H.

Er war immer der Extremste von uns. Als wir 6 Bier tranken und uns freuten, dass uns schwindelig wurde und unsere Optik beim schnellen Gucken hakte, trank er 12. Als wir den ersten Joint zirkulieren liessen, rauchte er bereits Wasserpfeife. Als wir uns den Nacken ausrasierten, rasierte er sich den gesamten Kopf und als wir uns die Popper-DocMartens mit Stahlkappe kauften, besorgte er sich Springerstiefel. Einige von uns tranken dann auch mal ein Glas Whisky, da hatte er schon längst Valeron für sich entdeckt.

Selbst in der Schule war er der Extremste: er schrieb ständig die besten Noten. Er lernte niemals für Klausuren, machte niemals seine Hausaufgaben, ging aber alljährlich als Klassenbester in die Sommerferien. Bis das mit den Drogen schließlich aus dem Ruder lief. Er verlor zunehmend die Kontrolle über sein Handeln, war irgendwann täglich breit und schmiss in der zehnten Klasse die Schule. Er stieg auf LSD und Extasy um, tauschte Punk-Attitüde und sämtliche damit verbundene Ideologie gegen stumpfe Technobeats und 72 Stunden anhaltende Parties. Irgendwann begann er aus der Not heraus irgendeine handwerkliche Ausbildung, welche ihn auch über die Maßen unterforderte. Die Berufschule besuchte er nur sehr rudimentär. Und natürlich stets high. Er rauchte sein erstes Blech. Natürlich blieb es nicht dabei. Heroin ist billiger, wenn es man es spritzt. Mit 20 Jahren hing er an der Nadel und machte das mit, was man aus Filmen wie „Der Pirat“ (mit Jürgen Vogel, unbedingt mal ansehen!) nur annähernd erahnen kann. Ein paar erfolglose Entziehungsversuche, dann irgendwann die Eingliederung ins Methadon-Programm. Ein offenes Geheimnis: Methadon-Patienten nehmen zusätzlich zur Ersatzdroge noch Heroin.

So sieht es aus. Und so bleibt es. Er nennt es „Leben mit der Droge“, versucht so gut es geht, über die Runden zu kommen. Er wiegt inzwischen bei 1,80m nur noch gute 50kg, trägt zwei Jeanshosen und zwei Sweatshirts übereinander, damit man es nicht sofort sieht. Neulich sah ich ihn. Er war offensichtlich gerade auf dem Weg zu seinem Drogenartz. Ich hatte ihn bestimmt seit 10 Jahren nicht mehr gesehen, hatte irgendwie immer Angst davor. Und auch jetzt, wo ich ihn leibhaftig über den Bürgersteig schlendern sah, hatte ich Angst. Ich war wie gelähmt, fühlte mich schuldig. Wir waren Freunde, wir haben zusammen C64 gespielt, wir haben zusammen gefeiert, zusammen gelacht. Wir hatten den gleichen Humor. Er war der Klügere, er war hochbegabt, er kam bei den Mädchen an, er hätte ALLES machen können, die Welt lag ihm zu Füßen. Und jetzt sitz‘ ich hier in meinem gottverfluchten Einreiher und schaue aus dem Auto zu ihm auf die Straße … runter? Ich habe nie auf ihn runtergesehen. Und ich werde es auch jetzt nicht tun. Mit ihm reden kann ich aber auch nicht, weil ich nicht weiß, was ich ihm sagen soll. Ich weiß, dass ich ihm nicht helfen kann und er weiß das auch. Warum sollte ich also zu ihm gehen? Ein paar oberflächliche Worte wechseln? „Na, Alter! Holst Du Deine Tagesration? Und hör‘ mal: Könntest ruhig mal wieder eine Wurst mehr in die Erbsensuppe legen!“? Außerdem weiß er es doch gar nicht zu schätzen, dass ich mich tatsächlich um ihn sorge. Junkies fühlen nichts. Seine Seele hat er mit 18 verkauft, sein Herz trocknete spätestens 2 Jahre später vollständig aus. Oder? Vielleicht hätte ich wirklich mit ihm reden sollen? Dann hören vielleicht auch irgendwann einmal meine regelmäßig auftretenden Alpträume mit ihm in der Hauptrolle auf.

Ich fürchte, ich hätte es machen sollen. Aber ich hatte eine scheiß Angst.

Pin It

Facebook Comments:

Kommentare

72 Antworten zu “H.”

  1. rene sagt:

    Was soll ich sagen, Dicker? Die ersten 1,5 Absätze handeln von mir. Das bin ich. Aber ich hab die Kurve gekriegt. Und sonst? Ja, Du hättest zu ihm gehen sollen. Glaub mir, der Typ is verdammt einsam.

    AntwortenAntworten
  2. Oliver Kler sagt:

    Ich verstehe dich. Ich hätte auch eine scheiß Angst. Ich denke auch, dass es ihm nichts gebracht hätte. Ein oberflächliches Gespräch mehr, welches ihn vor Augen hält was aus ihm geworden ist…

    AntwortenAntworten
  3. Heide sagt:

    Ganz grosser Text!

    AntwortenAntworten
  4. wenn du ihn angesprochen hättest, dann wäre SmallTalk am falschen Platz gewesen, andererseits weiss er selber wie dreckig es ihm geht und muss es nicht auch noch von jedem gesagt kriegen. Und was bringt es Dir, wenn Du dann weisst, dass er schon zig Entzüge nicht geschafft hat, vielleicht positiv ist oder ne Hepatitis erwischt hat, nicht weiss wie weiter.. Könntest Du ihm helfen oder würdest Du nur mit betroffener Stimme über ihn mit einem anderen Bekannten aus alten Tagen tratschen… oder einen Posts darüber schreiben…

    AntwortenAntworten
  5. Xe54 sagt:

    ich hoffe, dass du ihm nochmal begenest. ich hoffe du bekommst nochmal scheiß angst. ich hoffe du gehst aber trotzdem zu ihm. mfg Xe54

    AntwortenAntworten
  6. Sebastian sagt:

    Beeindruckender Einblick in den MC.

    AntwortenAntworten
  7. creezy sagt:

    Ehrlich!

    Sachlich falsch allerdings: „Junkies fühlen nichts!“ Vielleicht hätte es ihm einen guten Tag bereitet, wenn ihm einer seiner Ex-Kumpels gezeigt hätte, da redet noch einer mit ihm. Und ja, Deine Träume dürften dann auch aufhören. Du kannst zu ihm gehen und ihm sagen, dass Du eine Scheissangsst hast (hattest) mit ihm zu reden, vermutlich guckt er Dich an und sagt: „ich auch.“

    Das Hauptproblem von Ex-Alkis und Ex-Junkies ist, dass sie oft von der „nicht süchtigen“-Gesellschaft nicht mehr akzeptiert werden. Was bleibt diesen Leuten also, als irgendwann frustriert in ihre alten Cliquen zurück zu kehren, wenn sie mal so etwas wie soziale Ansprache wollen? Die dann dort leider wieder automatisch über die Droge läuft.

    Ehrlich! Bist mir sympathisch.

    AntwortenAntworten
  8. @creezy : genau!

    Ich würde den Kloß im Hals runterschlucken und ihm genau das sagen.

    AntwortenAntworten
  9. oLiGaRcH sagt:

    Danke für den Text.

    Bin grad zwiegespalten. Ein konfrontierendes Zusammentreffen mit H. würde Sie auf Tage und Wochen hinaus aufwühlen, Sie sind ja jetzt schon ein ziemlich gedankenvoller Mensch – mitbedingt durch die Passion für’s Bloggen.

    Ein entspannter Flashback in die alten Zeiten wird es garantiert nicht werden.

    Andererseits angemerkt: Glauben Sie an das Potential von Menschen. Gehen Sie das Risiko ein. Durch Clique und Co. haben Sie den nötigen Rückhalt, den starken Tobak zu verarbeiten. Trauen Sie dem alten Leitwolf von einst zu, dass auch er dieses Treffen überstehen wird.

    Und dass Sie nicht im Einreiher auflaufen – eh klar.

    Toi-toi-toi. Ihm und Ihnen.

    AntwortenAntworten
  10. Drogen verändern die Persönlichkeit. Es ist nicht allein so, dass Abhängige von der übrigen Gesellschaft gemieden werden, auch der Abhängige selbst meidet die Gesellschaft. Es ist der Mangel an Themen und Interessen, die ein Aufeinandertreffen dieser „zwei Welten“ zu einer gestockten Angelegenheit verkommen und im Keim ersticken lassen.

    Sie sind in dieser Welt genauso fehl am PLatz, wie er in Ihrer. Der Gedanke, die Brücke zu schlagen, ehrt Sie. Aber womit? Er ist nicht mehr der Junge von einst. Sie waren einmal Freunde. Sie müssten heute bei Null beginnen. Mit welchem Ziel?

    Bedenken Sie, dass es einer Menge an Kraft und Geduld erfordern würde, dass er es Ihnen nicht leicht machen wird, sollten Sie ein solches Ziel ausmachen können. Ein hoher Preis dafür ein schlechtes Gewissen zu beruhigen; jedoch, wer weiß schon, vielleicht zahlt es sich Tausendmal zurück. Vielleicht ist diese zufällige Begegnungen eine derart, die Leben verändern. Das Zeug dazu hätten Sie, denke ich.

    H. R.

    AntwortenAntworten
  11. Die Muräne sagt:

    Kommt schon, MC. Heut ist nicht alle Tage

    AntwortenAntworten
  12. Oirasuc sagt:

    Ich hätte genauso reagiert wie du.

    AntwortenAntworten
  13. Sabine sagt:

    Hat nicht jeder seinen H.? Man geht weiter, aus Angst, das eigene Leben könnte sich verändern, wenn man ihn anspricht. Man möchte ihm helfen, möchte ihn am liebsten mitnehmen!? Raus reißen aus seinem Leben? Angst vor den Konsequenzen für das eigene Leben. Hilfe, die man geben möchte …. aber man weiß nicht wie. Der einfachere Weg: weg sehen, man hat ja ihn nicht bemerkt … und mit etwas Glück erfährt man nicht, oder nur am Rande, was aus ihm geworden ist …

    AntwortenAntworten
  14. Darf ich eine provokante Frage stellen und, ich gebe es zu, dabei ein wenig von mir auf dich/Sie schließen?
    Ist nicht immer auch ein Quäntchen Freude dabei, mal wieder ein gutes (ernstes, wichtiges, autentisches) Thema für den Blog gefunden zu haben? Bei aller Betroffenheit stellt sich doch die Frage, was länger dauert: ein paar freundliche Sätze an den Typen oder der Artikel, bis er fehlerfrei im Blog steht… Menschlichkeit ist analog + direkt, nicht digital + reflektiert.

