“Hör auf zu laufen!” – Ein Teaching von Thich Nhat Hanh

Thich Nhat Hanh Teaching

In der buddhistischen Tradition spielt die Praxis des Anhaltens eine entscheidende Rolle. In diesen Momenten tun wir buchstäblich nichts. Wir setzen uns einfach hin und lassen unseren Körper ruhen. Doch das ist nicht immer einfach, denn unser Körper hat die Tendenz, ständig in Bewegung zu sein. Es gibt eine Energie, die uns antreibt, die uns dazu drängt, aktiv zu sein, zu rennen und etwas zu tun. In diesem Teaching von Thich Nhat Hanh, buddhistischer Mönch, Schriftsteller und Lyriker, lernen wir, damit aufzuhören.

Die Einheit von Körper und Geist

Die Beziehung zwischen Körper und Geist ist eng. Der Körper enthält den Geist und der Geist enthält den Körper. Um also den Geist zur Ruhe zu bringen, ist es notwendig, auch den Körper zur Ruhe zu bringen. Diese Einheit von Körper und Geist ist der Schlüssel.

Die Praxis des Anhaltens bedeutet nicht nur, den Geist zur Ruhe zu bringen, sondern auch den Körper. Der Körper hat die Gewohnheit, in Bewegung zu bleiben, und oft verspüren wir eine Unruhe im Körper. Das Anhalten des Körpers trägt dazu bei, den Geist zur Ruhe zu bringen.

Die Kunst des Anhaltens

Die Kunst des Anhaltens, oder auf buddhistisch “Samatha”, ist keine leichte Aufgabe. Sie erfordert Training, einen starken Willen und den Wunsch, wirklich innezuhalten. Unsere Gewohnheit, ständig zu rennen, wurde möglicherweise von unseren Eltern übernommen, die sie wiederum von ihren Eltern geerbt haben. Aber durch die Begegnung mit der buddhistischen Lehre haben wir die Möglichkeit, diese Gewohnheit zu durchbrechen.

Die Anweisung des Buddha lautet: “Halt an, mein Kind”. Diese Aufforderung ist eine Chance, die Gewohnheit des Rennens zu überwinden und die Energie des Anhaltens zu entwickeln. Indem wir uns sagen “Ich bin angekommen, ich bin zu Hause” erkennen wir an, dass alles, wonach wir suchen, bereits hier und jetzt vorhanden ist.

Zwei Flügel eines Vogels: Samatha und Vipassana

Im Buddhismus werden Samatha und Vipassana als die beiden Flügel eines Vogels betrachtet. Samatha ist die Kunst des Anhaltens, des völligen Wohlbefindens im gegenwärtigen Moment. Vipassana ist die Praxis des tiefen Schauens, um Einsicht zu gewinnen.

Beide Praktiken sind untrennbar miteinander verbunden. Samatha allein ist nicht möglich ohne Vipassana und Vipassana allein ist nicht möglich ohne Samatha. Sie sind wie die zwei Flügel, die es dem Vogel ermöglichen, frei zu fliegen.

Heilung durch das Anhalten

Die Praxis des Anhaltens ist auch eine Praxis der Heilung. Durch bewusstes Atmen und Gehen, durch jede Handlung im gegenwärtigen Moment, können wir eine Atmosphäre der Heilung schaffen. Selbst wenn wir tiefe Wunden in unserem Körper oder unserer Seele haben, können wir durch das Anhalten und bewusste Atmen den Heilungsprozess in Gang setzen.

Unser Atem wird zu einer Quelle der Heilung, wenn wir ihn bewusst als Ausdruck des Ankommens und der Ruhe gestalten. Jeder Atemzug wird zu einem Instrument der Heilung, das uns hilft, jeden Moment unseres Lebens bewusst zu leben.

Die Stimme des Buddha in uns

Thich Nhat Hanh lehrt uns, auf die innere Stimme des Buddha zu hören, die uns dazu aufruft, innezuhalten und im gegenwärtigen Moment zu leben. Diese Stimme spricht zu uns, wenn wir bewusst atmen und Schritte setzen. Sie erinnert uns daran, dass wir bereits das sind, was wir werden möchten: Buddhas, erleuchtete Wesen.

Die Praxis des Anhaltens ist nicht nur eine spirituelle Disziplin, sondern auch eine Quelle tiefgreifender Heilung. Indem wir lernen, zu stoppen und wirklich im Hier und Jetzt anzukommen, geben wir uns selbst die Möglichkeit, vollständig zu heilen und ein erfülltes Leben zu führen.

“Hör auf zu laufen!” – Ein Teaching von Thich Nhat Hanh

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