Lizard House auf Lizard Island – ein verstecktes Traumhaus im Paradies
Schon der 45-minütige Flug von Cairns nach Lizard Island macht deutlich, dass es sich nicht um irgendeinen Rückzugsort handelt, sondern um einen Ort, an dem Abgeschiedenheit nicht nur ein architektonisches Konzept ist, sondern eine fühlbare Erfahrung. Unter einem schimmert das Great Barrier Reef. Rechts und links tauchen kleine, dicht bewachsene Felsformationen auf, die wie verstreute Granitinseln im Korallenmeer liegen. Sobald die Maschine tiefer geht, erkennt man weiße Strände, türkisfarbenes Wasser und das fast unbewohnte Land, das den Rahmen für das Lizard House bildet.
Der Geist eines Ortes, aus Stein und Wind geformt
Das „House at Lizard Island“, entworfen von James Davidson und seinem Studio JDA Co., liegt am westlichen Zipfel der Insel. Der Ort heißt bei den Dingaal First Nations Jiigurru, was auf den Stachelrochen verweist, der in dieser Region seit Jahrhunderten als Symbol für das Meer steht. Davidson arbeitete während der gesamten vierjährigen Planungs- und Bauzeit eng mit den traditionellen Eigentümern zusammen und lernte Flora, Fauna und Geschichte des Landes kennen. Dadurch entstand ein Projekt, das nicht nur auf der Insel steht, sondern sich bewusst von ihr formen lässt.
Lizard House – Architektur in einer extremen Umgebung
Die Insel liegt im Einflussbereich tropischer Zyklone. Deshalb wurde das Haus als robuste Betonskulptur entwickelt, ergänzt durch Palisanderholz, perforierte Kupferlamellen und Materialien, die Wind, Sand und Salz aushalten. Statt sich abzuschotten, öffnet sich die Konstruktion zu drei privaten Stränden, die das Haus zu einem natürlichen Beobachtungsort machen. Jeder Blick führt über das Meer, über Felsen und über Wälder, deren Farben sich im Inneren wiederfinden.
Ein Interieur, das die Insel weiterführt
Die Farbpalette ist nicht zufällig gewählt. Graue Keramikflächen erinnern an die Granitvorsprünge des Grundstücks. Blaue Textilien greifen die Farben des Riffs und des wolkenlosen Himmels auf. Holzvertäfelungen zitieren den Eukalyptus. Und die grüne Steinbank im Wohnbereich wirkt fast so, als sei sie direkt aus der Erde geschnitten worden. Das Ziel war kein luxuriöses Dekor, sondern eine Form von Naturfortsetzung, die Innen und Außen miteinander verschmelzen lässt.
Offene Räume mit bedacht geplanter Intimität
Mit nur drei Schlafzimmern auf zwei Ebenen wirkt das Haus nie protzig. Stattdessen ist jeder Raum präzise, geborgen und zugleich offen. Die Wohnbereiche im Erdgeschoss öffnen sich durch eine große Fensterfront fast vollständig zur Terrasse. Wenn die Scheiben zur Hüfthöhe abgesenkt sind, verwandelt sich das Innere in einen luftigen Balkon. Im unteren Bereich befinden sich private Rückzugsorte, deren Blick entweder auf die Nordwestküste oder auf den Hibiscus Beach fällt, wo Schildkröten ihre Eier ablegen.
Lizard House – Die Küche als Herz des Hauses
Der Küchenbereich besteht aus einer Esmeralda-Steininsel sowie Geräten, die speziell für hohe Temperaturen und Feuchtigkeit konzipiert wurden. Alles ist sichtbar, aber zugleich elegant versteckt. So bleibt der Raum funktional, ohne seinen architektonischen Charakter zu verlieren. Ob man selbst kocht oder einen privaten Koch engagiert, ist Teil des Konzepts.
Die dramatische Wendeltreppe
Eines der prägendsten Elemente ist die Wendeltreppe, auf die ein Oberlicht fällt. Sie verbindet die Ebenen und führt das Auge zu Licht, Wind und Wolken. Die Treppe wirkt wie ein skulpturaler Kern, durch den das Haus atmet und Bewegung als Teil des Aufenthalts begreifbar wird.
Form und Bedeutung – das Haus als Stachelrochen
Mit der Zeit nahm das Gebäude unabsichtlich die Form eines Stachelrochens an. Davidson sieht darin keine dekorative Absicht, sondern ein Ergebnis des Ortes. Die Insel gab die Richtung vor. Der Baukörper wirkt wie eine organische Entdeckung, geformt durch Wasser, Wind und steinige Strukturen.
Fazit | tl;dr
Das Lizard House zeigt, wie Architektur einen Ort nicht besetzen, sondern erweitern kann. Es ist kein Projekt, das sich über seine Umgebung stellt. Es ist ein Bau, der dem Ort dient und dem Besucher die Natur auf eine ruhige, fast meditative Weise zugänglich macht.