    AntwortenAntworten
  15. ich kann verstehen, dass man bei solchen begegnungen unsicher reagiert. er wird dir sicher nochmal über den weg laufen, dann kannst du es ja anders machen.

    AntwortenAntworten
  16. buem sagt:

    Hi MC,
    sehr nachdenklicher Text an einem Montag morgen. Wie Sabine so schön schreibt hat wahrscheinlich wirklich jeder seinen H, mal weniger, mal mehr schlimm.
    Ich hab meinen auch, bei mir ist es L.
    Der hat sich einen Großteil seines Gedächtnisses mit Tablette weggemacht. am Anfang hab ich noch versucht den Kontakt aufrecht zu erhalten, aber es ging einfach nicht, jedenfalls nicht in dem mir mögliche Rahmen.
    Also mach Dir keinen Kopf. Letztendlich ist jeder seines Glückes Schmied. Und wenn die sich nicht helfen lassen wollen, kannst Du Dir ein Bein ausreißen und es kommt nichts dabei raus.

    AntwortenAntworten
  17. gürtel sagt:

    bin echt froh, dass ich so einen schlimmen fall nicht im (ehemaligen) freundeskreis habe – wüßte wohl auch nicht, damit umzugehen und tipps kann man da auch nicht geben. nach dem herzen handeln ist in den meisten fällen das beste. aber auch damit habe ich oft schwierigkeiten… trotzdem nen guten wochenstart!

    AntwortenAntworten
  18. Frau Echse sagt:

    mc, ein guter, trauriger text.
    ich weiß genau was du meinst, denn meine damals beste freundin ist auch immer mehr abgerutscht und irgendwann „auf heroin“ gelandet. wie soll man das verhindern? ich glaube das geht nicht….
    vor vielen jahren habe ich sie im vorbeifahren in der stadt gesehen, total abgerissen, aufgeschwemmt mit 2 alditüten. ich nehme an da waren ihre gesamten sachen drin. sie lebt auf der straße.

    AntwortenAntworten
  19. Etosha sagt:

    Angst? Was wäre das Schlimmste gewesen, das passieren hätte können?

    AntwortenAntworten
  20. MC Winkel sagt:

    @ rene: Als treuer Leser habe ich natürlich Deine „5 Leben“ gelesen und weiß Bescheid. Sei froh, doh. Wer weiss, was für eine Wendung mein Leben genommen hätte, wenn dieser Nachmittag anders gelaufen wäre. Und ob er seine Einsamkeit wahrnimmt?
    @ Oliver Kler: Oder?
    @ Heide: Danke!
    @ ChliiTierChnübler: Ich hätte Ihm sagen wollen, dass ich ihn immer gerne gemocht habe. Das ich ihn geschätzt und bewundert habe und dass er ein geiler Typ … war? Ist? Ich weiss halt nicht. Hätte es aber ohnehin nicht tränenfrei übermitteln können – und das käme dann wohl auch wieder einer Demütigung gleich.
    @ Xe54: Mal sehen.
    @ Sebastian: Muss ja auch mal, nech.
    @ creezy: Ich weiss eben nicht, ob das tatsächlich so ist. Ich glaube da mehr an die H.R. Eichkatz-Theorie. Danke trotzdem!
    @ Elsa: Leichter gesagt als getan, Frau Seefahrt.
    @ oLiGaRcH: Man wird es sehen. Vielleicht sehe ich Ihn ja jetzt erstmal wieder 10 Jahre nicht. Hat die vergangenen 10 doch auch geklappt.
    @ H.R. Eichkatz: Teilweise harte Worte, teilweise aber auch meine Gedanken.
    @ Muräne: Alles in Ordnung, Herr Muräne!
    @ Oirasuc: Hätten wohl die meisten. Menschen sind halt feige.
    @ Sabine: Aber genau diese Ignorenz geht doch eigentlich nicht klar?! Doch nicht bei Menschen, die einem mal viel bedeutet haben und es unterbewusst vielleicht immer noch tun!!?!
    @ Bodenseepeter: Sie dürfen. Nein, ich suche nicht nach „passenden“ Blog-Beiträgen. Irgendwas ist ja immer, das sagte schon der Don. Glauben Sie mir: Zeilen wie die obigen gehern mir wesentlich schwerer von den … Fingern als der ganze übliche Krempel. Mit Ihrer Menschlichkeit-Theorie hatten Sie recht, 1998. Web 2.0, lieber Peter.
    @ bsc: Mal sehen! :)
    @ Buem: „Letztendlich ist jeder seines Glückes Schmied“ ist bestimmt nicht falsch. Mir aber irgendwie zu einfach…
    @ Gürtel: Da sind wir aus gleichem Holz, Gürtelsen!
    @ Echse: Auch M-Town?
    @ Etosha: siehe „@ ChliiTierChnübler“.

