Lehrjahre sind keine Herrenjahre, heute: Howie

In meinem damaligen Ausbildungsbetrieb hatten wir einen Außendienstmitarbeiter, über den ich unbedingt erzählen muss. Howie war aus rein optischen Gesichtspunkten jetzt nicht unbedingt jemand, den man auf Kunden loslassen sollte. Mit leichten Hang zur Adipositas und einem eher albinoösen Antlitz machte sein burschikoser Meckischnitt eigentlich auch nicht mehr viel aus. Da man zu der Zeit gerade eine Filiale im frisch eröffnetem Osten plante, rannten ohnehin eine Menge Eastside-Cooperator durch die Gänge des Ladens; zur Not konnte man Howies Style-Fauxpas also irritierten Kunden immer noch mit östlich erklären. Aber darum soll es hier gar nicht gehen – Howie hatte nämlich ein Ego wie das eines zweitklassigen, österreichischen Ulkfilmidols der 90er, welches es später zum Gouverneur Kaliforniens schaffte. Außerdem wusste, kannte und konnte er Alles – daher auch der Spitzname, welchen man ihm liebevoll in Anlehung an Colt Seavers Prügelkollegen Howie Munson verlieh. Und zweifelsohne war Howie sehr unterhaltsam. Ein Hafensänger vor dem Herren, aber wenn er am Freitag wie alle Außendienstmitarbeiter seinen Bürotag hatte, war die Stimmung ausgelassener als römische Heizungen Mitte August.

Ich erinnere mich als sei es gestern gewesen, als Howie am frühen Nachmittag anrief und maximalaufgeregt von einem Pärchen berichtete, welches er soeben kopulierend auf einem Schreibtisch erwischt hätte. Howie war als Außendienstler für den Großraum Hamburg zuständig, angeblich hatte er einen Termin in einer Druckerei, war 10 Minuten zu früh und wurde so Zeuge eines ungenierten A Tergos. „Es war unglaublich – die haben sich gar nicht stören lassen und einfach weiter gemacht! Es ist wirklich Jammerschade, dass ich die Polaroid im Auto hatte! Freitag erzähl‘ ich mehr, Schüss!“. Na klar. Man konnte nie sicher sein, was von Howies Geschichten der Wahheit entsprach. Aber eigentlich war’s auch egal – es ging um das Entertainment. Natürlich wollte ich allen Kollegen sofort von Howies neuestem Abenteuer erzählen. „Ronny, hör‘ mal, der Howie hat gerade in Hamburg in einem Büro ein wildes Pärchen in flagranti erwischt!“. „Dadsöschlisch? Wö liegt Flögranti?“. „Ehm, …bei Eppendorf. So die Ecke.“. Aber nett waren sie, die neuen Kollegen aus dem Osten.

Natürlich war es keine gewöhnliche Büroliebelei, die Howie da erspähte. Es war ein lupenreiner Hochglanz-Porno. Die Sekretärin trug 24cm hohe, rotbelackte Highheels, ihr Stewardessen-Outfit war nur so behelfsweise hochgeschoben und ihr Dekolletée wippte auf dem Vermittlungstelefon. Der Mann – natürlich afrikanischer Abstammung – hatte drei Unterarme, benutzte Schimpfworte und verteilte wollüstige Kläpse. Natürlich glaubte nicht ein Kollege auch nur ein Wort, aber immerhin konnte man mal wieder herzhaft lachen – was in Zeiten der aktuellen Solidaritäts-Einarbeitungsphase dringend notwendig war. An diesem Freitag nachmittag wurde mir klar: Das. Will. Ich. Auch! Sowohl eine aktive Büropimpereye als auch diese voyeuristischen Vorteile des Außendienstes. Dieser Job war doch wie für mich gemacht: ich sah auch scheiße aus, hörte mich immer schon selbst liebend gerne reden, hatte die nötige Fantasie und vier Tage die Woche ronnyfrei waren auch nicht die allerschlechtesten Aussichten.
____
[Und es sollte passieren! Beides. Also, so mehr oder weniger. Dazu später mehr…]

Kommentare

13 Antworten zu “Lehrjahre sind keine Herrenjahre, heute: Howie”

  1. Toby sagt:

    gespannt aufs continue! :)

  2. Tanja sagt:

    Na auf die Fortsetzung bin ich gespannt … MC Winkel mit der Kippe im MundWINKEL, Dame im Vierfüßlerstand vor ihm abwechselnd rechts und links klappsend und nebenbei noch Geschäfte abschließen. Trifft es das? *Lach

  3. denzel sagt:

    ich hab noch einen koffer in flagranti! :o)

  4. Fortsetzung wird bestimmt smeed of laif.

  5. SCUD sagt:

    näääh mc ich glaube in flagranti war eher so Rotherbaum die Ecke ^^

  6. Icke sagt:

    Gibt doch die MC Winkel besucht alte Schauplätze, besuch doch mal das Flagranti. Am besten in weiblicher Begleitung.

  7. Donna sagt:

    „Solidaritäts-Einarbeitungsphase“

    Wann genau ist damit eigentlich Schluß, Herr Winkelsen? ;o)

  8. Können Sie als Freiberufler nun Büropimperei unter Spesen abbuchen?

  9. 1165 sagt:

    Etwas holprig Mr. MC, wie wärs denn mit etwas sacken lassen vorm Sendeknopf. Potential ist auf jeden Fall vorhanden, bei der großen Liebe zum Adjektiv, ich freu mich auf Fortsetzung…

  10. MC Winkel sagt:

    @Toby: zurecht!
    @Tanja: Ehm… nein! :)
    @denzel: :)
    @Jerry B. Anderson ™: Na mindestens!
    @SCUD: Ach so. Naja, ich komm‘ aus Kiel! :)
    @Icke: Könnte man machen. :))
    @Donna: Niemals, liebe Donna – leider wirklich niemals! :)
    @ChliiTierChnübler: Mit 12 gewöhnte ich mir ab, für Pimpereyen zu bezahlen! ^^
    @1165: Nix da „holprig“ – fand den fluid wie eh und je! :)

  11. Pssst! sagt:

    so rote hohe lackteile fehlen mir noch, bettschuhe quasi! *g*

    nen guten rutsch, mein lieber! feiert schön!

  12. feronia sagt:

    Ein gesegnetes neues Jahr!
    Nun wird es aber mal Zeit für die Fortsetzung, werter MC…

  13. 1165 sagt:

    Hauptsache Du fühlst Dich gut und einige Leser auch. :-)
    Frohes Neues Jahr!

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert.