John Lautner Dahlstrom Residence Pasadena – Das restaurierte Meisterwerk von 1949 im Detail

John Lautner Dahlstrom Residence

Im Nordosten von Los Angeles, eingebettet in die sanften Hügel von Pasadena, steht ein architektonisches Juwel der kalifornischen Nachkriegsmoderne. Das im Jahr 1949 von John Lautner entworfene Dahlstrom Residence verkörpert auf meisterhafte Weise das Streben nach fließenden Räumen, kühnen Ingenieurleistungen und einer organischen Synthese aus Bauwerk und Landschaft. Eine aktuelle Episode von Open Space (Youtube) gewährt nun einen seltenen Einblick in dieses frisch restaurierte Meisterwerk, begleitet von fundierten Analysen des Schweizer Architekten und Historikers Frank Escher. Die John Lautner Dahlstrom Residence in Pasadena, das restaurierte Meisterwerk von 1949 – wir schauen es uns an.

Schüler von Frank Lloyd Wright: Die Wurzeln eines Genies

John Lautner zählt unbestritten zu den prägendsten Figuren der kalifornischen Architekturgeschichte. Seine formative Phase verbrachte er von 1933 bis 1938 an der Seite der Bau-Ikone Frank Lloyd Wright. Wright schätzte Lautners Talent außergewöhnlich hoch, bezeichnete ihn in Briefen an Klienten als seinen Jungen und vermittelte ihm eigene Projekte. Der renommierte Architekturfotograf Julius Shulman überlieferte gar das Zitat Wrights, Lautner sei der zweitbeste Architekt der Welt – gleich nach ihm selbst. Als Lautner 1938 nach Los Angeles zog, begann eine Karriere, die das Gesicht Südkaliforniens nachhaltig verändern sollte.


Tragwerkskunst und Ingenieursgenie: Das System von Richard Bradshaw

Nach dem Zweiten Weltkrieg kollaborierte Lautner intensiv mit führenden Bauingenieuren der Epoche. Während er mit Edgardo Contini Serien innovativer Wohnhäuser mit vorgefertigten Dachstrukturen entwickelte, stützte er sich beim Dahlstrom Residence auf die Expertise von Richard Bradshaw. Bradshaw entwickelte für dieses Haus ein brillantes statisches System, dessen Tiefe bereits in den originalen Bauzeichnungen fasziniert.

Die tragenden Stahlstützen wurden mehrere Fuß tief im Erdreich verankert. Durch diese effektive Auskragung aus dem Boden erhielt das gesamte Gebäude seine notwendige Queraussteifung, ohne dass massive Wände die Raumwahrnehmung einschränken mussten. Bereits bei der Anfahrt wird der ikonische Charakter dieser Konstruktion deutlich.

Elegante Geometrie: Der geschwungene Zugang

Die Zufahrt zum Grundstück stellte Lautner vor eine komplexe gestalterische Aufgabe. Da der Zugang in einem schrägen Winkel erfolgt, drohte dem Ankommenden eine visuelle Unruhe. Lautner löste dieses Problem durch eine halbkreisförmige Front, die dem Besucher trotz des schrägen Anfahrtswinkels das Gefühl einer frontalen Annäherung vermittelt.

Um zudem lästige Stützen im Parkbereich zu vermeiden, schufen Lautner und Bradshaw einen auskragenden Stahlträger. Dieser zieht sich weit über die Einfahrt und ruht elegant auf einer einzigen Stütze. Diese rein funktionale Statik wird zum prägenden, ikonischen Gestaltmuster des Hauses. Diese Grundidee der Radien setzt sich nahtlos im Innenraum fort.

Organische Raumabfolgen: Die Magie der Kreise

Statt eines dunklen, beklemmenden Flurs betritt man das Gebäude durch eine atemberaubende, holzverkleidete Raumschlucht. Holzzylinder und geschwungene Formen strukturieren das Innere. Ein erster Zylinder – einst eine Garderobe, heute eine Dusche – leitet über zum Master-Schlafzimmer, welches ebenfalls als halboffener Zylinder konzipiert ist. Durch abgesenkte Zentren und geschwungene Wände wirken die Räume optisch wesentlich größer, als es der tatsächliche Grundriss vermuten ließe.

Eine geschwungene Schiebewand verbindet das Schlafzimmer mit dem Wohnbereich. Wird sie geöffnet, verschmelzen die Räume zu einer einzigen, fließenden Einheit. Zur originalen Ausstattung zählt zudem ein integriertes, rotierendes Bücherregal, das clever die zentrale Stahlstütze kaschiert, sowie maßgefertigte Sitzbänke mit elegant abgerundeten Ecken.

Restaurierung als Kultur- und Werterhalt

Architekt Frank Escher, der 1994 die erste Monografie über Lautner herausgab und lange das Archiv des Architekten betreute, erinnert sich an seinen ersten Besuch im Dahlstrom House in den 1990er-Jahren. Damals war das Gebäude weiß überstrichen und stark verändert. Die jüngste, extrem sorgfältige Restaurierung brachte jedoch den ursprünglichen Charakter zurück. Das Zusammenspiel von rohen Betonböden mit integrierter Fußbodenheizung, sichtbaren Stahlträgern und warmen Holzelementen zeigt Lautners meisterhafte Materialsprache.

Escher betont, dass der sorgfältige Erhalt architektonisch bedeutender Häuser der Nachkriegszeit längst nicht mehr nur kulturellen Wert besitzt. Solche Meisterwerke haben sich zu begehrten Sammlerstücken gewandelt, deren historischer und finanzieller Wert Hand in Hand gehen. Das aktuell auf dem Markt angebotene Dahlstrom Residence wartet nun auf einen Besitzer, der dieses baukulturelle Erbe auch für zukünftige Generationen bewahrt.

John Lautner Dahlstrom Residence Pasadena – Das restaurierte Meisterwerk von 1949 im Detail

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