    AntwortenAntworten
  21. crosa sagt:

    In so einer Situation scheint es kein richtiges Verhalten zu geben. So etwas ist immer schrecklich, und fast jeder kennt einen ähnlichen Fall, wenn auch nicht immer so extrem. Ich glaube es wäre trotzdem wichtig und richtig auf diese Menschen zu zugehen, die eigene Angst zu überwinden. Einfach ist das sicher nicht. Ändert das was ? Nicht unbedingt, und nicht unbedingt bei Herrn H. Doch diese Menschen einfach auszuschließen kann nicht der richtige Weg sein.

    Herr H. lebt noch einmal auf, hier in diesem Block, der Herr H. wie er einmal war. Und jeder der ihn kennt und das liest wird an ihn denken. Das ist auch was. Und das ist kein Vorwurf, hab mich auch erst neulich dabei ertappt NICHT auf jemanden zu zugehen der es wohl benötigt hätte.

    Schön geschrieben Herr Winkelsen, eben nicht nur der Holstenpartymensch.

    AntwortenAntworten
  22. Bernhard_H sagt:

    Hmm, MC, mal wieder ein Eintrag, der einen nachdenklich stimmt. Ich kannte natürlich auch 2 von den Jungs. Beide Söhne reicher Ärzte, beide nicht die Dümmsten – und beide waren knapp dran, ihr Leben endgültig zu vergeigen. Heute geht’s – soweit ich weiss – beiden ganz OK.

    AntwortenAntworten
  23. Bernhard_H sagt:

    Ahja, nachtrag: ein Dritter hat’s nicht geschafft, der ist dann mal im Millieu ermordet worden. Geht also auch anders…

    AntwortenAntworten
  24. sureshot sagt:

    Arsch in der Hose oder Albträume? – ich weiß, wofür ich mich entscheiden würde. Beim nächsten Mal traust Du Dich, Digga!

    AntwortenAntworten
  25. padre sagt:

    Ein toller Beitrag. Lässt sich absolut nachempfinden und noch etwas mehr – ich kenne diese Situation. „Mein Freund“ hängt zwar nicht an der Nadel, aber er hat sich mit Chemie ins gesellschaftliche Aus befördert. Und zwar sehr gründlich. Er konnte viel besser Gitarre spielen als ich damals. Wir hatten eine Punkband. Jetzt fahre ich Neuwagen, trage Sakko und er fährt mit der Bahn zum Sozialamt und trägt Hochwasserhosen, die schon genauso lange tot sind wie unsere Punkband.

    AntwortenAntworten
  26. Bandini sagt:

    Das sind die Momente, in denen der MC den Menschen zeigt, dass er weit mehr ist als der Spaßmacher. Deshalb mag ich ihn.

    AntwortenAntworten
  27. medienjunkie sagt:

    ich würde creezy zustimmen, kann mir aber nur schwer vorstellen, dass ich anders gehandelt hätte als im text. in solchen situationen ist das immer schwieriger. aber man trifft sich immer zweimal.

    AntwortenAntworten
  28. Morticia1 sagt:

    ausnahmsweise mal ganz unsarkastisch: astrein! und wenn mal herr rowohldt bei dir anklingelt: ICH hab dich entdeckt! lies mal „lass mich die nacht überleben“ vob jörg böckem, da gibts volles rohr mehr zum thema, auch traurig aber wahr. und der pirat habe ich selbstverständlich gesehen. und das nur wegen onkel vogel.
    chapeau, herr winks. ganz ganz guter text!!!

    AntwortenAntworten
  29. C510 sagt:

    ja beim nächsten mal versuchst du ihn anzusprechen…trau dich, das hilft ihm sehr

    AntwortenAntworten
  30. graipfruit sagt:

    sehr gut geschriebener text mit traurigem inhalt. auch wenn meist nicht so extrem ist- irgendwie hat doch jeder schon mal erlebt einen guten freund von früher zu treffen und musste traurigerweise feststellen, das da garnix mehr ist, was einen verbindet…

    AntwortenAntworten
  31. glam sagt:

    there is nothing you could do. du bist kein arzt und kein therapeut. er ist krank und du kannst nichts dafür.

    AntwortenAntworten
  32. r0ssi sagt:

    kenne ich, mein bester freund aus kindertagen, hab ihn auch seit 10 jahren nicht mehr gesehen, sitzt wiederholt wegen dealereien im knast. allerdings war seine sozialprognose damals schon dementsprechend. aber mitleid? nein.

    AntwortenAntworten
  33. MC Winkel sagt:

    @ crosa: … Danke!
    @ Bernhard_H: Wer sie wohl wirft, die Münze des Glücks?
    @ sureshot: Ich sollte.
    @ padre: Neuwagen und Sakko bedeuten nichts. Absolut gar nichts.
    @ Bandini: Danke!
    @ medianjunkie: Eben!
    @ Morticia: Habe das Buch gerade zur Hand + schon viel darüber gehört. Wenn Zeit ist, les´ ich’s. Problem: Ist nur nie Zeit! Und Danke.
    @ C510: Ich sollte.
    @ graipfruit: Da sist es ja nicht. Ich weiss, das uns etwas verbindet. Und das kann uns auch keiner nehmen.
    @ Glam: Trocken, aber wohl wahr. Trotzdem kotzt einen diese Hilflosigkeit an.
    @ r0ssi: Bei mir schon. Also Mitleid. Kann man ja nicht steuern, diese (Schuld-)Gefühle.

    AntwortenAntworten
  34. Iris sagt:

    Guter Text.

    Meine Schulfreundin L. verstarb vor ca. 10 Jahren an dem Zeug. Wenn ich im Nachhinein über unsere Vergangenheit nachdenke, hatte sich ein gewisser hang zur Selbstzerstörung schon mit 12 Jahren angedeutet. Sie hatte damals als eine der ersten in unserer klasse einen Freund und als wir mal bei ihm und seinen(Zwillings) Bruder zu Besuch waren hatte sie sich plötzlich im Zimmer eingesperrt und wir sollten nicht mehr rein. Als ich nach langen Klopfen und Rufen nach ca 30 Minuten zu ihr konnte, hatte sie sich mit einem Schraubenzieher ein Loch in den Arm gebohrt, ziemlich eklig. Grund? Mich hat keiner lieb, waren ihre Worte! Im selben jahr wollte sie von der Burg in unserem Dorf springen, als der Weihnachtsmarkt stattfand und mit Müh und Not gelang es uns und unserem Jugendhelfer, sie davon abzuhalten. Grund? Mich hate keiner lieb, waren ihre Worte!

    Ich fragte mich immer, wie sie darauf kam. Sie war das Lieblingsmädchen in der Klasse und bei den Jungs. Die Mädels wollten ihre beste Freundin sein, die Jungs Ihr Freund. Sie hatte in Sport die besten Noten, machte professionell Leichtathletik und tanzte in der Jazztanzgruppe, in den anderen Schulfächern war sie auch sehr gut.
    Ich war insgeheim immer etwas neidisch auf sie, da sie quasi das Vorzeigemodell an Mädchen meiner Generation war, bis die Aussetzer sich mehrten.

    Wir haben noch zusammen mit dem Rauchen angefangen, erste Kippe mit 13. Dann bin ich weggezogen, in die Stadt.

    Was dann kam, hörte ich leider immer nur aus dritter oder vierter Hand. Marihuana, Trips, LSD, Heroin. mehrmals von Zuhause abgehauen, teilweise im Ausland rumgehangen und konsumiert. Einmal hat mein Vater sie auf Bitte Ihrer Eltern getroffen. Er ist beruflich in der Suchtberatung tätig. Seiner Aussage nach, wollte sie nie aufhören, warum auch, leben ist eh Scheiße.

    Dann das letzte Fünktchen Info, gestorben am goldenen Schuß.

    Das war vor ca 10 Jahren, wir waren 20. Damals war das alles so fern, ihre Lebensgeschichte. Heute frage ich mich manchmal, warum ich nicht einmal mir die Mühe gemacht habe, sie zu besuchen, unabhängig davon, ob ich ihr nun helfen konnte…

    Deswegen kann ich Dir, lieber herr Winkel, nur sagen: Wenns Dir doch irgendwie auf der Seele brennt und Du eigentlich ja gern was zu ihm sagen möchtest – tu es das nächste mal!

    AntwortenAntworten
  35. 500beine sagt:

    Wie wär’s denn mit ganz normal „hallo“ sagen, ohne irgendein Helfersyndrom im
    Hinterkopf?
    Ein Heroinsüchtiger ist nur die Spitze der Pyramide unserer auf allen Ebenen süchtigen Gesellschaft.
    Er ist der (kaputte) König.

    AntwortenAntworten
  36. Nadine sagt:

    Ich glaube, fast jeder hat so einen „dunklen Schatten“ der Vergangenheit.
    Genauso gut kann ich die „scheiss Angst“ nachvollziehen – ich habe sie in ähnlicher Form auch erlebt als ich meine beste Freundin von damals, die auch „auf die schiefe Bahn“ gekommen war, versucht habe wieder zu finden. Leider wollte sie sich nicht finden lassen.
    Die Frage die sich stellt, die mich auch immer wieder plagt, ist jedoch, warum habe ich sie damals nicht stärker versucht am Abrutschen zu hindern. Was bin ich für ein Mensch, dass ich nicht mit Leib und Seele damals versucht habe sie aus dem Schlamassel zu holen – hätte ich nicht damals viel Schlimmes verhindern können? DAS ist der Punkt, der mir Sorgen bereitet und mich zum Nachdenken bringt, mehr noch als die Frage, was wäre, wenn sie mir jetzt begegnen würde. Letztlich ist doch immer alles eine Frage der Selbstrepräsentation des Ichs im Damals und Jetzt, oder?

    AntwortenAntworten
  37. Jörg sagt:

    hi MC,
    ein Text der schon sehr nachdenklich macht.
    Ich möchte mich da der Iris anschließen und dir raten deine Angst zu überwinden und ihn das nächste mal anzusprechen.
    Was hast du schon zu verlieren? Ich glaube ihr werdet beide etwas gewinnen.

    AntwortenAntworten
  38. soleil sagt:

    dein schönster, emotionalster text, seit ich hier leserin bin. steht dir gut.

    ich hätte ihn angesprochen, die alten zeiten ihm ein bisschen nahe bringen, vielleicht würde es ihm ein bisschen helfen. ein bisschen nur, aber das nützt ja schon viel.

