Meine erste Strandparty (1988).

Ich glaube, diesen Abend im Sommer 1988 hatten sich die Mitglieder der M&M Crew ein wenig anders vorgestellt. An sich hatten wir, die wir ja damals als Paderborner Ruler firmierten, nicht besonders viel mit diesen Herrschaften zu tun. Wir waren halt die Proll-Popper – immer adäqat angezogen und top frisiert, dafür einen dreckigen Style. Und die M&M-Leute – nun, das waren mehr so die langhaarigen Surfer-Dudes, die zwar niemals surften, dafür aber drei Akkorde auf der Klampfe konnten, Wein tranken und ihre Zigaretten pafften. Die waren zwar nett, was unsere Definition von Fireye Feierei betraf, gingen die Vorstellungen aber meilenweit auseinander. Es war aber auch bekannt, dass die mit ihrem lumpigen „Let-it-be“-am-Lagerfeuer-Style immer die freshesten Tanten um sich herum scharten, was uns wiederum zu der Überlegung kommen liess, deren Strandparty am Abend einfach zu besuchen.

Als Gäste waren wir an diesem Abend ungefähr so erwünscht wie Rasierklingen im Unterlid, unsere Laune trübte das jedoch wenig. Mit 15 Mann rückten wir an und soweit ich weiß, hat jeder einzelne (mit Ausnahme von mir, der ich mich immer vorbildlich benahm!) von uns etwas dazu beigetragen, auch zukünftlig nicht freiwillig eingeladen zu werden. Angefangen bei Jörn, der nach dem Toilettengang vergaß, einzupacken (wir nannten diese Art von entwaffnender Geste damals Stickpresent) und bei den etwas jüngeren Damen damit etwas Verwirrung auslöste. Oder Hansen, der von uns allen mit großem Abstand der Dämlichste war, einen Arsch wie Queen Latifah und eine chronische Harnröhrenentzündung (so nannten wir damals Promiskuität) sein Eigen nannte, dennoch aber regelmäßig strikete. So auch an diesem Abend, er verschwand keine dreißig Minuten nach unserer Ankunft mit der Freundin des Gastgebers in den Dünen, was dieser natürlicht eher so mittel fand, dafür aber gar keine Zeit hatte, weil Freund Sven gerade seine Gitarre als Flaschenöffner benutzte.

Ein paar von uns gingen zu späterer Stunde schwimmen und weil keine Handtücher vorhanden waren, trocknete man sich mit ein paar Wolldecken ab – die nass als Sitzmöglichkeit weniger Sinn machten als Texte von Xavier Naidoo. „Dann lasst uns die Dinger doch vor’s Lagerfeuer hängen, Jungs!“, meine rettende, leider aber missverstandene Idee, „VOR das Feuer, Andreas, nicht IN das Feuer!“ – zu spät. Inzwischen waren wir beim gemeinen Partyvolk mit unseren Aktionen gar nicht mehr so unbeliebt, wie noch zu Beginn des Abends. Ein paar der anderen Gäste rannten inzwischen ebenfalls mit Stickpresent herum, in den Dünen wurde gefummelt wie beim alljährlichen Krabbelpultag (12.04., glaub ich) und die Jungs der M&M Crew hatten das Nachsehen wie der Wachschutz. „Mir passt das hier Alles nicht, lass‘ uns die Gitarren einpacken und verschwinden!“, hörte man die Veranstalter fluchen. Keine so gute Idee, immerhin meldeten sie diese Strandparty offiziell auf eigenen Namen an. Und der Versuch, die brennenden Wolldecken auf den Strandkörben zu löschen, misslang. Soweit ich das sehen konnte, sogar auf drei verschiedenen Strandkörben.

Wir verschwanden lieber, bevor man da noch fälchlicherweise mit irgendwas in Verbindung gebracht wird. Auf die schriftliche Anfrage, ob wir bezüglich der Brandstiftung Namen nennen könnten, schrieb Jörn nur ein Wort. Ratet?

Kommentare

17 Antworten zu “Meine erste Strandparty (1988).”

  1. Perot sagt:

    ***pruuuuust*** So langsam schließt sich hier der Kreis – oder besser gesagt: *er*schließt sich mir der Kreis. Jetzt weiß ich auch, was das mit dem Wort „Stickpresent“ auf sich hat, was ein gewisser „Jerry“ hier gelegentlich in den Kommentaren erwähnt. Sittenstrolche, Ihr! ;-) Aber ich liebe diese „Young MC Stories“ – erinnern mich an meine Jugend, und die Erlebnisse sind manchmal verblüffend ähnlich. Werde aber nicht mehr dazu sagen, denn das wäre Material für einen eigenen Blog. ;-)

    In Kiel gibt es Dünen? Du meinst diese „Grasbüschel mit Sand“ in Fiedeltown?

