Marco Benevento – „Glera“ // Ein meisterhaftes Album zwischen Jazz, Soul und Cinema-Vibes

Der Keyboarder und Produzent Marco Benevento veröffentlicht sein neues Album Glera über das angesehene Label Big Crown Records. Musikliebhabern ist der US-amerikanische Ausnahmekünstler längst kein Unbekannter mehr. In den vergangenen Jahren prägte er nicht nur als eindrucksvoller Solokünstler die Szene, er hinterließ auch in den Credits von Hochkarätern wie Freddie Gibbs, Madlib, Clairo oder Leon Bridges deutliche Spuren. Mit seinem aktuellen Werk stellt er nun erneut unter Beweis, wie spielerisch er musikalische Grenzen überwindet.
Marco Benevento x Glera – Das Tonstudio als eigenständiges Instrument
Marco Benevento nutzt das Aufnahmestudio seit jeher als eigenständiges Instrument. Er betrachtet Räume keineswegs nur als reine Kulisse für Instrumente, stattdessen sucht der Komponist gezielt nach vielschichtigen Texturen, dynamischen Spannungsbögen und unberührten Zwischenräumen. Aus der schöpferischen Neugier entsteht schließlich eine faszinierende Klangästhetik. Auf Glera schärft der Musiker dieses Gespür noch einmal nach, das Ergebnis zeigt ihn nicht bloß als versierten Pianisten, sondern als echten Klangarchitekten.
Eine musikalische Reise voller Dynamik und Vielfalt
Das Album wurzelt in einem dreijährigen Entwicklungsprozess. Ursprünglich begann Benevento das Projekt als persönliches Experiment. Er schrieb völlig intuitiv und ließ sich dabei von alten italienischen Filmkompositionen inspirieren. Im Laufe der Zeit wuchsen die ersten Entwürfe zu kraftvollen Kompositionen heran. Die Stücke bewegen sich fließend zwischen filmischer Dramatik und mitreißenden Rhythmen. Oftmals erinnern die Songs an wilde Verfolgungsjagden oder sanfte Überblendungen. Jazzige Improvisation verbindet sich dabei mühelos mit tiefen Reggae-Grooves, orchestralen Ausflügen und verträumtem Psych-Pop.
Marco Benevento x Glera – Spannende Gastbeiträge und kreative Ideen
Schon der Eröffnungstrack „Frizzante“ feiert die pure Spielfreude auf analogem Band. Benevento tauscht hier energiegeladene Melodien mit sich selbst aus, während der Beat unaufhaltsam nach vorne treibt. Auf „Turandot“ ergänzt die italienische Sängerin Marianne Mirage das Geschehen mit eindringlichem Gesang. Das Stück bewegt sich stilistisch geschickt zwischen der düsteren Eleganz von Portishead und dem zeitlosen Charme von Serge Gainsbourg.
Der Titel „Big Top“ erweitert das Soundgewand nochmals um außergewöhnliche Facetten. Benevento integriert echte Sprachnachrichten sowie Rufe von Pfauen in das Arrangement, daraus entsteht ein mitreißendes Stück Circus-Funk. Unmittelbar danach zündet der Dancefloor-Filler „Houdini“ mit druckvollem Jazz-Fusion-Sound. Der Track startet bereits ab dem allerersten Schlagzeugschlag voll durch.
Verträumte Momente und rasante Ausflüge
Auch die ruhigeren Nuancen kommen auf der Platte keinesfalls zu kurz. Für den Song „I Can’t Control This Bliss“ holt sich Marco Benevento das Projekt Dream Crease an das Mikrofon. Gemeinsam schaffen sie eine wunderschöne Hymne im charmanten Lo-Fi-Gewand. Auf „Miss Neptune“ steuert die renommierte Harfenistin Elizabeth Steiner zauberhafte Klänge bei, die über einem entspannten Reggae-Fundament schweben.
Anschließend drückt der Track „Sprezzatura“ das Gaspedal wieder komplett durch. Das Stück klingt wie eine halsbrecherische Verfolgung durch enge italienische Gassen. Das nachfolgende „Quattro Passi“ drosselt die Geschwindigkeit schließlich wieder, zusammen mit der bekannten Jazzsängerin Chiara Civello gelingt ein wunderbar entspannter Ausklang.
Ein inspirierendes Album voller Bewegung
Marco Benevento agiert auf Glera auf absolutem Spitzenniveau. Er formt Klänge mit großer Hingabe und bewahrt sich gleichzeitig seine jugendliche Neugier. Die Musik überschreitet mühelos Genres, Geschwindigkeiten und Stimmungen, dabei bleibt der Sound immer im organischen Groove verankert. Wer vielschichtige Instrumentalmusik schätzt, findet auf diesem Album unzählige faszinierende Details.


