Insomnia Roadkill (Part 2)

[Teil 1 hier]

Also der Mittwoch der vorletzten Woche, mitten in der Nacht um halb neun – kein Chinese, es ist der Heinzungs-Dude. War angekündigt. Einige Heizungen der 18 zu diesem Wohnkomplex gehörenden Apartments würden nicht mehr richtig warm werden, man müsse einmal entlüften. Wenn ich um halb neun entlüfte, dann stelle ich vorher sicher, dass ich alleine bin. Wie unsozial ist es, da andere Menschen mit reinzuziehen? Um diese Uhrzeit?! „Herr Winkelsen, wir müssten nur mal eben alle Heizungen bei Ihnen voll aufdrehen. Können sie aber auch gerne selbst machen!“, „Natürlich mach ich das selbst, aber warum hat man das nicht vorher erzählt?“, „Aber wir waren doch angekündigt?!“, „Ja, doch aber wohl nicht nur, um die Heizung voll aufzudrehen? Warum hat man das nicht angekündigt, das hätte ich dann doch Nachts noch machen können?!“. Ein Schulterzucken. Typ war noch jünger, ich nehme an, er wusste genau, was ich meinte, konnte es aber ja auch nicht ändern. „Also in 2 Minuten sind Heizungen hier aufgedreht, wie lange brauchen Sie dann?“. „Bis zum Nachmittag.“. An ein erneutes Einschlafen war natürlich nicht mehr zu denken.

Der Donnerstag dann zunächst ohne größeren Struggle. Insgesamt vielleicht etwas zu kalt, auch wenn die Heizung jetzt wieder einwandfrei funktioniert. Auf dem Weg zum Mittagessen hole ich dann Geld aus dem Automaten, welches ich direkt dort vergesse (die Müdigkeit dieser Mammutwoche hat mich ein wenig aus den Bahnen gelotst), nach dem Mittagessen inklusive des peinlichen Geständnisses, trotz Geldabhebung broke zu sein (ich war dann nochmal bei einem anderen Scheinwerfer und hab nachgeordert) hatte ich dann noch einen Arzt-Termin. Wer einen nervösen Magen hat, der möge an dieser Stelle bitte nicht weiterlesen und bis zum letzten Absatz vordringen. Denn krank bin ich (bis auf die offensichtliche Midlifecrisis und all die Neurosen) aktuell nicht, es geht um eine Vorsorgeuntersuchung, die ich mir für den Dezember eingetragen hatte, beim: Urologen.

Prostatakrebs-Vorsorge. Dezember ist klar, so einen Besuch prokrastiniert man natürlich, so lange es nur geht. An einer kleinen Hafenrundfahrt durch Herrn Doktor Aynal Bathoul würde ich nicht umhinkommen, soviel war klar. Ich hatte nur keine Ahnung, was es da inzwischen für ein urologisches Mobiliar gibt. Zu sehr ins Detail möchte ich da jetzt nicht gehen, aber es war aus Chrome, ca. 20cm lang, hatte locker den Durchmesser eines Kinderarmes (Vorschule) und wurde mit 20-30g durchsichtigem (+ sehr und kühlen) Rutschgel beträufelt. Es wird dann bis zur Vorsteherdrüse eingetunkt, auf dem Hin- und auf dem Rückweg werden im Abstand von jeweils einem Zentimeter irgendwelche ultraschallogösen Aufnahmen gemacht, nach 5 Minuten, die sich wie 5 Jahrzehnte anfühlen, darf man sich dann das Restgel aus der Falte schaben, bevor es zur Urinprobe geht. Die Ejakulations-Probe verschob ich dann nach Rücksprache mit meiner Libido, früher war mehr Lametta, wie es hieß.

Die Ergebnisse sind inzwischen da, ich habe weder Prostata-, noch Hoden- oder Blasenkrebs (hab‘ NMP22 gleich mitchecken lassen, ftwk) und auch sonst alles normal, was ja schonmal ganz geil ist. Was ich allerdings noch nicht wusste, als ich die Praxis verliess und mein Auto mit einem Kratzer an der hinteren Stoßstange vorfand. Während man mir in 50 Metern Luftlinie ein verchromtes Designertischbein in die Körpermitte ferchte, wurde mein Auto also angefahren. Fahrerflucht. Aber mit Hinweis hinter dem Scheibenwischer, eine junge Dame hatte den Vorfall beobachtet und hinterließ mir einen Zettel mit Kennzeichen und ihrer Mobilfunknummer. Um an den Halter zu kommen, bedarf es jedoch einer Anzeige bei der Polizei. Wo ich dann den Freitag Abend verbrachte und direkt zwei Anzeigen platzieren musste: einmal wegen Fahrerflucht und einmal wegen Diebstahl – meine Bank teilte mir nämlich tagesaktuell noch mit, dass mein Geld nicht wieder eingezogen, sondern mitgenommen wurde. Und um das Material der Überwachungskamera sehen zu dürfen, bedarf es hier ebenfalls einer Anzeige. Da gibt es auch schon (sehr mysteriöse!) News, diese Woche erfahre ich, wer es war. Herr im Himmel, ich glaube nicht im Geringsten an Dich, aber lass es die Nachbarin gewesen sein! Ich kenne sie selbst noch nicht, aber: Fortsetzung folgt!

Kommentare

4 Antworten zu “Insomnia Roadkill (Part 2)”

  1. Honey, löblich. Vorsorgeuntersuchungen und so. Aber zum Thema Lametta möcht ich wieder mehr lesen.
    Und Melatonin 5 mg auf die Nacht und du schläfst dich wieder schön.

  2. Slavefriese sagt:

    Oha, das mit der Kohle am Automaten ist mies. Normal geht doch, nachdem man seine Karte rausgezogen hat die Klappinski mit den Scheinen auf und nach 30-45 Sekunden schnell wieder zu… da muss ja direkt hinter dir einer Gestanden haben um dann nachdem zu weggingst ganz schnell die Scheine rauszugrabben…

  3. gosu sagt:

    Großartiger Artikel. Mehr von solchen Stories bitte. (Auch wenn ich grundsätzlich natürlich weniger solcher Vorfälle wünsche ;-) )

  4. Olaf sagt:

    Bitte, her mit Teil 3…

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