  2. Sumit sagt:

    da bin ich grad erst auf die welt gekommen^^

    darf ich dich opa nennen oder findest du das offfensive

  3. Fazit sagt:

    Lustige Geschichte. Hat einfach einen eigenen Stil, der Winkel.

    Musste ich gerade auch daran denken, als ich Spiegel gelesen habe:

    „Ein von uns kontaktierter Blogger wollte dazu öffentlich nichts sagen, um sich nicht mit dem als konfliktfreudig bekannten „Disser“ Pallenberg anzulegen. “

    Kam mir spontan irgendwie bekannt vor. :D

  4. Jerry B. Anderson sagt:

    Ich hab die Antwort:
    STICKPRESENT!!!!!!!!!

    present mir deinen dickaaaa. Splash!

    fantastic classic remember part if mei laifteim.

  5. grosswesir sagt:

    grossartig!

  6. o. sagt:

    Hihi….“hatten das Nachsehen wie der Wachschutz“…sehr schön – immer wieder super, Deine Vergleiche !

  7. axenon sagt:

    Jaja, so war das also?!!?!!

    War immer wieder genial, auf Party mit der Pader-Gang……..

    Unvergessen…….

    Ruligan – axenon –

  8. MC Winkel sagt:

    @Perot: :)) … habe tatsächlich drüber nachgedacht, dieses Wort zu ersetzen – aber es klang so romantisch in dieser dann doch eher unromantischen Story! :)
    @Sumit: Nö, geht! :) (Aber echt, 1988? Da war ich 15/16. Frechheit!)
    @Fazit: *lol* … er versucht’s immer wieder. F., „Dissen“ ist inzwischen gewöhnlicher, deutscher Sprachgebrauch. Ich habe nicht mit dem Spiegel gesprochen, habe aber auch keine Angst, gedisst zu werden.
    @Jerry B. Anderson: Aight! :) Hatte Contact zu A.D., der hat mich nochmal an dieses Highlight erinnert.
    @grosswesir: Danke!
    @o.: :) Dnake.
    @axenon: Die guten, alten Zeiten. Erinnerst Du Dich noch an die Busfahrt auf den Weg dorthin. Es gab da so eine Kontrolle, dich ich durchführte. :) Grüße!

  9. singhiozzo sagt:

    Genau die richtige Geschichte nach meinem Wochenende (3 Tage eigener Messestand auf den Hamburger Motorrad Tagen, inkl. Ausstellerparty-Rauswurf – wir waren die letzten!). Ich habe einen Bekannten, der geht noch ein wenig radikaler vor als Jerry. Irgendwann kommt auf jeder Party der Moment, in dem er sich komplett nackt auszieht und dann auch länger nicht das Verlangen spürt, an dem Bekleidungszustand was zu ändern! Allerdings nicht ’88, da war ich 6 und der Kollege …. -2 glaube ich!

  10. Erdge Schoss sagt:

    Haben sie, werter Herr Winkelsen,
    sich anschließend wieder vertragen oder war das Tischtuch zerschnitten?

    Herzlich
    Ihr Erdge Schoss

  11. A.D. sagt:

    Schöne Party, schönes Feuerchen. Party gecrasht.

  12. Gilli Vanilli sagt:

    jetzt muss sich mich aber ma beschweren digger

    schon wochenlang wieder da – gefühlt monate und noch KEIN VLOG????????? schneidest du noch per hand?? :-)

  13. MC Winkel sagt:

    @singhiozzo: *lol* … na das klingt ja nach einem smoothen WE. Aber hey – meins war auch nicht sooo viel besser.
    @Erdge Schoss: zweiteres, Herr Schoss!
    @A.D.: Fjeden! Herrlich, heute 3 Leute in den Comments, die damals dabei waren! :)
    @Gilli Vanilli: Hast Du den ersten Teil verpasst?

  14. Gilli Vanilli sagt:

    damn du postest einfach zu viel am tag

    da bin ich 2 tage nicht am start und der vlog ist gleich ne seite weiter :-O

    der muss upseitig dick oben auf der startseite geplaced werden!!!!

  15. holstenbewohner sagt:

    Deine spezielle Buskontrolle kenn ich! Ich arme kleine Wurst musste Sie am eigenen Leib erfahren!!! Mach das mal heute! ;-)

    Herzlichst

    Ihr Holstenbewohner

  16. MC Winkel sagt:

    @Gilli Vanilli: :)) War es das ganze Wochenende, kein Shice! :) Komm halt einfach täglich, dann verpasst Du nix! :)
    @holstenbewohner: :)) … hab‘ an Dich gedacht, als ich das erwähnte! :)

  17. Oide Lumpi sagt:

    Haha, saftige Story. Einfach nur endgeil, den Dicken zu präsentieren kommt immer gut! Weiter so!

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