Meine erste Gürtelrose (Part II)

(Fortsetzung hierzu)

Letzte Woche endete meine kleine Gürtelrosen-Anekdote mit den Worten „ganz auszuschließen ist Morbus Gürtelrose noch nicht. Eigentlich schon, nur halt nicht für Hypochonder wie mich“ und dass man als Hypochonder durchaus auch einmal recht haben kann, lernte ich dann auch direkt am Montag. Mit meiner stets hektischen, teilweise dreist forschen sachlichen und sehr freundlichen Art überzeugte ich nach einer einer weiteren Doppelspiegel-Begutachtung die Sprechstundenhilfe meines Hautarztes, dass ich dringend (im Sinne von ‚heute‘) noch einen Termin bräuchte. Eine Wartezeit von mehr als 24 Stunden ist für mich bei jedem Arzt inakzeptabel und hier läge ja nun auch ein echter Notfall vor: ich vermute, an Morbus Gürtelrose erkrankt zu sein und gemäß eigener Recherche im Internet hätte ich herausgefunden, dass man möglichst in den ersten 2 Tagen etwas dagegen machen sollte, um Schlimmeres zu vermeiden. Keine fünf Stunden später saß ich dann im Behandlungszimmer.

Mein Lieblings-Dermatologe hatte leider keine Zeit, so kümmerte sich Frau Doktor also um mich. An sich war mir das egal, ich war nur etwas besorgt um den innerräumlichen Östrogenspiegel, sobald ich mein Shirt nach oben ziehen würde könnte dieser in fünf- bis sechsstellige Estradiolgefilde steigen, was allerdings nicht passierte, weil: „Ja, das ist eine Gürtelrose“, die schnellste Diagnose meiner bisherigen Hypochonder-Laufbahn. Für den Bruchteil einer Milisekunden brach ich innerlich zusammen. Jetzt war es also raus, ich habe tatsächlich die Rentnerpocken, noch sind es 2 kleine Stellen, morgen vermutlich 20, übermorgen 200 und am Donnerstag schließt sich der Kreis einmal um meinen Rumpf herum. Vermutlich just in dem Moment, als ich im Supermarkt aus dem obersten Regal nach dem feuchten Toilettenpapier greife. In der gesamten Nonfood-Abteilung wird das Geräusch zweier auseinanderdriftender Hartmetallplatten zu hören sein (280 Dezibel), dann wird die Rose Feuer fangen und brennen, während mein Körper entlang der entzündeten Flechtenlinie auseinanderklappt. Der Oberkörper läge dann beinlos in einer Lache aus Blut und Zostersuppe und erkläre mir da mal bitte einer, wie ich an die Packung Hakle feucht kommen soll?! Kamille, btw.

Wie gesagt, in unter einer Sekunde kam ich dann wieder zur Besinnung und fragte Frau Doktor, die sich übrigens völlig unbeeindruckt ob meines neu erschlankten Torsos zeigte, was das denn nun für mich zu bedeuten hätte, wieviele Tage ich ihrer Meinung nach noch leben werde. Sie beruhigte mich und erklärte, dass ich nur eine sehr leichte Gürtelrose gehabt zu haben scheine. „Frau Doktor, sie reden in der Zeitform des Präteritums, was hat das zu bedeuten?“, „Naja, sie sehen es doch – der Ausschlag entwickelt sich bereits zurück, ich kann Ihnen noch eine Creme verschreiben, aber in 2 Wochen wird so oder so nichts mehr zu sehen sein.“. Das waren die besten Nachrichten seit langem – I will live!

Trotzdem eine Sache, die ich nicht unbedingt weiterempfehlen kann. Solltet ihr vorhaben, aus Gründen der Langeweile uralte Windpocken-Viren zu reaktivieren: lasst das lieber sein. Auf dem Rückweg habe ich mir dann noch eine Extra-Doubletriplefamily-Vorrats-Superbunkerpackung feuchtes Toilettenpapier gekauft, außerdem noch eine Rhabarbersaftschorle und einen Bienenstich, diese guten Nachrichten mussten einfach gefeiert werden!
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[Podcast folgt!]

Kommentare

Eine Antwort zu “Meine erste Gürtelrose (Part II)”

  1. Malte sagt:

    Wieso musste ich bei zweigeteilen Winkel eigentlich hieran denken?

    https://www.youtube.com/watch?v=9z77oztO6UQ#t=366

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