Harrison veröffentlicht „Quiet Miles“ EP // Jazz zwischen Piano, Intuition und zeitloser Ruhe

Als Harrison Robinson 2019 in seinem Studio in Toronto an neuer Musik arbeitete, entstand der bewusste Wunsch nach einer Rückkehr zu den eigenen künstlerischen Wurzeln. Nicht Perfektion oder Erwartungshaltungen sollten den Ton angeben, sondern das, was sich für ihn selbst schön und stimmig anfühlt. Genau aus diesem Impuls heraus formierte sich die jazznahe EP Quiet Miles von Harrison, die Piano, reduzierte Beats und emotionale Offenheit miteinander verbindet. Harrison beschreibt diesen Prozess als eine Hinwendung zu jener Musik, die er als Kind erträumt hat, frei von Zynismus und stilistischen Schutzmechanismen.
Piano als erzählerisches Zentrum
Im Mittelpunkt der EP stehen pianozentrierte Kompositionen, die mit bewusster Zurückhaltung arbeiten. Die Stücke sind kurz gehalten, aber nie flüchtig, sondern wirken wie konzentrierte Momentaufnahmen. Harmonien entfalten sich langsam, während Beats und Texturen dezent im Hintergrund bleiben. Diese Reduktion erzeugt Raum, in dem Melodien atmen können, und lädt dazu ein, den Fokus auf Stimmungen statt auf Strukturen zu legen. Harrison nutzt Wiederholungen nicht als Routine, sondern als erzählerisches Mittel, wodurch sich eine meditative Grundhaltung durch die gesamte EP zieht.
Harrison x Quiet Miles – Jazz als Gefühl und Haltung
Jazz erscheint hier nicht als stilistisches Zitat, sondern als innere Haltung. Improvisation, Offenheit und das Zulassen von Unschärfe prägen den Charakter der Musik. Besonders deutlich wird das in den Stücken mit dem Saxophonisten Jaleel Shaw, dessen Beiträge sich organisch in die Kompositionen einfügen. Statt sich in den Vordergrund zu drängen, erweitert sein Spiel die emotionale Tiefe der Tracks und verstärkt deren nachdenkliche Grundstimmung. Die Zusammenarbeit wirkt dabei selbstverständlich und zurückgenommen, fast so, als seien diese musikalischen Dialoge schon immer Teil der Stücke gewesen.
Kindliche Bilder und leise Farben
Als Inspirationsquelle nennt Harrison unter anderem Zeichentrickserien wie Looney Tunes oder Gumball und deren Soundtracks. Diese Einflüsse äußern sich weniger in konkreten Motiven als vielmehr in einer verspielten Offenheit gegenüber Sounds und Stimmungen. Die EP transportiert eine gewisse Unschuld, ohne naiv zu wirken, und verbindet diese mit der Klarheit eines gereiften musikalischen Ausdrucks. Zwischen Wärme und Melancholie entsteht ein Spannungsfeld, das den Stücken eine zeitlose Qualität verleiht.
Fazit: Ein geschlossenes, ruhiges Gesamtbild
Harrisons jazznahe EP verbindet pianobasierte Kompositionen mit zurückhaltenden Beats und einer offenen, intuitiven Haltung. Das Ergebnis ist eine ruhige, geschlossene musikalische Erzählung, die Kindheitserinnerungen, Jazzsensibilität und zeitgenössische Produktion miteinander verschränkt.


