Jack Harlow – „Monica“ // NeoSoul und das Wagnis der Melodie

Jack Harlow Monica

Mit seinem neuen „Monica“ Album überrascht der US-Künstler Jack Harlow die Musikwelt auf eine Weise, die wohl kaum jemand vorhergesehen hätte. Wer nach dem Erfolg von Jackman eine Rückkehr zu tighten Trap-Beats oder den gewohnten Rap-Hymnen erwartet hat, wird auf Monica eines Besseren belehrt. Der Rapper aus Louisville (war ich 2014) lässt das Mic weitgehend liegen und tauscht die Rap-Parts gegen sanften Gesang und eine tiefenentspannte Neo-Soul-Atmosphäre ein. Benannt nach der R&B-Ikone der 90er Jahre, ist dieses Werk eine mutige Neuerfindung, die vor allem durch ihre atmosphärische Dichte und eine bemerkenswerte emotionale Offenheit überzeugt.

Jack Harlow x Monica – Ein radikaler Bruch mit der Vergangenheit

Der Weg zu Monica war von künstlerischen Häutungen geprägt. Jack Harlow verwarf kurz vor Release vier fertige Singles und zog nach New York in die legendären Electric Lady Studios. Das Ergebnis sind neun Tracks, auf denen kein einziger Rap-Vers zu finden ist. Stattdessen setzt Harlow auf eine Verletzlichkeit. Die man in dieser Form selten von ihm gehört hat. Dass er kein klassisch ausgebildeter Sänger ist, macht dabei paradoxerweise den Reiz aus. Seine Stimme wirkt nahbar und ungeschliffen, was hervorragend zu den intimen Geschichten über Sehnsucht und Distanz passt.


Starke Frauen und einsame Nächte

Thematisch dreht sich auf dem Album alles um Begegnungen mit Frauen, die ihren eigenen Weg gehen. Sie sind unabhängig, erfolgreich und alles andere als wartend. Besonders deutlich wird dies in dem Stück „Lonesome“, das durch seine ausgefeilte melodische Struktur glänzt. Harlow bewundert hier eine Frau, die an ihren eigenen Projekten arbeitet und mit sich selbst im Reinen ist. Auch „Prague“ fängt dieses Gefühl der räumlichen und emotionalen Trennung ein, wobei die Produktion eine fast schon hypnotische Wirkung entfaltet. Es ist erfrischend zu hören, wie Harlow sich hier eher als beobachtender Erzähler positioniert. Anstatt die gewohnte Rolle des Eroberers einzunehmen.

Jack Harlow x Monica – Die Magie der Produktion

Ein entscheidender Faktor für die Qualität von Monica ist die Arbeit von Aksel Arvid, der sieben der neun Songs produziert hat. Die Beats sind reduziert, die Drums bleiben dezent im Hintergrund, und weiche Basslinien führen durch die Tracklist. In „My Winter“, dem vielleicht stärksten Song des Albums, sorgen die Orgelklänge von Cory Henry für eine wohlige Wärme, die perfekt mit Harlows Text über innere Zerrissenheit harmoniert. Die Background-Vocals von Ravyn Lenae fügen sich zudem organisch in das Gesamtbild ein und verleihen den Songs eine zusätzliche Ebene, ohne Harlow den Raum zu nehmen.


Ein hoffnungsvoller Ausklang

Trotz der Melancholie, die viele der Stücke durchzieht, endet das Album mit einem unerwartet positiven Akzent. Das gesprochene Outro auf „Against the Grain“ erzählt die Geschichte eines Paares, das ohne großes Drama zueinanderfindet – vom ersten Treffen am Freitag bis hin zur Hochzeit. Es dient als schöner Kontrapunkt zu den vorangegangenen Erzählungen über verpasste Chancen. Monica ist vielleicht kein perfektes Pop-Album. Aber es ist ein ehrliches und mutiges Projekt eines Künstlers, der bereit ist, für seine Vision Risiken einzugehen. Harlow beweist, dass er mehr ist als nur ein Rapper; er ist ein Musiker, der sich traut, neue Wege zu beschreiten.

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