Larry June, Curren$y & The Alchemist – „Spiral Staircases“ ist die Hochkultur des Laid-back Rap

Larry June Spiral Staircases

Es gibt Kollaborationen, die sich wie harte Arbeit anfühlen, und es gibt jene, die klingen, als wären sie zwischen zwei Schlucken eines perfekt temperierten Weins und einer Fahrt im Oldtimer entstanden. „Spiral Staircases“ gehört definitiv in die zweite Kategorie. Wenn sich Larry June, Curren$y und The Alchemist zusammentun, dann erwarten wir keinen schweißtreibenden Moshpit-Sound. Wir erwarten eine akustische Maßanfertigung: Elegant, entschleunigt und von einer tiefen, inneren Ruhe getragen.

Die Alchemie der feinen Zwischentöne

The Alchemist hat für dieses Projekt tief in seine Kiste mit cineastischen, Vintage-artigen Texturen gegriffen. Der Sound ist „Anti-Rap“ im besten Sinne: Keine überladenen Kicks, kein hektisches Hi-Hat-Geklapper. Stattdessen bekommen wir Produktionen, die sich wie ein edles Kaschmir-Piece um die Texte wickeln. Hier wird nicht um Aufmerksamkeit geschrien; man besitzt sie einfach durch bloße Präsenz.

Besonders deutlich wird das bei „Empty Pages“. Der Track ist die Definition von Eleganz im Hip-Hop. Warme Hörner, ein unaufgeregtes Tempo und verführerische Vocals im Hintergrund bilden das Fundament. Während Curren$y gewohnt lässig über sein Dasein als einer der entspanntesten Player des Planeten philosophiert, liefert Alc am Mikrofon einen unorthodoxen Flow ab, der zeigt, dass er auch als Rapper eine ganz eigene, fast schon intellektuelle Gravitation besitzt. Larry June macht das Trio komplett und klingt dabei so souverän, als hätte er das Mic direkt vor einem entspannten Nachmittag im Garten in die Hand genommen.


Zwischen Soul und stilistischer Dominanz

Ein echtes Highlight der Platte ist „P.1.G.“. Hier verschmelzen June und Spitta förmlich mit dem soulig-hypnotischen Beat. Es ist weniger ein Rappen über den Rhythmus, sondern vielmehr ein Gleiten. Die beiden wirken hier mit einer ruhigen Dominanz ausgestattet, die keinerlei Prahlerei nötig hat. Es ist dieser „Fourth Quarter“-Vibe: Man weiß, dass man das Spiel bereits kontrolliert und muss niemandem mehr etwas beweisen. Das ist keine laute Machtdemonstration, sondern die stille Gewissheit der eigenen Qualität.

Wenn man wissen will, wie es klingt, wenn Stilbewusstsein vertont wird, muss man „Everything Allocated“ hören. Der Beat ist düster und stimmungsvoll, hält aber genug Drive, um den Fokus scharf zu stellen. Larry June eröffnet unbeeindruckt, gefolgt von einem messerscharfen Curren$y, dessen abfälliger Delivery man anhört, dass er die Welt mit einer gewissen Distanz betrachtet. Lyrisch geht es um die Früchte der Arbeit – Immobilien, Mobilität und Ästhetik –, aber vorgetragen mit einer Nonchalance, die ihresgleichen sucht.

Ein Menü für Kenner

„Spiral Staircases“ ist kein Album für den schnellen Konsum. Es ist keine fettige Fast-Food-Platte, die mit Effekten um sich wirft. Es ist vielmehr ein sorgfältig kuratiertes Menü. Man schätzt es für seine Raffinesse, die Liebe zum Detail und seine zeitlose Aura.

Die sieben Tracks fühlen sich organisch an, von den „Stars On The Roof“ bis zu den fast schon meditativen Momenten von „Palo Santo“. Wer auf der Suche nach einem Soundtrack für die ruhigen Momente des Lebens ist, kommt an diesem Release nicht vorbei. Es ist die perfekte Untermalung für den Lifestyle derer, die ihre Erfolge nicht an die große Glocke hängen, sondern sie in aller Stille genießen.

Larry June, Curren$y & The Alchemist – „Spiral Staircases“ // Spotify:

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