    AntwortenAntworten
  39. Silka sagt:

    hm ich kenne mich mit drogen gott sei dank nicht aus. aber mit einsamkeit ganz ganz tief im inneren. lieber mc, manchmal reichen nur wenige worte um den anderen menschen eine freude zu bereiten. vielleicht gibt ihm das auftrieb etwas in die wege zu leiten ….auch wenn es nur eine kleinigkeit ist. nur ein einfaches „hallo“ und die geste, sind manchmal die kleinigkeiten die im leben weiterhelfen. wegrennen und verdrängen ist für keinen gut. und es scheint dich ja wirklich zu beschäftigen.

    AntwortenAntworten
  40. timanfaya sagt:

    jeder, der mal in die nähe dieser subkultur kam oder kommt hat so einen bekannten oder freund. bei mir war es mein damals bester freund – und ich habe mir jahrelang viele viele gedanken gemacht, ob ich etwas besser hätte machen können.

    ich denke nicht. aus der entfernung betrachtet gab es damals zwei sorten von konsumenten. die, welche die drogen im griff hatten – und die, welche die droge im griff hatte. das hat man, oder man hat es nicht. ich denke, fast jeder absturz erfolgt nach einem vorher festgelegten muster.

    der ausstieg vielleicht nicht. aber da ist man als laie sicherlich fehl am platze …

    AntwortenAntworten
  41. Morticia1 sagt:

    junkie sein, ist keine krankheit, die man sich aus versehen zugezogen hat. es ist ein entscheidung, die man täglich neu trifft. der weg daraus ist sicher nicht easy aber es gibt ihn. ich hätte ihn auch nicht gegrüßt, aber ich bin ja auch nicht der grüßer.

    AntwortenAntworten
  42. Malcolm sagt:

    Fast meine halbe Klasse aus Realschulzeit steht als Vorlage für Barbara Salesh und ihre Psychokollegensendungen. Wenn ich in meiner alten Heimatstadt unterwegs bin und mir läuft einer von ihnen über den Weg, bete ich darum, dass sie mich nicht erkennen.

    Nur habe ich kein Mitleid mit diesem Pack. Das haben sie sich vor Jahren geschenkt.

    AntwortenAntworten
  43. Torx sagt:

    Sei froh, dass du diese (und andere) Angst hast. Er hat seine leider überwunden. Wohl wäre ihm einiges erspart geblieben.

    AntwortenAntworten
  44. steuertussi sagt:

    ich muss sagen… das ich solch schlimme Fälle nicht in meinem Umfeld betrachten konnte, zum Glück, mich würde dies sicherlich auch traurig machen.. vielleicht liegt es daran, das ich nicht aus einem Dorf stamme… man eben nicht alles über jeden aus seiner Vergangenheit weiß… oder es hängt ganz einfach mit dem Umfeld zusammen…keine Ahnung…

    es muss ja nicht immer gleich Heroin sein, was die Menschen kaputt macht… manchmal reichen auch kleinere unscheinbarere Drogen wie der Alkohol aus, um Menschen total zu verändern…und ja, sowelche kenne ich auch. Allerdings war ich mit denen nie befreundet, und bereue auch nicht, nie was gesagt zu haben…
    Ich kenne auch viele andere Probleme meiner Freunde… die eine hat überhaupt keinen Plan davon, wie man mit Geld umzugehen hat, verfällt immer wieder der Kaufsucht -…hier was neues da was neues…. für jedes wichtige Date muss was neues her- , die andere hägt schon mit einem Fuß in der Privatinsolvenz… ich versuche ständig denen beizustehen und zu helfen… aber leider kann ich nicht alles in deren Kopf reinhämmern.. sie sehen nicht die Zukunft, sie wollen Sie auch nicht sehen…
    und ich stupse Sie immer wieder an, ob es nun was bringt oder nicht, aber ich fühle mich dazu verpflichtet… ich bin schließlich eine Freundin!

    Ich könnte allerdings auch mit H. nicht reden, wüßte nicht was man sagen soll.. habe doch garkeinen Bezug und garkeine Ahnung warum wiso weshalb…. und er wahrscheinlich auch nicht.

    AntwortenAntworten
  45. hannes sagt:

    Kann mich auch nur anschließen, sehr guter Text. Hab nur irgendwie das Gefühl, dass genau so heisst wie ich.

    AntwortenAntworten
  46. Cristian sagt:

    …traurig….sehr traurig

    AntwortenAntworten
  47. Batz sagt:

    Wieder mal ein sehr schöner, anrührender Text, jenseits der Coolness.

    Kann deine Gedanken ebenfalls sehr gut nachvollziehen, die Angst und Hilflosigkeit in solchen Momenten überwiegt ja doch zumeist…

    AntwortenAntworten
  48. Dachte noch, so etwas passiert mir nie und dann ist es mir eben gerade, als ich durch die Straßen in Schwabing passiert. Nur sah ich keinen Drogisten sondern einen alten Freund, hinter dem ich mich schnell vorbeischlick. Eine ‚Schande!

    AntwortenAntworten
  49. brittbee sagt:

    Großer MC.
    Knutsch von der Spree. Dafür daß Du´s blogst und nicht im Kopf behältst.

    AntwortenAntworten
  50. Finja sagt:

    ich mach mich jetzt mal unbeliebt: finger weg von süchtigen. immer, egal, welche sucht. man verliert nur.
    ein hallo vielleicht, aber niemals sollte man sich in eine suchtwelt ziehen lassen.
    [das sag ich auch jedem, der sich mit mir einlässt. am schluss gibts dann doch nur tränen und schmerz.]
    aber großartiger text. danke fürs nachdenklich machen.

