Hello Anke, klar, die gibt’s noch! Sind gerade wieder ziemlich aggressiv, was PR betrifft. Überall hängen Plakate und überall schicken sie Promotion-Kräfte ins Rennen… dabei schmecken die gar nicht. :)

  10. Elle sagt:

    ich dachte auch erst, mensch – ich kenne nur rotbäckchen saft von rabenhorst, aber es gibt auch rotbäckchen sekt von mumm ^^

  11. mo sagt:

    @MC WINKEL

    jetzt zweifel ich aber auch. Der heißt doch rotKÄPPCHEN sekt, oder wie?
    :)

  12. ThiliMilli sagt:

    Feine Geschichte & auch noch happy end ;)

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