Kieferorthopädisches Sportfleckensalz

Habe am Wochenende das Bett neubezogen, dabei im Schrank das Excusing-Set erblickt, da fiel mir ein, dass ich über das Excusing-Set noch gar nicht berichtet habe, was ich dringend nachholen muss und was mir dann hoffentlich auch hilft, mit dieser Geschichte abzuschließen, die mir wirklich tiefe, psychotraumatische Einschnitte bescherte. Das Ganze spielte sich an einem frühherbstlichen Wochenende im Jahr 2001 ab, ich war an der Reihe, auch mal wieder ein vorpartygliches Zusammentreffen unseres Freundeskreises bei mir zu veranstalten. Ich versuchte jedes Wochenende, diese Sit-ins den eher zentral wohnenderen Freunden reinzuorganisieren, von wegen „zu Fuß weiter, man spart Taxigeld“ oder so, aber irgendwann kommt man da nicht mehr drumherum wie barfuß auf öligen Wendeltreppen. Ich hasste diesen wohnzimmerlichen Bier-/Kippengeruch am Folgetag, feudeln statt saugen, die CD-Sammlung musste immer wieder neu sortiert werden – am meisten Schiss hatte ich allerdings von fremden Flüssigkeiten im eigenen Mobiliar. Und an diesem Wochenende wurde ich gleich doublepenetratet; so sinngemäß.

Das Wochenende begann am Freitag um 20.00h, die ersten Gäste kamen, nahmen den Kühlschrank für ihre mitgebrachten Stammgetränke in Beschlag und sicherten sich die besten Sitzplätze. Der Rest trudelte so nach und nach ein, zuletzt kamen immer die Singlefrauen, die liessen sich im Vorfelde über bis heute unermittelte KonspirantInnen eine Anwesenheistliste durchfunken, waren immer sehr stark geschminkt und hatten aufdringlich laute Lachen, was vermutlich ein größeres Selbstbewusstsein vortäuschen sollte. Eine von ihnen war Nadine, bei der ich mich im Jahr zuvor vom lauten Stimmorgan in allen Lebenslagen selbst überzeugen durfte. Ich forcierte da jedoch nichts, sie trug ein Waschbär-Tattoo auf der Schulter und mehr muss da auch gar nicht sagen.

Ich merkte, dass sie sich mit Fred recht gut verstad, liess die beiden dann sogar in der Wohnung zurück, als ich mich mit den anderen auf den Weg in die Stadt machte. Als ich dann fünf Stunden später zurückkam, waren die beiden immer noch da, jedoch nicht mehr im Wohnzimmer. Ich klopfte an meine Schlafzimmertür, „Ihr, ihr bleibt die Nacht?!“. „Wenn’s geht?!“. „Jaja, aber saut nichts voll.“, sagte ich und reichte ruch ein Handtuch durch den Türschlitz. Ich war offensichtlich zu spät, wie ich beim Aufräumen feststellte. Freds Sportfleck auf meiner Bettdecke berührte dann sogar meinen Arm, ich kochte die Wäsche und desinfizierte meinen Unterarm mit einem Domestosalzsäurelaugengemisch.

Am Samstag wurde das dann nochmal in großer Runde, besprochen: darf man Freunden in die Bettwäsche ejaculaten?! Nach zwei Stunden sachlicher Diskussion der einvernehmliche Tenor: auf Keinsten! Moral, ethische Skills, Respekt, Baumwollliebe – der niederträchtige Täter hätte nichts von alledem. Wir feierten in diversen Clubs und kurz vor dem Ende der Nacht beschloss ich, meinem Freund Moritz auszuhelfen, der Jemanden kennenlernte und motelmäßiges Zwischen-Asyl brauchte, seine Freundin würde es möglicherweise nicht zu sehr begrüßen, wenn er seine neue Parttime-Bekanntschaft mitbrächte. Ich musste es tun, war komplett broke und Moritz versprach, das Taxi zu bezahlen hatte vollstes Verständnis, zumal ich seine Freundin auch kannte und wusste, dass sie Fellatio für eine seltene, ostasiatische Schmetterlingsart hielt. Ich gönnte Moritz das bißchen Rumgetüddel, ein Leben ohne Mundentspannung ist doch kein Leben, das kann Euch jeder Kieferorthopäde bestätigen. Was ich nur unterschätzte: die Kleisterschwall-ähnliche Benetzung meines Lakens. Als hätten Maler am Vormittag die Decke tapeziert – ohne Tapeten. In Moritz‘ Duden steht Bukkake noch mit 6k, was hatte der tagsüber gegessen, Moltofill?

Immerhin sah er’s selbst und ein – die beiden bezogen mein Bett neu und versprachen Ersatz, welchen ich am folgenden Mittwoch bekam: das „Excusing-Set“, ganz in weiß. Sehr witzig.

Kommentare

10 Antworten zu “Kieferorthopädisches Sportfleckensalz”

  1. venture sagt:

    MC, dat du unheimlich ungern Menschen bei dir in der Bude hast habe ich dir aber nicht zugetraut.;-)

  2. mithrandir sagt:

    Du meinst Methylan, nicht Moltofill (das wäre dann Gips)

  3. singhiozzo sagt:

    Alter! Wie geil war die Geschichte denn? Hätte beinahe meinen ersten Kaffee heute über die Tastatur gespuckt! Allein der Gag mit dem Tapezieren ohne Tapeten – herrlich! So muss ein verregneter (oh, ich fange lieber nicht mit dem Wetter an, sonst wirst du wieder ungehalten) Morgen Ende Juli anfangen.

  4. Addliss sagt:

    Absolutely insane! Diese Leute, die einem die Bettwäsche vollmachen…

    Genial fand ich ja das „Domestosalzsäurelaugengemisch“ und den Waschbären auf der Schulter. Mehr muss man dazu wirklich nicht sagen! :D

  5. Josh sagt:

    Fantasiastisch!

  6. Gilli Vanilli sagt:

    ich hätte gleich noch ne neue matraze verlangt – das hat doch sicher durchgesuppt meinst nicht?

  7. Sarah Yasemin sagt:

    Das war wenigstens ‚bekanntes‘ Sperma – wenn man als Frau diversen Freundinnen die Couch oder Bett leiht, dann hat man Fremd-Ejakulat in den Laken – das ist sehr verstörend

  8. Erdge Schoss sagt:

    Entschuldigen Sie, werter Herr Winkelsen,
    dass ich’s mir nicht gleich notiert habe.
    Wollten Sie jetzt Holz statt Alu oder Alu statt Holz?

    Herzlich
    Ihr Schoss

  9. hartl sagt:

    Ich frage mich gerade, warum meine Oma selig immer einen Plastikschonbezug auf der Couch hatte.
    Hoffentlich wegen ihrer Katze.

  10. Jens M. sagt:

    Einer der besten Shorties von Dir !……

    ich muss mir abgewöhnen, die Dinger nach meiner Mittagspause bei der arbeit zu lesen….die Lacher geben immer Struggle mitn Chef :-)

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