    AntwortenAntworten
  51. Zoolicious sagt:

    FRÜÜÜÜHSTÜCK!
    *auf die vene in der armbeuge klopft*

    ne im ernst…finger weg von harten drogen.
    guter text

    AntwortenAntworten
  52. der_rex sagt:

    really moving. IMHO: go talk to him. it´s good for both of you guys. and your nightmares might go away…

    AntwortenAntworten
  53. Matthias sagt:

    Sehr guter, nachdenklicher Text. Ich find’s aber gut sich auch mit solchen Themen mal auseinanderzusetzen – auch über den Blog. An den vielen Kommentaren merkt man ja das es eins von den Themen ist die wir in unserer Gesellschaft gerne verdrängen und darüber zu bloggen ist ja auch eine form so etwas zu bewältigen. Respekt.

    AntwortenAntworten
  54. oldman sagt:

    Erinnerst Du Dich? Im Garten? 3. Bier?Tim?
    Man muß loslassen um nicht selbst zu zerbrechen.

    AntwortenAntworten
  55. Tina sagt:

    Ich kann mich erinnern, daß, als sich der Lehrer meiner Schwester vom Dach der Schule stürzte – ich war ungefähr sechs Jahre alt – eine Bekannte meiner Eltern schulternzuckend sagte: „Es gibt Menschen, die sind einfach nicht für’s Leben gemacht“. Ich habe diesen Satz lange nicht verstanden, dennoch nie vergessen, und muß häufig an ihn denken, wenn ich solche Situationen wie die von Ihnen beschriebene erlebe. Was leider schon vorgekommen ist.
    Ob der Satz stimmt, habe ich trotzdem bis heute nicht herausgefunden.
    Wahrscheinlich ist auch dies nur ein Versuch, sich die Schuldgefühle zu nehmen, der aber nicht hilft.

    AntwortenAntworten
  56. witha sagt:

    Ich versteh den Punkt „Angst haben “ nicht….wovor genau denn Angst?

    AntwortenAntworten
  57. Ich glaube das ist das schlimmste für solche Menschen. Dass andere nicht damit umgehen können und sich isolieren.
    Wäre sein Herz, wie schreiben Sie das,..ausgebrannt?, dann würde er nicht versuchen etwas zu verstecken, zum Arzt gehen etc.
    Jemand der nicht mehr fühlt und so etwas gibt es leider, der nimmt seine Umwelt nicht mehr war, liegt nur im Bett, empfindet gar nichts mehr, nicht einmal wenn er angefasst wird. Der trinkt und isst nichts, der liegt da wie im Koma, sowas kommt bei schweren Depressionen vor.
    Schon mal daran gedacht, warum er das extreme so celebriert und gebraucht hat?
    Ich kann Ihre Angst verstehen, aber naja…es war Ihr Freund und wer redet mit dem Kerl, wenn sich seine Freunde nicht mal trauen, was zu sagen?

    AntwortenAntworten
  58. Opa sagt:

    Niemand kann dir raten. Tu, was du tun mußt. Ich habe es getan, ich konnte nicht anders.

    AntwortenAntworten
  59. Nightfalcon sagt:

    MC Offen+Ehrlich aka MC Winkel, ganz großes Ding, Digger, und ganz offen und ehrlich von mir: ich hätte auch ne Scheißangst, und wüßte nicht, was ich sagen sollte.

    Aber auch in meinem Leben gibt es einen H., nicht ganz so tief gesunken, kifft nur und säuft zuviel, aber wir haben Kontakt, ich bin der Einzige, mit dem er ab und zu mal was unternimmt, aber manchmal kann man auch selber einfach nicht mehr.

    Man ist einfach machtlos, ich kann Deine Angst verstehen.

    Kopf hoch!
    Und danke für diesen tiefen Einblick in die Wink’sche Seele, mich jedenfalls hat es berührt und aufgerüttelt.

    AntwortenAntworten
  60. Frau Echse sagt:

    nein, nein mc von wegen mettentown…… gutbürgerliches heikendorf, aber ein zuhause ohne liebe oder überhaupt interesse aneinander.
    ich bin mir ziemlich sicher, dass das gift ist für einen kleinen menschen. wer sich nicht geliebt und angenommen fühlt kann nicht lieben und vor allem nicht sich selbst gernhaben.

    AntwortenAntworten
  61. MC Winkel sagt:

    Vielen Dank, ihr Lieben!

    Ich lass‘ das jetzt einfach mal so stehen und bedanke mich bei Euch allen dafür. Zu diesem Beirag haben mir die Kommentare richtig Spaß gemacht, so unangenehm das Thema auch ist. Fürchte, ich sollte öfter mal etwas tiefer blicken lassen.

    AntwortenAntworten
  62. KlingelTony sagt:

    Bin zwar etwas spät, aber dazu muss ich auch noch unbedingt was los werden. Mein Onkel war auch sehr lange stark Drogensüchtig, auch mehrere Entziehungsversuche hinter sich gebracht usw..
    Aber man darf den Menschen niemals aufgeben, keiner hätte es für möglich gehalten das er es je schaffen könnte. Und.. er hats geschafft. Er hat das alles jetzt schon viele Jahre hinter sich, hat nochmal studiert, ist jetzt Sozialpädagoge und leitet ein Jugendzentrum. Ich will damit nur sagen, gibt Ihn nicht auf.
    Und ich hätte auch Angst mit ihm zu sprechen, aber wenn du ihn siehst, geh hin frag ihn ob er etwas Zeit hat und lade ihn auf nen Kaffee ein. Das Gespräch ergibt sich dann von selbst und vielleicht erzählt er dir ja was ihn so quält. Du musst ihn ja nicht retten, aber zuhören hilft manchmal auch schon weiter.

    AntwortenAntworten
  63. Zack sagt:

    Puh harter Tobak, MC. Aber da bleibt was hängen. Danke dafür!

    AntwortenAntworten
  64. smpx7 sagt:

    Hart aber ehrlich.
    Finde es klasse, das man den MC auch mal so, und nicht immer nur in quasi Feierlaune sieht :)

    AntwortenAntworten
  65. malte sagt:

    Keiner meiner Freunde hat diesen Weg eingeschlagen. Also kann ich da keine guten Ratschläge geben. Und du hättest ihm auch nicht helfen können. Aber angenommen, er hätte dich gesehen? Dann hättest du ja irgendetwas sagen müssen. Genausowenig wie ein Krebskranker, will ein Junkie nur auf sein Elend reduziert werden. Ich habe mich mal mit einem Junkie unterhalten (in einer Klinik) und dann einfach über Alltagskram geredet. Klar irgendwann hat er mich gefragt, ob ich irgendeine Anlaufstelle für Zeugs hätte. Hatte ich nicht. Geschadet hat das Gespräch keinem von uns. Und weitergebracht auch keinen von uns. Aber man sollte Junkies (Kranke, Arme, Ex-Knackies) nicht noch einsamer machen, weil man denkt es wäre besser für sie. Oder unterstelllt, sie würden eh nichts fühlen. Bleibt ein schwieriges Thema. Danke für die Ehrlichkeit.

    AntwortenAntworten
  66. masliebling sagt:

    ey, ich hatte eine aehnliche geschichte:
    bei uns in der klasse war jemand, total zurueckgezogen, immer nur auf mama gehoert, viel tennis (talentiert), gute noten, usw.
    parties nie, als wir bier entdeckt haben (sechste klasse), fing er mit kakao und matschbroetchen an, als wir geraucht und gekifft haben, hat er sich weggedreht und als wir gegelmaessig voll waren, da stand er auf dem tennisplatz oder sonntags auf dem fussballpaltz und hat uns fussballerisch den arsch versolt.
    hat abitur gemacht, glaenzende zukunft im blick und monat danach gestorben. irgendein atemstillstand, oder so.
    der kiffer, kokser, alki meines jahrganges (ebenfalls beste noten ohne arbeit) hat uebrigens eine tieraeztin geheiratet und ist mit ihr weltweit als assistent fuer irgendwelche entwicklungshilfeprojekte unterwegs.

    in der regel wissen die leute, die es nicht in ein buergerliches leben geschafft haben, dass das so ist. mitleid ist etwas, was sie gar nicht wollen, meistens geht es denen darum in ihren situationen akzeptiert zu werden. sie sind nicht giftig und freuen sich ueber jedes normale gespraech genauso wie du und ich.

    AntwortenAntworten
  67. HinRichter sagt:

    Hab jetzt die vorigen Kommentare nicht gelesen, nur kurz meine Meinung:
    Bis zu dem Part nach dem ersten Blech genau meine Story. Danach aber Ende. Wer es allein nicht schafft, schafft es nie. Das Überleben des Schlaueren/ Härteren. Ich hab nicht mehr als ein Mal probiert.
    Mein älterer Bruder ist genau die Schiene von deinem Kumpel gefahren. Weisst du was, so beschissen es sich anhört: Vergiss ihn.
    Das ist nicht mehr derselbe Mensch, den du mal als Freund gehabt hast. Mein Bruder auch nicht mehr. Die Verwandlung ist irrevisibel. Kein Weg mehr zurück.
    Tut mir leid um deinen Freund.

    AntwortenAntworten
  68. […] ? Keine Kommentare – jetzt Kommentar schreiben » Noch keine Kommentare. RSS-Feed für Kommentare zu diesem Beitrag. Einen Kommentarhinterlassen […]

  69. […] Mich zieht es weiter zum berühmten MC Winkel. MC Winkel hat viele Besucher verdient, weil wie er hier, über einen Jugendfreund, der den Drogen verfallen ist, schreibt. Berührt mich sehr. Übrigens war das gar nicht der neuste Artikel aber Opa hatte darauf verlinkt. Zerstreut wie ältere Menschen eben so sind, nehm ich ihm das aber nicht krumm. […]

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert.

Emsers Most-Dangerous-Parkplätze – heute (2):
WHUDAT x BaS in Cape Town // South Africa (26 Pictures)
WHUDAT @ Wellington // New Zealand (16 Bilder) #nzblogtrip
VLOG: WHUDAT in Neuseeland - Teil 1: Auckland & Piha Beach (Clip) #nzblogtrip
Podcast: Winkelsen und Dansen trinken 1 Bier // Folge 7: Politics as Usual